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Es ist aber noch eine andre auffallende Bedeutung der Vier zu besprechen und zu beachten. Sie zeigt zuerst die Natur des festen Körpers, während die ihr vorangehenden Zahlen den unkörperlichen (Begriffen) zukommen. Nach der 1 nämlich wird der in der Geometrie so genannte Punkt bestimmt, nach der 2 die Linie, weil durch die Fortbewegung der 1 die 2 entsteht und durch die Fortbewegung des Punktes die Linie. Die Linie ist Länge ohne Breite; durch das Hinzukommen der Breite entsteht die Fläche, die durch die 3 bestimmt wird. Die Fläche aber hat, um die Natur des Körpers zu erlangen, noch eins nötig, nämlich die Tiefe (oder Höhe); wird diese zur 3 hinzugefügt, so entsteht die 4. Hieraus geht hervor, wie wichtig diese Zahl ist, die uns von der unkörperlichen und gedachten Substanz zum Begriff des dreifach ausgedehnten Körpers hinleitet, der seiner Natur nach das erste mit den Sinnen wahrnehmbare Ding ist. Wer das Gesagte nicht versteht, wird es aus einem ganz bekannten Spiel begreifen. Die Nüssespieler pflegen auf eine Fläche drei Nüsse zu legen und eine Nuss daraufzusetzen, so dass eine pyramidenähnliche Figur entsteht; das in der Fläche liegende Dreieck reicht also bis zur Dreizahl, die daraufgesetzte Nuss aber bringt das hervor, was in der Zahlenlehre die 4, in der (mathem.) Figurenlehre die Pyramide ist, ein fester Körper. Ferner darf nicht unbeachtet bleiben, dass die 4 die erste Quadratzahl ist, ein Produkt aus gleichen Zahlen, das Mass der Gerechtigkeit und Gleichheit (Die Pythagoreer führten alle Eigenschaften auf Zahlen zurück, so auch die Gerechtigkeit auf die 4 als das erste Quadrat; denn wie das Quadrat in gleiche Teile zerfällt, teilt die Gerechtigkeit allen das Gleiche zu.), und dass sie allein aus denselben Zahlen sowohl durch Addition als durch Multiplikation entsteht, durch Addition aus 2+2, durch Multiplikation aus 2x2; sie zeigt also ein schönes Bild von Gleichklang, wie es bei keiner anderen Zahl vorkommt. Zum Beispiel die 6 ist doch die Summe von 2 Dreiheiten; werden diese aber vervielfacht, so entsteht nicht die 6, sondern eine andere Zahl, die 9. Noch viele andere Bedeutungen hat die Vierzahl, die genauer in einer besonderen Abhandlung (Diese auch sonst von Philo zitierte Abhandlung ist verloren gegangen.) erörtert werden sollen. Es genügt, hier noch das hinzuzufügen, dass sie das Prinzip für die Schöpfung des ganzen Himmels und der Welt ist; denn die vier Elemente, aus denen das All gebildet wurde, flössen aus der Vierzahl wie aus einer Quelle hervor. Ausserdem sind auch die Jahreszeiten, die Entstehungsursachen von Lebewesen und Pflanzen, vier an der Zahl, da das Jahr in vier Teile zerfällt, in Winter, Frühling, Sommer und Herbst.
