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Vier Bücher über die christliche Lehre (BKV)
15. Kapitel: Der christliche Redner muß sich nicht bloß durch Studium, sondern ebenso auch durch frommes Gebet auf seine Predigt vorbereiten
32. Da also unser (kirchlicher) Redner nur gerechte, heilige und gute Dinge bespricht und etwas anderes auch gar nicht besprechen darf, so richtet er beim Reden sein Augenmerk darauf, daß er mit verständigem, willigem und gehorsamem Herzen angehört werde. Und soweit ihm das überhaupt möglich ist, kann er es ohne Zweifel durch frommes Gebet eher als durch gewandtes Reden erreichen. Darum sei er durch sein Beten für sich und seine Zuhörer zuvor ein Beter, bevor er ein Redner wird. Wenn dann die Stunde zum Sprechen selbst heranrückt, erhebe er, bevor er seinen Mund zum Vortrag öffnet, die dürstende Seele zu Gott, auf daß er (nur solches) verkünde, was er (im Gebete) eingesogen, oder darlege, was er selbst schon erfüllt hat. Denn da über jeden Gegenstand, der nach der Norm des Glaubens und der Liebe behandelt werden soll, gar vieles gesagt werden kann, und da es von Sachverständigen S. 190auf gar vielerlei Weise gesagt werden kann, wer weiß da, was gerade für diesen Augenblick uns zu sagen oder anderen durch unsere Vermittlung zu hören frommt, als derjenige, der die Herzen aller durchschaut? Und wer bewirkt, daß wir reden, was und wie wir sollen, als jener, in dessen Hand wir und unsere Reden sind1? Wer daher selbst erkennen und andere belehren will, der lerne alles, was gelehrt werden soll und erwerbe sich auch, wie es einem Mann der Kirche ziemt, die Befähigung zu reden. Ist aber dann die Stunde der Rede selbst herangerückt, so bedenke er lieber, daß für eine gute Gesinnung die Worte des Herrn passen: „Seid nicht besorgt darüber, wie oder was ihr reden sollt; denn in jener Stunde wird es euch schon gegeben werden, was ihr reden sollt. Denn nicht ihr seid es da, die reden, sondern der Geist eures Vaters, der in euch redet2.“ Wenn also der Heilige Geist in denen redet, die den Verfolgern für Christus übergeben werden, warum dann nicht auch in denen, die Christum den Lernenden übergeben?
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De doctrina Christiana
CAPUT XV.-- Orandus Deus doctori eccleciastico ante concionem.
32. Agit itaque noster iste eloquens, cum et justa et sancta et bona dicit, neque enim alia debet dicere; agit ergo quantum potest cum ista dicit, ut intelligenter, ut libenter, ut obedienter audiatur: et haec se posse, si potuerit, et in quantum potuerit, pietate magis orationum, quam oratorum facultate non dubitet; ut orando pro se, ac pro illis quos est allocuturus, sit orator antequam dictor. Ipsa hora jam ut dicat accedens, priusquam exserat proferentem linquam, ad Deum levet animam sitientem, ut eructet quod biberit, vel quod impleverit fundat. Cum enim de unaquaque re, quae secundum fidem dilectionemque tractanda sunt, multa sint quae dicantur, et multi modi quibus dicantur ab eis qui haec sciunt; quis novit quid ad praesens tempus, vel nobis dicere, vel per nos expediat audiri, nisi qui corda omnium videt? et quis facit ut quod oportet, et quemadmodum oportet, dicatur a nobis, nisi in cujus manu sunt et nos et sermones nostri 1? Ac per hoc, discat quidem omnia quae docenda sunt, qui et nosse vult et docere; facultatemque dicendi, ut decet virum ecclesiasticum, comparet: ad horam vero ipsius dictionis, illud potius bonae menti cogitet convenire quod Dominus ait, Nolite cogitare quomodo aut quid loquamini; dabitur enim vobis in illa hora quid loquamini: non enim vos estis qui loquimini, sed Spiritus Patris vestri qui loquitur in vobis 2. Si ergo loquitur in eis Spiritus sanctus, qui persequentibus traduntur pro Christo, cur non et in eis qui tradunt discentibus Christum?