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Es ist aber auch noch ein ausdrücklich verzeichnetes Lob vorhanden, das ihm durch einen göttlichen Ausspruch bezeugt wird, den Moses empfangen hat; von ihm wird (über Abraham) gesagt, dass „er Gott vertraute" (1 Mos. 15,6), was sehr leicht auszusprechen, sehr schweraber durch die Tat zu beweisen ist. Denn wem anders soll man vertrauen? etwa der Macht oder dem Ruhm und Ehren oder ausserordentlichem Reichtum und vornehmer Geburt oder der Gesundheit und dem Besitze gesunder Sinne oder der Stärke und Schönheit des Körpers? Ist doch jede Macht etwas Schwankendes, da sie unzählige Gegner hat, die ihr Nachstellungen bereiten; und wenn sie auch einmal gesichert wird, so geschieht dies nur mit Hilfe vielfachen Leides, das die Machthaber bereiten und erdulden. Auch Ruhm und Ehren sind ein sehr schwankender Besitz, denn er ruht unsicher auf urteilslosen Gesinnungen und flüchtigen Worten nicht erprobter Menschen; und wenn der Ruhm auch andauert, so enthält er doch seiner Natur nach kein echtes Gut. Reichtum und edle Abkunft fallen auch den Schlechtesten zu; aber wenn sie auch den Tugendhaften allein zufallen, so ist das doch ein Verdienst der Vorfahren und des Schicksals, nicht der Besitzer. Aber auch auf die körperlichen Güter darf man nicht stolz sein, da hierin die unvernünftigen Tiere uns überlegen sind; denn welcher Mensch ist stärker und kräftiger als der Stier unter den zahmen, als der Löwe unter den wilden Tieren? wer ist scharfsichtiger als der Falke oder der Adler? wer ist hinsichtlich des Gehörs so günstig gestellt wie das trägste Tier, der Esel? wer hat einen schärferen Geruchsinn als der Hund, von dem die Jäger behaupten, dass er mit seiner Spürnase zu der entfernten Jagdbeute zielbewusst hinläuft, ohne sie vorher gesehen zu haben? Denn was das Auge den andern Tieren ist, das sind die Nasenlöcher den Jagd- und Spürhunden. Sehr gesund ist ferner und nahezu frei von Krankheiten die Mehrheit der vernunftlosen Tiere. Aber in dem Wettstreit um die Schönheit können, wie mir scheint, selbst einige von den seelenlosen Dingen die Wohlgestalt von Männern und Frauen schlagen und übertreffen, nämlich Bildsäulen, Schnitzwerke, Gemälde, überhaupt alle gelungenen Werke der Malerei und Bildhauerkunst, die in diesen beiden Künsten geschaffen werden, und die Hellenen wie Barbaren sehr hoch schätzen, da sie sie zum Schmuck der Städte an hervorragenden Plätzen aufstellen.
