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Sehr deutlich und ganz unzweifelhaft deutet er dies auch im folgenden an (1 Mos. Kap. 19). Das Land der Sodomiter, ein Teil des kanaanitischen Landes, das man später Syria Palaestina nannte, war voll von unzähligen Freveltaten, ganz besonders von solchen, die aus Völlerei und Ausschweifung entstehen, und hatte dazu eine grosse Menge anderer Lüste aufgehäuft; deshalb war es längst von dem Richter des Alls verurteilt. Veranlassung zu dem übermässig zuchtlosen Leben gab den Bewohnern die beständige Fülle von Vorräten; denn das fruchtbare und wasserreiche Land brachte Jahr für Jahr einen reichen Ertrag an mannigfachen Früchten (1 Mos. 13,10). „Die Hauptursache des Bösen ist aber, wie einer mit Recht gesagt hat, ein Zuviel des Guten“ (Ein Zitat aus einem Stücke des Komödiendichters Menander.). Da sie diesen Überfluss nicht ertragen konnten, wurden sie ausgelassen wie übermütige Tiere und warfen das Gesetz der Natur von sich, indem sie sich wüster Zecherei und Schmauserei und gesetzwidrigen Ausschweifungen zuwandten. Sie zerstörten in ihrer Weibertollheit nicht bloss fremde Ehen, sondern Männer verkehrten auch geschlechtlich mit Männern, ohne Scheu vor der gemeinsamen Natur, die sie mit ihren Mitschuldigen verband; diese Knabenverführer (παιδοσποροΰντες ist wohl in παιδοφθοροΰντες zu korrigieren. (L.C.) erhielten zwar den klaren Beweis, dass sie auf diese Weise ihre Manneskraft unnütz vergeudeten, aber der Beweis fruchtete nichts, weil sie von zu heftiger Begierde sich überwältigen liessen. Indem sie nun allmählich Männer daran gewöhnten das zu dulden, was dem weiblichen Geschlechte zukommt, riefen sie bei ihnen die Weiberkrankheit hervor, ein schwer zu bekämpfendes Übel: nicht nur erzeugten sie in den Körpern weibliche Schwäche und Weichlichkeit, sondern auch in den Seelen brachten sie eine niedrige Gesinnung zustande, und soweit es an ihnen lag, hätten sie das ganze Menschengeschlecht vernichten können. Denn wenn allzumal Hellenen und Barbaren hierin übereinstimmend solchen Verkehr üben wollten, würden die Staaten der Reihe nach wie durch pestartige Krankheit entvölkert werden und alsbald veröden.
