23.
Für die erste Stufe der Frömmigkeit bildete sonach das Evangelium die Norm. Denn dem Kreuze und dem Blute Christi verdanken wir den Glauben. Seinen Tag schaute Abraham und freute sich1. Seine Gnade sah Noe mit geistigem Seherblick im Typus der Kirche2 vorgebildet. Seine Stelle vertrat ohne Sträuben Isaak im Opfer. Ihn betete Jakob nach seinem Obsiegen an. Seine Kleider schaute Isaias ― auch der Propheten Leben hatte im Evangelium seine Norm ― rotgetränkt3. In seinem Blute nämlich ruht in der Zukunft inmitten einer untergehenden Welt das Wahrzeichen des allgemeinen Heils. Das zeigte Rachab an, typisch eine Buhlerin4, mystisch die Kirche, welche den vielen Ankömmlingen den Schoß nicht verschließt; umso keuscher, je innigere und zahlreichere Verbindungen sie eingeht; eine makellose Jungfrau, ohne Runzel, unversehrt an Reinheit5, dem Volke in Liebe zugetan; eine keusche Buhlerin, eine unfruchtbare Witwe, eine fruchtbare Jungfrau: eine Buhlerin, weil von vielen Liebhabern umworben, die ihre Liebe genießen, ohne mit Sünde sich S. 134 zu beflecken ― „wer einer Buhlerin anhängt, wird ja ein Leib mit ihr‟6 ― eine unfruchtbare Witwe, die, solange der Mann abwesend war, nicht Mutterfreude kannte ― es kam der Mann und sie gebar dieses Volk und Gesinde (der Gläubigen)7 ― eine fruchtbare Jungfrau, die diese Schar (der Gläubigen) geboren, des Segens der Liebe sich freuend, ohne sinnlicher Lust zu frönen.