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Werke Johannes Chrysostomus (344-407) In epistulam ii ad Corinthios argumentum et homiliae 1-30 Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)
Siebente Homilie.

V.

Was heißt aber Das: „Die Herrlichkeit des Herrn wiederspiegelnd werden wir in das gleiche Bild umgestaltet?“ Deutlicher trat Dieses freilich damals zu Tage, als noch die Wundergaben wirksam waren ; aber auch jetzt ist es für ein gläubiges Auge nicht allzu schwer, Das zu sehen. Denn so wie S. 143 wir getauft werden, beginnt unsere Seele heller als die Sonne zu strahlen, gereinigt vom Geiste; und wir sehen nicht bloß die Herrlichkeit Gottes, sondern empfangen auch von dorther einen geheimnißvollen Glanz. Wenn man reines Silber den Strahlen der Sonne aussetzt, so beginnt es ebenfalls Strahlen zu werfen, eine Wirkung, die vom Leuchten der Sonne in Verbindung mit der Natur des Silbers hervorgerufen wird. So ist es auch mit der Seele. Wenn sie gereinigt und glänzender als Silber geworden, so empfängt sie einen Strahl von der Herrlichkeit des Geistes und wirft diesen Strahl zurück. Darum sagt Paulus: „Wiederspiegelnd werden wir in das gleiche Bild umgestaltet von Herrlichkeit, der des Geistes, zu Herrlichkeit,“ nämlich der unsrigen, eine Herrlichkeit, die in uns selbst hervorgerufen von einer Beschaffenheit ist, wie sie ihrem Urheber, „dem Herrn, dem Geiste“ entspricht.

So bezeichnet Paulus auch hier den Geist als Herrn. Und auch an anderen Stellen legt ihm die Schrift diese Herrschaft bei. So, wenn es heißt: „Während sie dem Herrn den Dienst verrichteten und fasteten, sprach der Geist: Sondert mir ab den Paulus und Barnabas!“1 Denn darum heißt es: „Während sie dem Herrn den Dienst verrichteten;“ dann: „Sondert mir ab,“ um die gleiche Würde des heiligen Geistes zu erweisen. Und wiederum sagt Christus: „Der Knecht weiß nicht, was sein Herr thut.“2 Wie aber der Mensch das Seinige weiß, so weiß auch der Geist, was Gottes ist, und zwar ohne erst belehrt zu werden, weil sonst das Bild nicht treffen würde. Und auch „das Wirken, so wie er will“ zeigt seine Macht und Herrschaft. Dieser Geist ist es, der uns umgestaltet, der uns nicht gleichförmig mit dieser Welt werden läßt, der diese neue Schöpfung hervorbringt. S. 144 Denn wie es in der Schrift heißt: „Geschaffen sind wir in Christus Jesus,“3 so heißt es auch: „Ein reines Herz erschaffe in mir, o Gott, und den rechten Geist erneuere in meinem Innern.“4 Soll ich dir Dieses noch greifbarer an dem Beispiele der Apostel zeigen? Denke an Paulus, dessen Gewande wirksam, an Petrus, dessen Schatten wunderkräftig waren. Hätten Diese nicht ein königliches Bild in sich getragen, wäre ihr Leuchten und Schimmer nicht unnahbar gewesen, so wären nicht von ihren Kleidern und Schatten solche Kräfte ausgegangen. Denn das Gewand eines Königs ist selbst den Räubern furchtbar. Willst du diesen Glanz noch sehen, wie er sogar durch die Hülle des Leibes schimmert? „Als sie hinsahen,“ heißt es, „auf das Angesicht des Stephanus, sahen sie sein Antlitz wie das eines Engels.“5 Und Das ist noch Nichts im Vergleich mit dem im Innern strahlenden Glanze. Denn was Moses auf seinem Angesichte hatte, Das trugen die Apostel in ihrer Seele, ja noch weit Höheres. Denn der Glanz des Moses hatte etwas mehr Irdisches an sich, jener der Apostel ist rein geistig. Und gleichwie feuerglänzende Körper, die von leuchtenden Körpern auf die nächste Umgebung fließen, auch dieser vom eigenen Strahle mittheilen, so trifft Das auch bei den Gläubigen zu. Daher kommt es, daß Jene, die auf solche Weise berührt werden, sich losmachen von der Erde und nur mehr von den Dingen im Himmel träumen. Aber ach! Da könnte man wohl bitterlich seufzen, weil wir im Genusse so hohen Adels das Gesagte nicht einmal verstehen, und zwar darum, weil wir so rasch das hohe Gut uns wieder entschwinden lassen und Herz und Sinn nur auf das Irdische richten. Denn dieser unaussprechliche, dieser schauerliche Glanz bleibt kaum einen oder den anderen Tag in uns, dann löschen wir ihn wieder aus; dann führen wir S. 145 den Sturm des gemeinen Lebens über ihn herauf und drängen mit dichtem Gewölke seine Strahlen zurück.

Ja, ein Sturm sind die Dinge des Lebens und düsterer als ein Sturm! Denn es entsteht zwar aus ihnen nicht Frost und Regen, sie verursachen nicht Schmutz und tiefen Schlamm, aber was noch schlimmer ist als all Dieses, sie stiften die Hölle an und die Qualen der Hölle. Und wie bei starkem Froste alle Glieder erstarren und todt sind, ebenso schauert auch die Seele im Wintersturme der Sünden, sie thut Nichts mehr von Dem, was ihr zukommt; denn das Gewissen ist wie vor Kälte erstarrt. Denn was für den Leib die Kälte, Das ist für die Seele das böse Gewissen; daher auch aller Mangel an Muth. Denn Nichts ist furchtsamer als ein Mensch, der an’s Irdische gefesselt ist; er lebt das Leben Kain’s und zittert jeglichen Tag. Und was rede ich von Tod oder Verarmung, von Furcht vor Anstoß, von Schmeichelei und Dienstbarkeit? Von diesen Dingen ganz abgesehen fürchtet er unzählige Wechselfälle. Seine Schatzkammer strotzt von Gold, aber die Seele wird der Furcht vor Armuth nicht los, und mit gutem Rechte. Denn er wirft die Anker auf morschem unstäten Grund; und wenn er selbst den Umschlag nicht erlebt, so sieht er ihn an Andern und verzweifelt. Und groß ist seine Furchtsamkeit, groß seine Feigheit. Denn nicht bloß wenn es sich um Gefahren handelt, ist er muthlos, sondern auch bei allen anderen Begegnissen. Es fällt ihn etwa die Begierde nach Geld an; er wehrt nicht wie ein freier Mann den Angriff ab, sondern wie ein niedriger Sklave thut er Alles, und wie einer grausamen Herrin dient er der Geldsucht; oder er sieht irgend ein wohlgestaltetes Mädchen, und sogleich ist er gefangen und steht verblüfft und verfolgt wie ein rasender Hund ihre Spur, während er das Gegentheil thun sollte.


  1. Apostelg. 13, 2. ↩

  2. Joh. 15, 15. ↩

  3. Ephes. 2, 10. ↩

  4. Ps. 50, 12. ↩

  5. Apg. 6, 15. ↩

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Homilien über den zweiten Brief an die Korinther (BKV)

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