• Accueil
  • Œuvres
  • Introduction Instructions Collaboration Sponsors / Collaborateurs Copyrights Contact Mentions légales
Bibliothek der Kirchenväter
Recherche
DE EN FR
Œuvres Poètes syriens Ausgewählte Gedichte des Jakob v. Batnä in Sarug (BKV)
9. Lobgedicht auf Simeon den Styliten.

1.

Verleihe Du mir, o Herr, die Gnade, daß ich das wundervolle Bild des auserwählten Simeon entwerfe, denn zu erhaben ist seine Herrlichkeit, als daß eine menschliche Zunge sie zu schildern vermöchte! In Dir will ich verkündigen seine Wunder — denn ich bin voll Bewunderung für ihn — und nur in Dir läßt sich die S. 391 Herrlichkeit Deines Dieners preisen. Darum, o Herr, um seinetwillen rede Du in reicher Wortfülle! Ihn zu preisen, den wundervollen Helden, laß mich Deine Flöte sein! Hauche mir ein Deinen göttlichen Geist, damit ich in vollem Staunen über seine Herrlichkeit meine Stimme erhebe! Es möge mich Deine Kraft begeistern gleich der Begeisterung jener, welche den Heiligen Geist besitzen und durch ihn ihre lieblichen Gesänge mit lauter Stimme vortragen! [10] Nicht der Person, welche sie besitzt, gehört da eigentlich die sangesreiche Stimme an, sondern der Heilige Geist ist es, von dem er begeistert wird, und der auch durch seine Stimme die Zuhörer fortreißt. Nicht vom Redner stammt das Wort, das verkündet werden soll; denn wenn nicht Dein Wort ihn in Wallung bringt, dann redet er überhaupt nicht. Von Dir, o Herr, muß der Mund begeistert werden um Worte hervorzubringen, die erfüllt sind von Staunen und ohne Verwirrung die Herrlichkeit preisen! Wohlan, meine Zuhörer, kostet die Süßigkeit der Lehre, jener süßen Frucht, welche die Seele bei ihrem Genusse erleuchtet! Wohlan, erfreuet euch an der Erzählung über jenen einzig Herrlichen, dessen Ruhm erhaben ist über die Wasserfluten der hohen See! [20] Auf, kommt herbei und lagert euch um den Tisch, der angefüllt ist mit wohlschmeckenden Speisen; denn das Lobgedicht ist geordnet wie ein Gastmahl, das euch erquickt! Kommt zu dem Gelage, bei dessen Mahlzeit es keinen Mangel gibt, und bei dem sich auch keine Beschwerden einstellen für die Seelen, die von seiner Zurüstung genießen. Wohlan, nehmet umsonst den gewaltigen Reichtum in Empfang, der nicht erst aus dem Schatzhause abgewogen wird, das nicht arm wird, wenn man daraus etwas fortnimmt! [30] Der Ruhm Simeons wird Anlaß zu jeglichem Nutzen werden, sowohl mir als euch wird dieser Gewinn zuteil werden, jedem, der zuhört. Das ist ein guter Knecht, der seine Arbeit beginnt und auch glücklich zu Ende führt und des göttlichen Dienstes nicht überdrüssig wird.

Der Satan berief seine Heerscharen und bot sie auf, und es öffnete seinen Mund der Oberbefehlshaber und es gebot ihnen der Böse und sagte zu ihnen: Seht, es ist S. 392 Zeit, daß wir uns zum Kampfe erheben und nicht feige dasitzen, damit wir nicht besiegt werden! Leget an das Gewand der Schmeichelei und traget sie zur Schau, auch in trügerischen Visionen tretet ihm entgegen! [40] Entfachet einen Sturm von der Stärke, wie er auf den Gipfeln der Berge zu wüten pflegt; Staubwolken soll er aufwirbeln, so daß darin das Aussehen der Luft verschwindet! Die Winde sollen heftig wehen und die Erde erschüttern, und gleich der Brandung des Meeres soll sie erdröhnen von der gewaltigen Erschütterung! In häßliches Gewürm verwandelt euch und in Schlangengezücht, seid gleich den Vögeln und dem Getier, das auf der Erde kriecht oder die Wand hinaufschleicht! Sehet, es ist Zeit, daß wir uns aufraffen zum Kampfe, den Krieg beginnen und nicht feige dasitzen, damit wir nicht unterliegen! [50] Es ist ja leicht für uns, gegen ihn zu kämpfen, da er sich ja auf einer Säule befindet, und durch wunderbare Visionen ihn in Verwirrung zu setzen, so daß er irre wird!

