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Damals also entstand alles, zu gleicher Zeit; obwohl aber alles zugleich entstand, musste doch die Schilderung in. bestimmter Ordnung gegeben werden, weil nach einer solchen in Zukunft alles aus einander entstehen sollte. Bei. der Entstehung der Einzelwesen ist aber die Ordnung diese, dass die Natur mit dem Unbedeutendsten anfängt und mit dem Allerbesten aufhört (Philo vergleicht die Reihenfolge, in der die verschiedenen Tiergattungen nach dem biblischen Schöpfungsbericht geschaffen wurden, mit den Entwicklungsphasen in der Entstehung des einzelnen Tieres, wobei er sich an die stoische Einteilung aller Wesen in 4 Klassen hält: 1. solche die nur έξις oder leblosse Beschaffenheit haben (unorganische Wesen); 2. Solche die φύσις oder organische Natur haben (Pflanzen); 3. Solche die ψυχή oder animalisches Leben haben (Tiere), und zwar zerfällt die tierische Seele in Hauptkräfte, die θρεπτική (Nährkraft) und die αισθητική (Wahrnehmungs- und Empfindungsvermögen); 4. die Menschen, die durch die ψυχή λογική (Vernunft) sich von den andern Tieren unterscheiden.). Wie das gemeint ist, muss mehr verdeutlicht werden. Der Same ist bekanntlich der Ursprung des Werdens der Lebewesen; dieser ist, wie der Augenschein lehrt, etwas Geringfügiges, er gleicht dem Schaume. Aber sobald er in den Mutterschoss gelangt und sich dort festsetzt, erlangt er sogleich Bewegung und verwandelt sich in organische Natur. Organische Natur aber ist ein Höheres als der Same, da ja Bewegung besser ist als Ruhe in den Geschöpfen. Die Natur aber bildet wie ein Künstler oder richtiger gesagt wie die tadellose Kunst selbst das tierische Leben, indem sie die feuchte Substanz auf die Glieder und Teile des Körpers verteilt und die geistige auf die beiden Kräfte der (tierischen) Seele, die nährende und die empfindende (denn die Denkkraft ist hier bei Seite zu lassen, da manche behaupten, dass sie von aussen hineinkommt, weil sie göttlich und ewig ist). Die Natur beginnt also mit dem geringfügigen Samen und endet mit dem Höchsten, dem vollendeten Bau des Tieres und des Menschen. Ganz dasselbe geschah auch bei der Entstehung des Weltganzen: als es dem Schöpfer gefiel, Lebewesen zu schaffen, kamen in richtiger Ordnung zuerst die unbedeutendsten, die Fische, und zuletzt die besten, die Menschen; die andern aber, nämlich die Landtiere und das Geflügel, stehen in der Mitte zwischen jenen, sie sind besser als die ersten und geringer als die an zweiter Stelle genannten.
