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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam i ad Corinthios argumentum et homiliae 1-44 Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)
Sechsundzwanzigste Homilie.

III.

Wie nun? Gehört Alles auf gleiche Weise uns an, wie wir Christo angehören und Christus Gott? Keineswegs! Selbst der Einfältigste sieht hier einen offenbaren Unterschied, obgleich von Christus, von Gott und von uns der nämliche Ausdruck gebraucht wird. Und anderswo, wo er den Mann des Weibes Haupt genannt hat, setzt er bei: „Wie Christus das Haupt und der Heiland und der Vorstand der Kirche ist, so muß auch der Mann des Weibes Haupt sein.“1 Sollen wir also das Gesagte auf gleiche Weise verstehen und so Alles, was er über diesen Gegenstand an die Epheser schreibt? Keineswegs, es läßt sich unmöglich also verstehen. Es wird zwar von Gott und den Menschen derselbe Ausdruck gebraucht, aber anders ist er von Gott, anders von uns zu verstehen; jedoch ist auch nicht wieder Alles verschieden zu fassen; denn es würde fruchtlos und eitel verstanden, wenn wir daraus nicht einigen Nutzen schöpfen könnten. Wie man nicht Alles herausholen soll, so darf man andererseits auch nicht Alles verwerfen. Damit aber Das, was ich sage, deutlicher werde, so will ich es durch ein Beispiel klar zu machen versuchen. Christus wird das Haupt der Kirche genannt; wozu Das, wenn ich hier keine Ähnlichkeit mit menschlichen Dingen annehme? Und wenn ich in allen Dingen Ähnlichkeit annehme, so folgt abermals etwas sehr Ungereimtes; denn ein Haupt, welches einer Natur mit dem Körper ist, wäre somit denselben Unfällen unterworfen. Was muß ich also auffassen und was nicht? Eben den genannten Umstand darf ich nicht auffassen, wohl aber die vollkommene Vereinigung, den Grund und ersten Ursprung, und auch Das nicht so schlechtweg, sondern in einem erhabeneren und S. 442 Gottes würdigeren Sinne; denn diese Vereinigung ist ja inniger und dieser Ursprung ehrwürdiger. Wiederum, wenn du den Ausdruck Sohn hörest, so nimm auch hier nicht Alles auf und verwirf nicht Alles! Halte fest, was Gottes würdig ist, nämlich, daß der Sohn gleicher Wesenheit mit dem Vater und von diesem gezeugt ist; das Ungeziemende aber und das menschliche Schwachheit anzeigt, Das lasse bei Seite! Gott wird ferner ein Licht genannt. Sollen wir also jede Ähnlichkeit mit dem irdischen Lichte annehmen? Sicherlich nicht! Denn das Licht weicht der Finsterniß und ist durch den Raum begränzt, wird durch fremde Kraft bewegt und wird verdunkelt, was alles von jenem Wesen nicht gedacht werden darf, doch dürfen wir darum nicht Alles verwerfen, sondern zu unserem Nutzen die Beziehung auf die Erleuchtung, die uns von Gott kommt, und die Befreiung von der Finsterniß gelten lassen.

Soviel gegen die Häretiker; nun aber müssen wir weiter die ganze Stelle durchgehen. Vielleicht erhebt Jemand Zweifel und fragt bei sich, was denn darin Sündhaftes liege, wenn die Weiber mit entblößtem, die Männer mit bedecktem Haupte erscheinen. Was daran lasterhaft sei, magst du aus Folgendem lernen. Unter vielen andern Zeichen der Herrschaft des Mannes und der Unterwürfigkeit des Weibes erscheint auch dieses, daß das Weib mit bedecktem, der Mann aber mit entblößtem Haupte sich zeige. Wenn dieses nun Zeichen sind, so fehlen Beide, da sie die Ordnung umkehren und Gottes Einrichtung und die jedem von ihnen angewiesenen Gränzen überschreiten: — der Mann, indem er zur untergeordneten Stellung des Weibes herabsinkt, das Weib aber, indem es durch seine Tracht gegen den Mann sich empört. Wenn es verboten ist, die Kleider zu verwechseln, und somit weder das Weib den Rock des Mannes, noch dieser das Gewand und den Schleier des Weibes anlegen darf, wie es ja heißt: „Kein Weib soll männliche Kleidung tragen, und kein Mann Frauenkleider S. 443 anziehen:“2 so dürfen noch viel weniger diese Zeichen verwechselt werden. Jenes ist durch menschliche Gesetze verordnet, wiewohl Gott es später bestätiget hat; Dieses aber — das Haupt entblößen oder bedecken — ist von der Natur angeordnet; und wenn ich die Natur nenne, so verstehe ich darunter Gott, den Urheber der Natur. Siehe, welch’ Unheil daraus entsteht, wenn du diese Gränzen überschreitest! Sage mir nicht, es sei Dieß ein geringer Fehler; denn er ist an sich groß, es ist Ungehorsam! Und wäre die Sache an sich auch gering, so würde sie groß durch den Umstand, daß sie das Symbol großer Dinge ist. Daß sie aber wirklich groß sei, erhellet daraus, daß sie dem menschlichen Geschlechte eine so schöne Ordnung gibt, indem sie durch den entsprechenden Schmuck feststellt, wer herrschen und wer gehorchen soll. Wer also diese Ordnung verletzt, verwirret Alles, wirft Gottes Geschenk hinweg und tritt die Ehre, die ihm von oben zugetheilt ist, mit Füßen; und Das gilt vom Manne so gut wie vom Weibe. Denn darin besteht die größte Ehre, daß die einem Jeden gebührende Stellung beibehalten werde, gleichwie es die größte Schande ist, wenn diese Ordnung verkehrt wird. Darum schreibt der Apostel für Beide folgende Worte:

4. 5. Jeder Mann, welcher betet oder weissagt mit bedecktem Haupte, schändet sein Haupt. Jede Frau aber, welche betet oder weissagt mit unverhülltem Haupte, schändet ihr Haupt.

Denn es gab, wie ich gesagt habe, damals Männer, welche weissagten, und auch Frauen, die diese Gabe besaßen, wie die Töchter des Philippus und Andere vor und nach ihnen. Von diesen sprach einst der Prophet: „Euere Söhne werden weissagen, und euere Töchter werden Ge- S. 444 sichte sehen.“3 Übrigens fordert er nicht, daß der Mann beständig barhaupt sein soll, sondern nur, wenn er betet; denn es heißt: „Jeder Mann, welcher betet oder weissagt mit bedecktem Haupte, schändet sein Haupt.“ Vom Weibe dagegen verlangt er, daß es beständig mit verschleiertem Haupte erscheine. Denn er sagt nicht bloß: „Jedes Weib, welches mit unverschleiertem Haupte betet oder weissagt, schändet ihr Haupt,“ sondern er fährt weiter fort: „denn es ist ebensoviel, als wäre sie kahl geschoren.“ Wenn es aber schimpflich ist, immer kahl geschoren zu sein, so erhellet daraus, daß es auch schimpflich ist, das Haupt immer entblößt zu tragen.


  1. Ephes. 5, 23. 24. ↩

  2. Deut. 22, 5. ↩

  3. Joel 2, 28. ↩

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Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)

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