III.
So lassen sich, um nicht Alles einzeln zu durchgehen, viele andere Zeugnisse aus der Schrift anführen, sowohl in Worten als in Vorbildern, welche den Tod seines Leibes bezeichnen, und daß er für unsere Sünden getödtet worden ist. So heißt es: „Für die Sünden meines Volkes ist er in den Tod gegangen;“ und: „Der Herr hat ihn für unsere Sünden hingegeben;“ und: „Um unserer Sünden willen ist er verwundet worden.“1 Magst du aber vom alten Testamente Nichts hören, so vernimm, was Johannes laut ausspricht, und wie er Beides, sowohl den Tod des Leibes als auch die Ursache angibt; denn er sagt: „Sehet das Lamm Gottes, welches hinwegnimmt die Sünden der Welt.“2 Höre, was Paulus sagt: „Denjenigen, welcher keine Sünde kannte, hat er für uns zur Sünde gemacht, damit wir durch ihn vor Gott gerecht würden.“3 Und wieder: „Christus hat uns losgekauft aus dem Fluche des Gesetzes, und ist für uns zum Fluche geworden.“4 Und abermal: „Und entwaffnend die Fürstenthümer und die Gewalten, führte er sie auf, triumphirend über sie.“5 So gibt es noch unzählige andere Zeugnisse, die da beweisen, was durch seinen Tod und für unsere Sünden geschehen ist; denn Christus selbst spricht: „Für euch opfere ich mich selbst;“6 und: „Der Fürst dieser Welt ist schon gerichtet,“7 wodurch er anzeigt, daß Er getödtet worden, ohne eine Sünde auf sich zu haben.
S. 668 4. Und daß er begraben ward.
Auch Dieses bestätigt das Frühere; denn was begraben wird, ist jedenfalls der Leib. Hier setzt er nicht dazu: „gemäß den Schriften,“ was er hätte wohl thun können; er setzt es aber nicht bei. Warum? Entweder weil sein Begräbniß damals Allen bekannt war, und es auch jetzt ist; oder weil jener Ausdruck: „gemäß den Schriften“ allgemein gilt. Warum aber setzt er ihn denn wieder hinzu, da er sagt: „und daß er auferstanden ist am dritten Tage gemäß den Schriften? Und warum begnügt er sich nicht mit dem ersteren Ausdruck, der ja allgemeine Giltigkeit hatte? Weil auch Dieses Vielen verborgen und dunkel war; darum führt er, von Gott begeistert, die heilige Schrift an zur Bestätigung jener weisen und heiligen Lehre. Warum thut er denn nicht Dasselbe bei Erwähnung des Todes? Weil auch das Kreuz Allen bekannt und der Heiland vor Aller Augen an das Kreuz geheftet worden, die Ursache aber nicht bekannt war: denn daß er gestorben, Das wußten Alle, daß er aber für die Sünden der ganzen Welt gelitten, Das wußten nicht Viele. Darum führt er das Zeugniß der Schrift an. Jedoch Das ist nun durch meine Ausführung sattsam bewiesen. — Wo sagt denn aber die Schrift, daß er begraben worden und am dritten Tage wieder auferstehen würde? Da, wo das Vorbild des Jonas angeführt wird, auf welches sich Christus selber beruft mit den Worten: „Sowie Jonas drei Tage und drei Nächte im Bauche des Fisches war; so wird auch der Sohn des Menschen drei Tage und drei Nächte im Schooße der Erde sein.“8 Vorgebildet war die Auferstehung durch den Dornbusch in der Wüste;9 denn wie dieser brannte und doch nicht verbrannte, so starb auch der Leib des Herrn, konnte aber vom Tode nicht für immer behalten werden. Auch der Drache zu Daniels Zeit ist eine S. 669 dunkle Vorbedeutung derselben.10 Denn wie Dieser durch die Speise, die ihm der Prophet gegeben, zerborst, so zerriß auch das Todtenreich, nachdem es jenen Leib aufgenommen; denn dieser Leib zerriß dessen Innerstes und erstand von den Todten. Willst du aber in Worten vernehmen, was du in Vorbildern gesehen, so höre, was Isaias spricht: „Sein Leben wird von der Erde weggenommen;“ und: „Der Herr wird ihn von seinen Wunden heilen und ihn das Licht sehen lassen.“11 Und vor ihm David: „Du wirst mich nicht in dem Todtenreiche lassen, und wirst nicht zugeben, daß dein Heiliger die Verwesung schaue.“12 Darum verweist dich auch Paulus auf die Schrift, damit du lernest, daß Dieses nicht zufällig und ohne Absicht geschehen. Denn wie wäre Das deutbar, da so viele Propheten es vorherbeschreiben und verkünden? Nirgends versteht die Schrift, wenn sie den Tod des Herrn erwähnt, den Tod der Sünde, sondern den Tod des Leibes und die Auferstehung desselben.
5. Und daß er dem Kephas erschien.
Diesen nennt er als den glaubwürdigsten (Zeugen) von Allen zuerst.
6. 7. 8. Und hernach den Zwölfen. Hierauf erschien er mehr denn fünfhundert Jüngern auf einmal, von denen die Mehreren bis jetzt noch am Leben, Etliche aber entschlafen sind. Hierauf erschien er dem Jakobus, dann den Aposteln allen. Zuletzt unter Allen, gleichsam als der Fehlgeburt, erschien er auch mir.
Nachdem er den Beweis aus den Vorhersagungen der Schrift erbracht hat, fügt er auch den der Thatsachen bei, S. 670 indem er als Augenzeugen der Auferstehung nach den Propheten die Apostel und andern Gläubigen anführt. Hätte er aber unter jener Auferstehung die Befreiung von der Sünde verstanden, so war es überflüssig, zu sagen: Er ist Diesem und Jenem erschienen. Denn so kann nur Derjenige sprechen, der die Auferstehung des Leibes beweisen, nicht aber, wer bloß von einer Befreiung von der Sünde zu reden gewillt ist.