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Works Teresa of Ávila (1515-1582) Gedichte der Heiligen

7. Seufzer einer verbannten Seele

Ach, wie traurig ist’s, zu geh’n,

Herr, durchs Leben ohne dich!

Nur ein Sehnen kenne ich:

Sterben möchte‘ ich, dich zu seh’n.

1. Lang ist unser Weg hienieden,

Durch der Tränen banges Tal,

Mühevoll der Menschen Dasein,

Der Verbannung herbe Qual.

Meister, voller Ruhm und Zier,

Nimm‘ mich, Heiland, weg von hier!

Ja, nur darum will ich fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

2. Düster ist das Erdenleben,

Bitter bis zum Übermaß,

Fern von dir seufzt meine Seele,

Trauernd ohne Unterlaß.

Ach, wie ist mir, süßes Gut,

Elend ohne dich zumut!

Nur um eines will ich fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

3. Tod, du Trost in meinen Nöten,

Heile meiner Sehnsucht Schmerz!

Süß empfind’ ich deine Schläge,

Sie befrei’n mein armes Herz.

Welch ein Glück, Geliebter mein,

Ganz vereint mit dir zu sein!

Nur um eines will ich fleh’n:

Sterben möchte‘ ich, dich zu seh’n.

4. Wie die schnöde Erdenliebe

Sich an dieses Leben hängt,

So die hehre Gottesliebe

Uns zum wahren Leben drängt.

Wie vermöchte, Meister, ich

Zu bestehen ohne dich?

Nur um eines will ich fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

5. Unser Weilen hier auf Erden

Ist nur Schmerz und Seelenpein,

Reines Leben wird uns werden

In des Himmels Höh’n allein.

Gott, mein Gott, gewähre mir,

Daß ich lebe dort bei dir!

Nur um eines will ich fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

6. Wer soll noch in Furcht erbeben,

Wenn der Leib in Staub zerfällt,

Da man doch für dieses Leben

Grenzenlose Lust erhält?

Süßes Dürfen, süße Pflicht,

Dich zu lieben, schönstes Licht!

Nur um eines will ich fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

7. Meine Seele schwebt in Ängsten,

Seufzt vor Schwäche, seufzt vor Leid

Welches Herz soll sich denn freuen,

Wenn der Vielgeliebte weit?

Meine Qualen, meine Pein,

Laß sie bald zu Ende sein!

Herr, ich kenne nur ein Fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

8. Wie der Fisch am Angelhaken

Hängt und zerrt, dem Tod geweiht,

Und von seinen tausend Qualen

Erst im Tode wird befreit,

So leid’ ich der Schmerzen Glut

Ohne dich, mein höchstes Gut.

Und ich kenne nur ein Fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

9. O mein Meister, ganz vergeblich

Sucht dich meine Seele hier,

Unsichtbar dem blöden Auge

Birgst du allzeit dich vor ihr.

In der Trennung heißem Schmerz

Fliegt ihr Sehnen himmelwärts.

Eines will sie nur erfleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

10. Ach, wann wirst du dich entschließen,

Einzukehren, Herr, bei mir?

Muß ich ja noch immer fürchten,

Daß ich dich, mein Gott, verlier’.

Seufzend ruft die Seele mein,

Schmerzerfüllt gedenkt sie dein,

Und um eins nur kann sie fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

11. Komm doch deiner Magd zu Hilfe,

Die in Sehnsucht fast vergeht!

Setz ein Ende ihren Nöten,

Höre doch ihr Bittgebet!

Brich die Ketten rasch entzwei,

Daß sie endlich glücklich sei!

Denn sie kann nur eines fleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

12. Doch, ach nein, mein guter Meister,

Ist mir doch mein Schmerz zum Heil,

Sühnen will ich meine Fehler,

Tilgen meiner Schulden Teil.

Höre, Herr, meine Klagen an,

Und mein Ruf steig’ himmelan!

Eines will ich nur erfleh’n:

Sterben möcht’ ich, dich zu seh’n.

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Gedichte der Heiligen
Commentaries for this Work
Vorwort und Einführung in die Gedichte der Heiligen

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