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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Fünf Bücher gegen Marcion
Tertullian (160-220)
Fünf Bücher gegen Marcion
(Adversus Marcionem)
Buch 1

1.

[1] Was wir früher gegen Marcion unternommen haben, mag von jetzt an auf sich beruhen. Wir gehen eine neue Sache aus einer alten an. Die erste Schrift, gleichsam übereilt, hatte ich später durch eine vollständigere Fassung ersetzt. Auch diese, noch nicht durch Abschriften verbreitet, ging mir durch die Untreue eines damaligen Bruders verloren, der später abgefallen ist: Er hatte zufällig einiges höchst fehlerhaft abgeschrieben und es unter die Menge gebracht. [2] So entstand die Notwendigkeit einer Berichtigung, und der Anlass dieser Erneuerung riet dazu, einiges hinzuzufügen. Darum schickt diese Feder — nun aus der zweiten die dritte und aus der dritten von hier an die erste — ihrer Schrift notwendig diese Erklärung ihres Ausgangs voraus, damit niemand durch die Verschiedenheit verwirrt werde, die er in dem Verstreuten antrifft. [3] Der Pontos, den man den Gastlichen nennt, wird von seiner Natur widerlegt und von seinem Namen verspottet. Im Übrigen wirst du den Pontos auch nach seiner Lage nicht für gastlich halten: So weit hat er sich von unseren gesitteteren Meeren zurückgezogen, gleichsam aus Scham über die eigene Barbarei. Die wildesten Völker bewohnen ihn — wenn man denn auf einem Wagen wohnt. Der Wohnsitz unbestimmt, das Leben roh, die Begierde wahllos und meist unverhüllt; und selbst wenn sie sie verbergen, zeigen die am Joch aufgehängten Köcher es an, damit niemand unversehens dazwischentrete. So schämen sie sich nicht einmal ihrer Waffen. Die Leichen ihrer Eltern verschlingen sie beim Gastmahl, zusammen mit dem Vieh geschlachtet. Wer nicht so gestorben ist, dass er zur Speise taugt, dessen Tod gilt als verflucht. Auch die Frauen werden durch ihr Geschlecht nicht zur Scham gemildert: Sie entblößen die Brüste, verrichten ihr Tagewerk mit Beilen und wollen lieber Kriegsdienst tun als heiraten. Hart ist auch der Himmel. Nie ein offener Tag, nie eine willige Sonne, die Luft durchweg ein einziger Nebel, das ganze Jahr Winter; was immer weht, ist Nordwind. Das Flüssige kehrt nur durch Feuer wieder, die Ströme werden vom Eis verweigert, die Berge vom Reif erhöht. Alles erstarrt, alles steht steif; nichts ist dort warm als die Wildheit — jene freilich, die den Bühnen die Fabeln geliefert hat von den Opfern der Taurer, den Liebschaften der Kolcher und den Kreuzen des Kaukasus. [4] Doch nichts ist am Pontos so barbarisch und so traurig wie dies, dass dort Marcion geboren wurde: abscheulicher als ein Skythe, unsteter als ein Wagenbewohner, unmenschlicher als ein Massagete, verwegener als eine Amazone, finsterer als das Gewölk, kälter als der Winter, brüchiger als das Eis, trügerischer als die Donau, schroffer als der Kaukasus. Wie auch nicht? Bei ihm wird der wahre Prometheus, der allmächtige Gott, von Lästerungen zerfleischt. [5] Ja, Marcion ist noch unerträglicher als die Tiere jener Barbarei. Denn welcher Biber ist so sehr ein Verschneider des Fleisches wie der, der die Ehe abgeschafft hat? Welche pontische Maus ein solcher Fresser wie der, der die Evangelien zernagt hat? Wahrlich, du Euxinus, den Philosophen hast du ein achtbareres Untier geschenkt als den Christen. Denn jener Hundsmensch Diogenes wollte einen Menschen finden und trug am Mittag eine Laterne umher; Marcion aber hat den Gott, den er gefunden hatte, verloren, nachdem er das Licht seines Glaubens ausgelöscht hatte. [6] Seine Schüler werden nicht leugnen, dass sein erster Glaube der unsrige war — seine eigenen Briefe bezeugen es —, sodass sich schon hieraus als Häretiker bestimmen lässt, wer verließ, was er zuvor war, und sich später erwählte, was er früher nicht war. Denn in dem Maß wird als Häresie gelten, was später eingeführt wird, in dem als Wahrheit gilt, was früher und von Anfang an überliefert ist. [7] Doch eine andere Schrift wird diesen Schritt gegen die Häretiker tun, die auch ohne Prüfung ihrer Lehren zu widerlegen sind, weil sie es schon kraft der Einrede der Neuheit sind. Da nun aber die Auseinandersetzung zuzulassen ist — auch damit die überall herbeigerufene Abkürzung durch die Einrede nicht als Kleinmut ausgelegt werde —, will ich zuvor die Regel des Gegners voranstellen, damit niemandem verborgen bleibe, worüber die Hauptfrage ausgefochten werden soll.

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