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Ich könnte zwar viel Löbliches von der Frau erzählen, will aber nur eins erwähnen, was ein deutlicher Beweis auch für alles übrige sein wird (1 Mos. Kap. 16). Da sie kinderlos und unfruchtbar war, fürchtete sie, dass das gottgefällige Haus gänzlich ohne Nachkommenschaft bleiben könnte; sie trat deshalb an ihren Mann heran und sprach zu ihm: „Schon lange leben wir zusammen in Wohlgefallen aneinander; aber Kindersegen, um dessentwillen wir selbst uns verbunden haben und die Natur die Vereinigung von Mann und Weib angeordnet hat, ist uns nicht zu teil geworden und auch in Zukunft bei mir, da ich schon zu alt geworden bin, nicht zu erwarten. Doch du sollst durch meine Unfruchtbarkeit keinen Schaden haben; da du Vater werden kannst, sollst du dich aus Liebe zu mir nicht zurückhalten lassen; denn eifersüchtig würde ich nicht werden gegen eine andre, die du nicht aus unvernünftiger Begierde, sondern in Erfüllung eines notwendigen Naturgesetzes dir nehmen wirst. Darum will ich es nicht hinausschieben, dir die Braut zuzuführen, die dir das ersetzen soll, woran es mir gebricht; und wenn meine Wünsche hinsichtlich des Kindersegens in Erfüllung gehen, so werden die Sprösslinge deine leiblichen Kinder sein und meine Adoptivkinder. Damit aber kein Gedanke an Eifersucht aufkomme, nimm dir, wenn du willst, meine Dienerin, die zwar in leiblicher Hinsicht eine Sklavin, aber von freier und edler Gesinnung ist, die ich in langer Zeit geprüft und erprobt habe seit dem Tage, an dem sie zuerst in mein Haus gebracht wurde, ihrer Abstammung nach eine Ägypterin, nach ihren Anschauungen aber eine Hebräerin. Wir haben einen bedeutenden Besitz und grossen Reichtum, nicht wie Ansiedler — denn wir überragen schon die Eingeborenen, die sich in glänzenden Vermögensverhältnissen befinden —, aber kein Erbe und Nachfolger hat sich eingefunden; den können wir bekommen, wenn du meinem Rate folgen willst". Der Weise bewundert noch mehr die stets neue und jugendfrische Gattenliebe seines Weibes und ihr Sinnen und Sorgen für die Zukunft und nimmt die von ihr empfohlene (Dienerin) zu sich bis zur Geburt eines Kindes, wie jedoch gründliche Erklärer meinen, nur bis sie schwanger wurde; nachdem sie es alsbald geworden, habe er sich von ihr ferngehalten, sowohl infolge seiner natürlichen Enthaltsamkeit als auch aus Achtung gegen seine Gattin. Damals also ward ihm ein Sohn von der Dienerin geboren, lange Zeit später aber ward ihnen, als sie die Hoffnung auf eigenen Kindersegen schon aufgegeben hatten, ein ehelicher Sohn geboren, da der allgütige Gott ihnen für ihre Tugendhaftigkeit einen über alles Erwarten hohen Preis gewährte.
