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Nachdem aber Erde und Himmel mit den passenden Schmuckgegenständen ausgestattet waren, jene am dritten und dieser, wie gesagt, am vierten Tage, begann er die Arten sterblicher Wesen zu erschaffen, indem er am fünften Tage den Anfang mit den Wassertieren machte, in der Überzeugung, dass kein Ding mit einem andern so verwandt ist wie die Fünfzahl mit den Lebewesen. Denn die beseelten Wesen unterscheiden sich von den unbeseelten durch nichts so sehr wie durch die sinnliche Wahrnehmung; diese aber ist fünffach geteilt: in Gesicht-, Gehör-, Geschmack-, Geruch- und Tastsinn. Einem jeden nun teilte der Schöpfer besondere Stoffe und ein eigenes Urteilsvennögeri zu, mit dem er die sinnfälligen Gegenstände unterscheiden soll: der Gesichtsinn erhielt die Farben, der Gehörsinn die Laute, der Geschmacksinn die Geschmacksunterschiede, der Geruchsinn die Düfte, der Tastsinn Weichheit und Härte, Wärme und Kälte, Glätte und Rauheit. Allerlei Arten von Fischen und Seetieren, verschieden an Grösse und Beschaffenheit, lässt Gott also entstehen je nach der Örtlichkeit; denn in den Meeren leben bald diese bald jene Arten, manchmal auch dieselben; nur wurden nicht überall alle Arten gebildet, und dies mit Recht; denn manche Fischarten lieben ein seichtes und nicht sehr tiefes Wasser, andere dagegen tiefe Buchten und Häfen, da sie weder aufs Land kriechen noch in weiter Entfernung vom Lande schwimmen können; wieder andere leben in der Mitte und Tiefe des Meeres und vermeiden die Vorgebirge, Inseln und Klippen. Auch gedeihen manche mehr bei heiterem Wetter und Windstille, andere bei Seesturm und hohem Wellenschlag; denn an die beständigen Schläge gewöhnt, wehren sie den Anprall kräftig ab und werden so stärker und fetter. Gleichzeitig erschuf Gott auch die Arten der Vögel, die ja den Bewohnern des Wassers verwandt sind — denn beide sind gewissermassen Schwimmer (Der griechische Ausdruck für „schwimmen" (νήχειν) wird bisweilen auch vom Flug der Vögel gebraucht. Vgl. das deutsche Wort „Luftschiffer".) —, und keine Gattung der Luftwandler liess er unvollendet.
