5.
Während ich dieses schrieb, dachte ich an die Worte des angeführten Verses: dilatasti cor meum, du hast mir das Herz weit gemacht. Es scheint mir jedoch, daß die erwähnten Süßigkeiten ihren Ursprung nicht im Herzen, sondern in einer noch mehr inneren Stätte, gleichsam in einer verborgenen Tiefe haben. Ich meine, es müsse dies der Seelengrund sein, wie ich es nachher erkannt habe und noch sagen werde. Führwahr, ich sehe in uns Geheimnisse verborgen, die mich oft in Erstaunen setzen; und wie viele wird es noch geben, die ich nicht weiß! O mein Herr und mein Gott, wie groß sind deine Wunder! Wir sind hinieden wie einfältige arme Hirten, und doch meinen wir etwas von dir zu verstehen. Wahrhaftig, es muß soviel sein wie nichts, da
in uns selbst große Geheimnisse sind, die wir nicht verstehen! Ich sage, »so viel wie nichts«, im Vergleiche mit dem dir innewohnenden, unerschöpflichen Reichtum; damit will ich aber nicht sagen, daß nicht auch deine Herrlichkeiten überaus groß seien, auch wenn wir nur deine Werke betrachten, aus denen sie hervorleuchten.