2.
„Ich bitte nicht“, sagt er, „daß Du sie aus der Welt nehmest, sondern daß Du sie bewahrest vor dem Bösen“. Vorläufig nämlich mußten sie, obwohl sie nicht mehr von der Welt waren, dennoch in der Welt sein. Er wiederholt denselben Gedanken: „Sie sind nicht“, sagt er, „von der Welt, wie auch ich nicht von der Welt S. 1061 bin. Heilige sie in der Wahrheit“. So nämlich werden sie vor dem Bösen bewahrt, und daß dies geschehe, darum hat er vorher gebeten. Man kann aber fragen, wie sie denn nicht mehr von der Welt waren, wenn sie noch nicht in der Wahrheit geheiligt waren; oder, wenn sie es schon waren, warum er dann fleht, daß sie es seien. Etwa weil auch die Geheiligten in derselben Heiligkeit zunehmen und heiliger werden, jedoch auch dies nicht ohne die Hilfe der Gnade Gottes, sondern so, daß jener ihren Fortschritt heiligt, der ihren Anfang geheiligt hat? Deshalb sagt auch der Apostel: „Der in euch das gute Werk angefangen hat, wird es vollenden bis zum Tage Christi Jesu“1. Geheiligt also werden in der Wahrheit die Erben des Neuen Testamentes, von welcher Wahrheit die Heiligungen des Alten Testamentes Schattenbilder waren; und wenn sie geheiligt werden in der Wahrheit, werden sie selbstverständlich in Christus geheiligt, der wahrheitsgemäß gesagt hat: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“2. Wiederum da er sagte: „Die Wahrheit wird euch frei machen“, fügt er gleich darauf eine Erklärung bei, wie er dies gemeint habe, indem er spricht: „Wenn euch der Sohn frei macht, dann werdet ihr wahrhaft frei sein“3, um so zu zeigen, er habe das zuerst Wahrheit genannt, was er nachher Sohn nennt. Was sonst also hat er auch hier mit den Worten gemeint: „Heilige sie in der Wahrheit“, als: Heilige sie in mir?