18.
Es sind demnach 2 Stellen, welche hiervon ganz klärlich handeln. Die Schrift der Evangelisten von dem Nachtmahl des Herrn, und Paulus 1 Cor. 11. die wollen wir besehen. Denn Matth. Marc. Lucas seyn einhellig, daß Christus allen seinen Jüngern gegeben habe das ganze Sacrament, und daß Paulus beyde Gestalt gegeben habe, ist gewiß, ja also, daß keiner so unverschämt jemals gewesen, der ein anders fürgegeben. Darzu gehört, das Matthäus sagt, daß Christus nicht habe von dem Brodt ge- sagt, esset aus dem alle, sondern von dem Kelche, trinket aus dem alle. Und Marcus spricht nicht, sie haben alle gegessen, sondern: sie haben alle daraus getrunken. Setzen also beyde das Wörtlein alle zu dem Kelche, und nicht zu dem Brode. Als ob der Heilige Geist diese künftige Trennung zuvor gesehen, welche die Geniessung des Kelchs etlichen verböte, den doch Christus jedermann wollte gemein haben. Mit was Ungestüm, meynst du, würden sie wider uns verfahren, wenn sie gefunden hätten das Wörtlein alle, zu dem Brodte, und nicht zu dem Kelche gesetzt. Ganz keine Ausflucht würden sie uns gönnen, sondern sie würden schreyen, uns zu Ketzern machen, und als Rottirer verdammen? Aber dieweil die Worte für uns sind, wider sie, lassen sie sich mit keiner Schlußrede beschliessen, als Leute eines ganz freyen Willens, auch in den Dingen, die Gott anbetreffen, zu ändern, wieder zu verändern, und alles ineinander zu mengen. Aber bilde dir ein, als stünde ich gegen ihnen über, und fragte meine Herren, die Papisten: das ganze Sacrament, oder beyde Gestalt, im Nachtmahl des Herrn, ists entweder gegeben allein den Priestern, oder auch zugleich den Layen? Ist es allein den Priestern gegeben, (das wollen sie,) so ziemt sich jetzo in keinem Weg, einigerley Gestalt den Layen zu geben. Dann es nicht freventlich zu geben ist denen, welchen Christus in seiner ersten Einsetzung es nicht gegeben hat. Sonst, wenn wir nachlassen, daß eine Stiftung Christi verändert werde, haben wir alle seine Gesetze unkräftig gemachet und wird ein jeglicher sich erkühnen zu sagen er sey nicht gebunden an eines seiner Gesetze oder Stiftungen. Denn wenn in der Schrift ein Gesetz nur einer einzelen Person gegeben wird, so schließt es die andern alle aus. Ist aber das Sacrament auch den Layen gegeben worden, so folget daraus unvermeidlich, daß den Layen beyde Gestalt nicht soll verweigert werden. Wenn auch ihnen auf ihr Begehren es abgeschlagen wird, so handelt man gottlos, und wider die That, Exempel, und Einsetzung Christi. Ich bekenne, daß ich durch diesen Grund, der mir unüberwindlich ist, überwunden weder gelesen, noch gehöret, noch gefunden, das ich dawider sagen könnte. Dieweil hier das Wort und Exempel Christi so vest stehet, und er nicht als ob ers nachliesse, sondern mit gebieten spricht: Trinket alle daraus. Denn soll jedermann trinken, und das nicht kann allein zu den Priestern gesaget, verstanden werden; so ist es fürwahr gottlos, daß die Layen, so es begehren, darvon abgehalten werden, ob schon es ein Engel vom Himmel thäte. Denn daß sie sagen, es sey dem Erkenntniß der Kirche heimgestellt auszutheilen welcherley Gestalt sie wolle, das wird ohne Grund gesaget, und ohne Schrift fürgewendet. Und wird so leicht verachtet, als es wird gesaget. Dieses dienet auch den Gegentheil damit zu gewinnen, der uns beyde das Wort, und die That Christi entgegen setzet. Darum muß er mit dem Worte Christi wieder geschlagen werden; das wir aber nicht haben. Mag man aber den Layen einerley Gestalt abschlagen, so wird auch ihnen können entzogen werden ein Theil der Taufe, und der Busse aus ebenmäßigem Erkenntniß der Kirche. Dieweil allenthalben gleiche Ursache und Macht ist. Darum wie die ganze Taufe, und die ganze Entbindung von Sünden, also soll auch das ganze Sacrament des Brods allen Layen gegeben werden, wenn sie es begehren. Mich wundert aber sehr, daß sie sprechen, den Priestern gezieme ganz nicht bey Vermeidung einer Todsünde, in der Messe einerley Gestalt zu empfahen, aus keiner an- dern Ursache, denn daß beyderley Gestalt (wie sie alle einhellig sagen,) sey ein voll und ganz Sacrament, das nicht sollte zertheilet werden. Ey mein, so sagen sie mir doch, warum es dürfe bey den Layen zertheilet, und ihnen allein nicht das ganze Sacrament gegeben werden? bekennen sie nicht mit ihrem eigenen Zeugnis, daß entweder den Layen beyderley Gestalt zu geben sey, oder in einerley Gestalt ihnen nicht das rechte Sacrament gegeben werde. Wie ist denn bey den Priestern eine Gestalt nicht ein voll Sacrament, und bey den Layen ist es dergleichen? Was rühmet man mir viel von Erkenntnis der Kirche und des Pabsts Gewalt? dadurch werden die Worte Gottes, und die Zeugnisse der Wahrheit nicht aufgelöset. Weiter folget, mag die Kirche den Layen nehmen die Gestalt des Weins. Und also wird sie das ganze Sacrament des Altars den Layen nehmen, und die Stiftung Christi ganz aufheben dürfen. Aber ich frage, auf wessen Befehl? Kann sie aber das Brod, oder beyderley Gestalt nicht nehmen; so kann sie auch den Wein nicht nehmen. Nichts ist hier das dem Widerpart kann geantwortet werden. Weil einerley und gleiche Gewalt seyn muß bey einer, wie bey beyderley. Ist sie denn nicht bey beyderley, so ist sie auch nicht bey einerley. Ich begehre zu hören, was die Römischen Liebkoser hie sagen wollen. Das aber, welches am meisten dringet und mich gänzlich beschleußt, ist, daß Christus spricht: Das ist mein Blut, das für euch, und für viel vergossen wird, zur Vergebung der Sünden. Hie siehest du klärlich, daß das Blut allen gegeben werde, für derer Sünde es vergossen ist. Wer darf aber sagen, daß es nicht für die Layen vergossen sey? Siehest du nicht? Zu wem redet er, da er den Kelch giebet? Gibt er ihn nicht allen? Sagt er nicht, es sey für alle vergossen; er spricht für euch. Es mag seyn, laß es die Priester seyn. Und für viele; das können die Priester nicht seyn. Und er spricht doch: Trinket alle daraus. Ich wollte hier auch wohl leichte etwas herplaudern, und mit meinen Worten die Worte Christi, als mein Plauderer thut, schimpflich halten. Aber die müssen mit der Schrift widerleget werden, welche mit der Schrift wider uns streiten.