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Bibliothek der Kirchenväter
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Works Tertullian (160-220) Adversus Marcionem Fünf Bücher gegen Marcion
Buch 4

5.

[1] Kurzum: Wenn feststeht, dass das wahrer ist, was früher ist; dass das früher ist, was auch von Anfang an ist; dass das von Anfang an ist, was von den Aposteln stammt — so wird ebenso feststehen, dass das von den Aposteln überliefert ist, was bei den Kirchen der Apostel als hochheilig gegolten hat. Sehen wir zu, welche Milch die Korinther von Paulus geschöpft haben, an welcher Regel die Galater zurechtgebracht wurden, was die Philipper, die Thessalonicher und die Epheser lesen, was auch die Römer aus der Nähe verlauten lassen, denen Petrus und Paulus das Evangelium sogar mit ihrem Blut besiegelt hinterlassen haben. [2] Wir haben auch die Kirchen als Zöglinge des Johannes. Denn mag Marcion auch dessen Offenbarung zurückweisen, so wird doch die Reihe der Bischöfe, auf ihren Ursprung zurückgerechnet, bei Johannes als Urheber stehen bleiben. So erkennt man auch den edlen Stammbaum der übrigen. Ich sage also: Bei jenen — und nicht mehr nur bei den apostolischen, sondern bei allen, die sich mit ihnen durch die Gemeinschaft des Geheimnisses verbünden — steht jenes Evangelium des Lukas seit dem Beginn seiner Herausgabe fest, das wir eben jetzt verteidigen; das Marcions dagegen ist den meisten nicht einmal bekannt, keinem aber so bekannt, dass es nicht zugleich verurteilt wäre. [3] Freilich hat auch jenes seine Kirchen, doch die seinen, ebenso spät wie unecht; fragst du nach ihrem Stammbaum, so wirst du eher einen abtrünnigen als einen apostolischen finden, mit Marcion nämlich als Gründer oder mit irgendeinem aus Marcions Schwarm. Auch Wespen bauen Waben, auch Marcioniten bauen Kirchen. Dieselbe Autorität der apostolischen Kirchen wird auch den übrigen Evangelien Schutz gewähren, die wir ebenso durch sie und nach ihnen haben: dem des Johannes, meine ich, und dem des Matthäus, mag auch das, was Markus herausgegeben hat, als das des Petrus gelten, dessen Dolmetscher Markus war. Denn auch das Werk des Lukas pflegt man dem Paulus zuzuschreiben. [4] Es geht ja an, dass das den Lehrern zugerechnet wird, was die Schüler bekanntgemacht haben. Und darum ist auch hierüber Marcion zur Rede zu stellen: dass er diese übergangen und sich lieber an Lukas gehalten hat, als wären nicht auch jene von Anbeginn bei den Kirchen gewesen, ebenso wie das des Lukas. Und doch ist eher glaubhaft, dass diese von Anbeginn da waren, als die früheren, weil apostolisch, weil sie zugleich mit den Kirchen selbst gestiftet wurden. Im Übrigen: Wie geht es an, dass, wenn die Apostel nichts herausgegeben haben, vielmehr die Schüler herausgegeben hätten, die doch ohne jede Lehre der Meister gar keine Schüler hätten sein können? [5] Da also feststeht, dass auch diese bei den Kirchen waren: Warum hat Marcion nicht auch diese angerührt, um sie zu verbessern, wenn sie verfälscht waren, oder anzuerkennen, wenn sie unversehrt waren? Denn es passt auch, dass die, welche das Evangelium verkehrten, sich eher um die Verkehrung derer bemühten, deren Autorität sie als die angesehenere kannten. Deshalb gab es auch falsche Apostel, weil sie durch Fälschung die Apostel nachahmten. In dem Maß also, in dem er verbessert hätte, was zu verbessern gewesen wäre, wenn es verdorben gewesen wäre, in dem Maß hat er bestätigt, dass das nicht verdorben war, was er nicht für verbesserungsbedürftig hielt. [6] Schließlich hat er verbessert, was er für verdorben hielt — doch auch dies zu Unrecht, weil es nicht verdorben war. Denn wenn die apostolischen Schriften unversehrt verlaufen sind, das des Lukas aber, welches nach uns geht, deren Regel so genau entspricht, dass es mit ihnen zusammen bei den Kirchen bleibt, so steht schon fest, dass auch das des Lukas unversehrt verlaufen ist bis zum Frevel Marcions. Erst als Marcion Hand an es legte, wurde es von den apostolischen verschieden und ihnen feindlich. [7] Ich will also seinen Schülern einen Rat geben: Entweder sollen sie auch jene — wenn auch spät — auf die Form des ihren umgestalten, damit sie mit den apostolischen übereinzustimmen scheinen (denn auch täglich gestalten sie das ihre um, je nachdem sie täglich von uns widerlegt werden); oder sie sollen sich ihres Lehrers schämen, der in beiderlei Hinsicht bloßgestellt ist, da er die Wahrheit des Evangeliums bald aus Gewissen durchgehen lässt, bald aus Unverschämtheit umstürzt. Dieser Abkürzungen bedienen wir uns meist, wenn wir uns über die Glaubwürdigkeit des Evangeliums mit den Häretikern auseinandersetzen, indem wir sowohl die Ordnung der Zeiten verteidigen, die der Nachträglichkeit der Fälscher die Einrede entgegenhält, als auch die Autorität der Kirchen, die der Überlieferung der Apostel Schutz gewährt — weil die Wahrheit notwendig dem Falschen vorausgeht und von denen ausgeht, von denen sie überliefert ist.

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