Nun versammelte sich die Schar der Dämonen, der Söhne der Linken, sie verschworen sich, verpflichteten sich gegenseitig durch Handschlag und erhoben sich zum Kampfe; sie teilten sich in verschiedene Abteilungen, die ganze Rotte der Teufel. Wie wenn sie das Junge eines Adlers mit ihren Nachstellungen fangen wollten, kriechen die Drachen hervor aus ihren Höhlen; mit ihrem Speichel pfauchen sie die Taube an, die ihr Nest auf den Felsen baut, und die Schlange spritzt ihr häßliches Gift von sich, um das Rebhuhn [60] zu töten, dessen liebliche Stimme vom Berggipfel her ertönt. Eine Schar von Habichten versammelt sich gegen das Vöglein, um es zu fangen; dieses aber flattert in die Luft umher und entwischt, während sie verdutzt dastehen. So versammelten sich nun auch auf dem Berge die Herde von Dämonen und die Bande von Teufeln; wie Rauch stiegen sie an seinem Abhang empor und verfinsterten die Luft. Das Licht der Sonne verschwand hinter dem Dunkel und es ward trübe Nacht, häßliche, dichte Finsternis. Es erhob sich der Sturm und rührte den Staub auf und verhüllte den Berg. Die Winde wehten und erschütterten die Felsen und türmten die Wol- S. 393 ken auf; das Feuer entbrannte, wie aus einem Ofen stieg seine Flamme empor [70] und es schien, als ob es auch die Felsen ergriffen hätte. Der Sturm brauste heran, schlug an die Säule, so daß deren Grundfesten erzitterten. Aber der Heilige stand darauf fest wie auf einem unerschütterlichen Felsen. Und die Winde stürzten sich gewaltig auf ihre Rückseite, um sie ins Wanken und zu Fall zu bringen; aber der Gerechte sang Loblieder. Es spalteten sich die Berge bei dem Gedröhne — wenn auch nicht in Wirklichkeit —, er aber blieb unverletzt und verließ seinen Berg nicht, sondern blickte auf jenen hin. Die Dämonen machten sich ähnlich häßlichem Gewürm und Schlangen, er aber zog seine Hände nicht zurück, die nach oben ausgebreitet waren. Er sang ihnen entgegen, was er gelernt hatte vom Sohne Jesses1 [80] und mit der Harfe Davids jubelte er, indem er sprach: „Wie Wespen2 haben mich umgeben die Scharen der Verfluchten, aber sie erloschen plötzlich wie das Feuer in elenden Stoppeln. Sie umgeben mich von allen Seiten wie Rauch, aber im Namen des Herrn vernichte ich sie, sie verschwinden und vergehen. Ich ward bestürmt, damit ich ins Wanken kommen, fallen und zugrunde gehen sollte, aber der Herr ist mein Helfer; ich mache sie zu Schanden und besiege sie in der Kraft des Herrn.“


  1. d. h. David. ↩

  2. Vergl. Ps. 117, 12. ↩

pattern
  Imprimer   Rapporter une erreur
  • Afficher le texte
  • Référence bibliographique
  • Scans de cette version
Download
  • docxDOCX (150.54 kB)
  • epubEPUB (134.00 kB)
  • pdfPDF (501.17 kB)
  • rtfRTF (396.54 kB)
Traductions de cette œuvre
Ausgewählte Gedichte des Jakob v. Batnä in Sarug (BKV)
Commentaires sur cette œuvre
Einleitung über Leben und Schriften Jakobs von Sarug

Table des matières

Faculté de théologie, Patristique et histoire de l'Église ancienne
Miséricorde, Av. Europe 20, CH 1700 Fribourg

© 2026 Gregor Emmenegger
Mentions légales
Politique de confidentialité