23.
Soviel sei über das gastfreundliche Wesen des Mannes gesagt, das aber nur ein Beiwerk einer grösseren Tugend ist; diese Tugend ist die Gottesfurcht, über die wir schon früher sprachen, für die aber auch das eben in Bezug auf die fremden Männer Erwähnte der deutlichste Beweis ist. Wenn aber manche glauben, dass das Haus ein glückliches und gesegnetes ist, worin Weise sich einfinden und verweilen, die es nicht für recht halten würden, auch nur einen Blick hineinzuwerfen, wenn sie irgend eine unheilbare Leidenschaft in den Seelen der Bewohner wahrnehmen, so weiss ich nicht, welches Übermass von Glück und Segen ich dem Hause zuerkennen soll, wo einzukehren und Gastfreundschaft von Menschen (Die Lesart der Handschrift C προς ανθρώπων verdient hier den Vorzug vor der der übrigen Hss. προς ανθρώπouς [L. C.]) zu geniessen Engel nicht verschmähten, heilige und göttliche Wesen, Diener und Statthalter des höchsten Gottes, durch die als seine Boten er kündet, was er unserem Geschlecht prophezeien will. Wie hätten sie überhaupt eintreten dürfen, wenn sie nicht gewusst hätten, dass alle Bewohner wie die gut zusammengesetzte Bemannung eines Schiffes einem Befehle gehorsam sind, dem des Vorgesetzten, der gleichsam ihr Steuermann ist? Wie hätten sie sich den Anschein gegeben, als ob sie schmausten und sich bewirten liessen, wenn sie nicht den Gastgeber für einen Verwandten und Dienstgenossen gehalten hätten der zu ihrem Gebieter seine Zuflucht genommen? Sicherlich aber darf man glauben, dass bei ihrem Eintritt alle Glieder des Hauses an Vortrefflichkeit noch gewannen und von einem Hauche vollendetster Tugendhaftigkeit durchweht wurden. Das Gast-mahl aber verlief so, wie es sich geziemt, da die Bewirteten dem Wirte gegenüber ihre Einfachheit im Essen zeigten, ihn mit schlichtem Anstand anredeten und den Umständen angemessene Unterhaltung mit ihm führten. Ein Wunder war es aber, dass sie, ohne zu trinken und zu essen, die Vorstellung hervorriefen, als ob sie getrunken und gegessen hätten (Dasselbe sagt der Midraschl. Vgl. Talm. Baba Mezia fol. 86 b, Midr. Bereschl. R. c. 48 zu 1 Mos. 18,8 u. Targ. Jonathan z. St. Ebenso Josephus Altert. I § 197.). Aber das war nur eine Folgeerscheinung; das erste grosse Wunder besteht darin, dass sie als unkörperliche Wesen dem Weisen zu Gefallen Menschengestalt angenommen haben; denn weshalb geschah das Wunder, wenn nicht zu dem Zwecke, durch eine deutliche Erscheinung dem Weisen bemerkbar zu machen, dass er als solcher dem Allvater nicht verborgen geblieben sei?
