7.
Mein Herr und mein Gott! Verschließ doch deine Hand nicht! Sie war es ja niemals. O laß vielmehr eine Flut von Drangsalen über mich kommen, die den Durst meiner Seele stillen und das glühende Verlangen, das sie verzehrt, befriedigen kann! Aber was sage ich? Wie elend, kühn und verwegen bin ich doch! Darf ich wohl so in Gegenwart einer Majestät sprechen, die meine Fehler gezählt hat, die weiß, wie leicht ich kleinmütig werde und wie feige ich mich benehme? Ich bekenne es und wünsche in der Tat, o mein Herr, daß die ganze Welt dies weiß. Es ist mein Wunsch, daß man folgende Wahrheit glaube und kenne: ich bin das schwächste und elendeste aller Geschöpfe. Ja, ich liebe die Ehre und hasse die Verachtung, ich suche Selbstbefriedigung und Gunst. Ja, ich beklage mich wegen der geringsten Leiden. Ich bin eitel, hochmütig, anmaßend und ehrgeizig. Aber du, o Herr, reißt mich von alledem los, du lehrst mich verachten, was ich liebte, und lieben, was ich verachtete. In meinen Finsternissen habe ich dein Licht erkannt; und je mehr das Dunkel mich umhüllte, desto mehr hat sich meine Seele zum Verlangen nach deiner unnahbaren Klarheit emporgeschwungen. Meine Augen wurden durch die Schärfe und Bitterkeit der Prüfungen wie durch eine heilsame Augensalbe geöffnet.