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Works John Chrysostom (344-407) Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)
Neunundzwanzigste Homilie

II.

Diese und alle ähnlichen Dinge hat Paulus im Sinne, wenn er sagt: „Ihr wisset, daß ihr, da ihr Heiden waret, zu den stummen Götzen gleichsam hingezogen geführt wurdet.“ Und da er zu Menschen redete, welche Das genau kannten, so drückt er sich nicht weitläufiger aus, um ihnen nicht lästig zu fallen, sondern ruft ihnen nur Alles in’s Gedächtniß zurück, bricht dann schnell ab und geht zu seinem Gegenstand über. Was heißt aber Das: „Zu den stummen Götzen“? diese Wahrsager ließen sich zu denselben hinschleppen. Wenn aber diese Götzen stumm waren, wie konnten sie denn Rathschläge ertheilen? Warum schleppte der Teufel jene Wahrsager als Gebundene und Gefangene zu den Bildsäulen hin? Um so den Irrthum glaubwürdig zu machen. Damit das steinerne Bild nicht stumm zu sein schiene, suchte der Teufel mit den Götzenbildern Menschen in Verbindung zu sehen, auf daß man die Worte derselben jenen zuschreiben könnte. Nicht also verhält es sich mit unsern Weissagungen; von den unsrigen, das heißt von denen der Propheten, spricht Paulus auch nicht; denn diesen war ja Alles klar, und sie weissagten auf geziemende Art und mit aller Weisheit und Freiheit. Darum stand es auch in ihrer Gewalt, zu reden S. 498 oder zu schweigen; sie waren keinem Zwang unterworfen, sondern ehrwürdig durch ihre Freiheit. Darum floh Jonas; darum zögerte Ezechiel, darum entschuldigte sich Jeremias. Gott aber zwang sie nicht mit Gewalt, sondern rathend, ermahnend und drohend, ohne ihren Geist zu verfinstern. Dem Teufel ist es eigen, Verwirrung und Raserei und tiefe Finsterniß zu stiften; Gott aber erleuchtet und lehret mit Weisheit, was frommt. Das ist nun der erste Unterschied zwischen einem Wahrsager und einem Propheten; den zweiten gibt er ferner an mit den Worten:

3. Deßhalb thue ich euch kund, daß Niemand, der im Geiste Gottes redet, sagt: „Fluch (sei) Jesu!“ und Niemand sagen kann: „Herr Jesus!“ ausser im heiligen Geiste.

Siehst du also Jemanden, will er sagen, der den Namen Jesus nicht ausspricht, oder der ihn sogar lästert, so ist es ein Wahrsager. Wiederum, wenn du einen Andern siehst, der Alles im Namen Jesu redet, so halte ihn für einen Gottbegeisterten! Was sollen wir aber, wird man fragen, von den Katechumenen sagen? Wenn nämlich Niemand den Herrn Jesum bekennen kann ausser im Heiligen Geiste, was sollen wir von Denen sagen, die zwar seinen Namen aussprechen, aber den hl. Geist noch nicht haben? Aber von Diesen spricht er ja hier nicht; denn es gab damals noch keine Katechumenen, sondern er redet von Gläubigen und Ungläubigen. Wie nun? Nennt kein Dämon den Namen Gottes? Sprachen die Dämonischen nicht: „Wir wissen, wer du bist, der Sohn Gottes?“1 Sagten sie nicht zu Paulus: „Diese Männer sind Diener des allerhöchsten Gottes?“2 Das thaten sie gezwungen und gefoltert, freiwillig und ohne Zwang aber niemals. Hier möchte man billiglich fragen, warum denn der Dämon diese Worte S. 499 gesprochen, und warum ihm Paulus zu schweigen gebot. Er ahmte hierin seinem Meister nach; denn auch Christus gebot den Teufeln, zu verstummen; er wollte von ihnen kein Zeugniß. Warum aber that der Dämon wohl Das? Er that Dieses, um die Ordnung der Dinge zu verkehren, um sich das Ansehen der Apostel anzumaßen und um die Aufmerksamkeit der Menge für sich zu gewinnen. Wäre nun Dieses geschehen und hätte er Glauben gefunden, so hatte er mühelos seine Lehre einführen können. Um also Das zu verhüten und dem Truge den Eingang zu wehren, stopfte er ihnen den Mund auch da, wo sie die Wahrheit redeten, damit Niemand auf ihre falsche Lehre merke, sondern daß man ihren Reden gegenüber überhaupt die Ohren verschließe. Nachdem er nun an diesen beiden Merkmalen die Wahrsager und Propheten kenntlich gemacht, spricht er ferner über die Wunder, nicht zufälliger Weise, sondern um die dort herrschende Uneinigkeit zu beseitigen, um Diejenigen, welche weniger empfangen hatten, zu belehren, daß sie sich darüber nicht grämen, die aber größere Gnaden empfangen hatten, daß sie sich darob nicht überheben sollten. Darum beginnt er also:

4. Vertheilungen aber der Gnadengaben gibt es, jedoch derselbe Geist ist es,

und tröstet zuerst Jene, die sich kränkten, daß sie weniger empfangen. Warum grämst du dich denn, will er sagen, daß du nicht soviel empfangen hast als ein Anderer? Bedenke, daß es eine Gnade und keine Schuldigkeit ist, und lindere deinen Schmerz! Darum sagt er sogleich: „Vertheilungen aber der Gnadengaben gibt es;“ er sagt nicht: der Zeichen, der Wunder, sondern: der „Gnadengaben“ und sucht ihn durch diese Bezeichnung dahin zu stimmen, daß er sich nicht grämen, sondern vielmehr Dank sagen soll. Zudem erwäge auch Das noch: Wenn dir auch nicht dasselbe Maß wie dem Andern zu Theil ward, so genießest du doch die gleiche Ehre mit ihm, indem S. 500 du es aus derselben Quelle erhieltest. Denn du kannst nicht behaupten, daß Jener seine Gabe vom heiligen Geiste, du aber die deinige von einem Engel erhalten; denn dir und Jenem hat sie der Geist mitgetheilt. Darum fügt er denn bei: „Jedoch derselbe Geist ist es.“


  1. Mark. 1, 24. ↩

  2. Apostelg. 16, 17. ↩

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Commentaire sur la première épitre aux Corinthiens Compare
Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)

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