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Works John Chrysostom (344-407) In epistulam ad Colossenses commentarius Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Kolosser (BKV)
Zwölfte Homilie. *Kol. IV, 12—18.*

6.

Ich weiß, daß viele bei diesen Worten verlegen werden; und daran ist die Ausschweifung und Zuchtlosigkeit derer schuld, von welchen ich sprach. Daß die Ehen in der angegebenen Weise geschlossen, daß sie so verderbt werden, hat die Sache selbst in üblen Ruf gebracht. Sagt ja doch der Apostel: „Ehrbar sei die Ehe und das Ehebett unbefleckt1!“ Warum schämst du dich über das, S. 415 was ehrbar ist? Warum errötest du über das, was unbefleckt ist? Mögen dies die Häretiker, mögen dies diejenigen tun welche feile Dirnen zur Hochzeit beiziehen! Deshalb will ich die Eheschließung von allem Unlautern gereinigt wissen, um sie auf den ihr eigenen Adel zurückzuführen, um den Häretikern den Mund zu stopfen. Beschimpft ist das Geschenk Gottes, die Wurzel unseres Ursprungs; denn allzuviel Schmutz und Unrat hat sich um die Wurzel gesammelt. Diesen also wollen wir durch unsere Rede beiseite schaffen. Ihr müßt darum schon ein wenig ertragen, weil eben jeder, der mit Kot zu tun hat, auch üble Gerüche ertragen muß. Meine Absicht ist, zu zeigen, daß ihr euch nicht über diese Erörterung schämen müßt, sondern über eure Handlungsweise; du aber, statt dich über letztere zu schämen, findest erstere beschämend, verurteilst also die heilige Anordnung Gottes. — Soll ich erklären, in welcher Hinsicht die Ehe auch ein Geheimnis der Kirche ist? Wie Christus zur Kirche kam, wie sie aus ihm ward, wie er sich mit ihr verband durch geistige Vermählung? „Denn ich“, sagt der Apostel, habe euch einem Manne als eine reine Jungfrau verlobt2.“ Daß wir aber aus ihm sind, bezeugen des Apostels Worte: „Aus seinen Gliedern und aus seinem Fleische sind wir alle3.“ — In Erwägung alles dessen laßt uns also dieses erhabene Geheimnis nicht entehren! Die Ehe ist ein Abbild der Gegenwart Christi, und du berauschst dich? Sage mir, wenn du ein Bildnis des Kaisers sähest, würdest du es wohl verunehren? Gewiß nicht. Die Vorkommnisse bei der Hochzeitsfeier scheinen nun zwar belanglos zu sein, in Wirklichkeit aber sind sie die Ursache großer Übel. Da ist alles voll von Verstößen gegen Ordnung und gute Sitte. „Schamlosigkeit und törichtes Gerede und Possenreißerei komme nicht aus eurem Munde4“, sagt der Apostel. Alle jene Dinge aber sind nichts anderes als Schamlosigkeit und törichtes Gerede und Possenreißerei, und zwar nicht bloß schlechthin, sondern im höchsten Grade. Die Sache S. 416 ist förmlich ein Handwerk, und denen, welche es ausüben, wird reichlicher Beifall gespendet. Die Sünden sind zu einem eigenen Gewerbe geworden; wir begehen sie nicht so schlechthin, sondern geflissentlich, mit raffiniertem Geschick; da führt denn nun der Teufel seine Truppen ins Treffen. Denn wo Trunkenheit herrscht, da greift Zuchtlosigkeit Platz; wo Zoten gerissen werden, da stellt sich der Teufel mit seinem Gefolge ein. Ich bitte dich, daran kannst du dich weiden? Du feierst das Geheimnis Christi und lädst den Teufel zu Gaste? — Vielleicht haltet ihr mich für einen unausstehlichen Menschen. Denn auch darin zeigt sich die große Verkehrtheit, daß selbst wohlgemeinter Tadel als übertriebene Strenge verlacht wird. Hört ihr nicht, wie Paulus verlangt: „Alles, was immer ihr tut, ob ihr eßt, ob ihr trinkt, ob ihr sonst etwas tut; alles tut zur Ehre Gottes5!“? Ihr aber tut es ihm zur Unehre und Schmach. Hört ihr nicht, wie der Prophet mahnt: „Dienet dem Herrn in Furcht, und frohlocket ihm mit Zittern6!“? Ihr aber benehmt euch ungebunden und ausgelassen. Könnt ihr denn nicht vergnügt sein, auch ohne euer Gewissen zu belasten? — Du möchtest gern schöne Lieder hören? Freilich wäre das ganz und gar nicht nötig; doch ich lasse es mir gefallen, wenn du darauf bestehst; nur höre nicht die satanischen, sondern die geistlichen Lieder! — Du möchtest gern einen Tanz sehen? Betrachte den Chor der Engel! Ja, entgegnet man, wie ist es möglich, diesen zu schauen? Wenn du jene sündhaften Lustbarkeiten verbannst, so wird Christus selbst zu einer solchen Hochzeit kommen; ist aber Christus gegenwärtig, so ist auch der Chor der Engel zugegen. Wenn du nur willst, so wird er auch heutzutage noch Wunder wirken wie ehemals. Er wird auch jetzt noch Wasser in Wein verwandeln; ja noch weit Wunderbareres: die ungebundene Ausgelassenheit und die schale sinnliche Lust wird er ins Gegenteil verkehren und in eine geistliche Lust verwandeln. Das heißt aus Wasser Wein machen. Wo Flötenspieler sind, da verweilt Christus nie und nimmer; S. 417 sollte er sich aber doch einfinden, so jagt er zuerst diese hinaus, und dann erst wirkt er Wunder. Was kann es Unerfreulicheres geben als solch eine satanische Festfeier, wo alles ohne Ordnung, wo alles ohne tiefen Sinn ist? Oder wenn in etwas geordnet, so wieder alles unanständig, alles unerquicklich.


  1. Hebr. 13, 4. ↩

  2. 2 Kor. 11, 2. ↩

  3. Vgl. Eph. 5, 30. ↩

  4. Ebd. 5, 3. 4. ↩

  5. 1 Kor. 10, 31. ↩

  6. Ps. 2,11. ↩

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