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Gebenedeyet sey Gott, und der Vater unsers Herrn Jesu Christi, der nach dem Reichthum feiner Barmherzigkeit nur dieses einige Sacrament erhalten hat in seiner Kirche unbefleckt und unvergiftet für den Menschensatzungen, und es frey gemachet allen Völkern, und allen Ständen der Menschen; und hat nicht gestattet, daß es auch mit schändlichen Gewinnsten und gottlosem Aberglauben unterdrücket würde. Er hat diesen Rath gebrauchet, daß er die Kinder, bey welchen der Geiz und der Aberglaube noch nicht haften kann, damit hat wollen einweihen und mit dem einfältigsten Glauben seines Worts heiligen lassen; Denen auch am meisten zu jetziger Zeit die Taufe nützlich ist. Denn wenn den Alten und Grossen dieses Sacrament sollte gegeben werden, so scheinets, daß seine Kraft und Herrlichkeit nicht hätte können bleiben für der Tyranney des Geizes und Aberglaubens, der uns alle göttliche Sachen hat niedergestürzet. Es hätte ohne Zweifel auch hie erfunden der menschliche Fürwitz seine Vorbereitungen und Würdigkeiten; hernach die Vorbehaltungen, Bedingungen, und was dergleichen Geldnetze mehr, durch welche das Wasser nicht wohlfeiler als jetzo Briefe und Siegel verkaufet würde. Aber weil der Teufel die Kraft der Taufe in den Kindern nicht können auslöschen, hat er doch die Ueberhand bekommen, daß er sie in allen Erwachsenen vertilgete, daß jetzt fast niemand mehr ist, der daran gedenke, daß er getauft, vielweniger, daß er sich derselben rühme, nach dem so viel andere Wege sind erfunden worden, die Sünden zu erlassen, und in den Himmel zu kommen. Zu diesen Meynungen hat sie verursachet eine gefährliche Rede Hieronymi, die entweder übel geredet, oder übel verstanden worden, da er die Busse nennet das andere Bret nach dem Schifbruche. Gerade als ob die Taufe nicht eine Busse wäre. Denn daher kömmts, daß, wenn sie in Sünden gefallen, sie an dem ersten Brete, oder Schiffe, als ob sie dasselbige verloren hätten, verzweifeln, und anfangen sich allein mit dem andern Brete, nemlich der Busse, darauf zu behelfen, und zu verlassen. Daher sind entsprungen die unzähligen Lasten der Gelübden, Geistlichkeiten, Werke, Gnug- thuungen, Wallfahrten, Ablassen, und Secten, und von denen überaus viel Bücher, Fragen, Meynungen, und Menschensatzungen, die die ganze Welt jetzt nicht begreifen kann, daß diese Tyranney viel ärger die Kirche Gottes plaget, als sie jemals der Juden Synagoge, oder einzige andere Nation, unter dem Himmel geplaget hat. Aber die Bischöffe hätten sollen das alles wegthun und die Christen mit allem Fleisse bloß auf die Taufe weisen, damit sie verstünden, was sie wären, und was Christen thun müßten. Aber damit allein gehen sie jetzt um, daß sie das Volk weit abführen von der Taufe und in die Fluth ihrer Tyranney alle tauchen, und machen, daß das Volk Gottes (wie der Prophet spricht,) seiner ewig vergesse. O wie unselig sind alle, die zu dieser Zeit Bischöffe werden genennet, die nicht allein nicht wissen noch thun, was Bischöffen zustehet; sondern auch nicht wissen, was sie wissen und thun sollen. Und erfüllen den Spruch Esaiä 56. v. 10. Alle ihre Wächter sind blind, sie wissen alle nichts: denn die Hirten wissen keinen Verstand, ein jeglicher siehet auf seinen Weg, ein jeglicher geizet für sich in seinem Stande.