17.
Nachdem er sie mit den Gewändern geschmückt hatte, nahm er von dem wohlriechenden Salböl, das durch die Kunst der Salbenbereiter hergestellt wurde, und salbte damit zuerst die Gegenstände in dem unbedachten Raume des Heiligtums, den Opferaltar und das Waschbecken, indem er sie siebenmal besprengte, dann das Zelt und jedes einzelne der heiligen Geräte, die Lade, den Leuchter, den Räucheraltar, den Tisch, die Gefässe zu Weinspenden, die Schalen (zum Auffangen des Blutes) und alles andere, was zu den Opfern erforderlich und nützlich ist; und zuletzt führte er den Hohenpriester herbei und salbte ihm das Haupt mit vielem Öl. Nach weihevoller Ausführung dieser Handlungen befiehlt er ein Kalb und zwei Widder zu bringen, jenes, um es zur Vergebung der Sünden zu opfern, womit er andeutet, dass jedem Geborenen, auch wenn er tugendhaft ist, dadurch dass er zur Geburt gekommen, das Sündigen angeboren ist (Vgl. Kohel. 7,20.), wofür man die Gottheit durch Gebete und Opfer gnädig stimmen müsse, damit sie nicht zürnend strafe. Von den Widdern aber war der eine zum Ganzopfer bestimmt als Dank für die wohlgeordnete Einrichtung des Alls, von der jedem einzelnen in gebührendem Masse etwas zugute komme, da er aus allen Elementen Nutzen ziehe; denn er benutzt die Erde zum Wohnen und zu der von ihr gespendeten Nahrung, das Wasser zum Trinken, zum Baden und zur Schiffahrt, die Luft zum Atmen und zu den Wahrnehmungen durch die Sinne — denn ihr aller Werkzeug ist die Luft — und ferner noch zum Genuss der Jahreszeiten, das Feuer teils im praktischen Gebrauch zum Kochen und Heizen, teils das Feuerelement am Himmel zur Beleuchtung und zur Wahrnehmung alles Sichtbaren. Den andern Widder verlangte er, um die Priester durch heiligende Läuterung zu weihen, weshalb er ihn auch treffend den Widder der „Weihe" nannte (2 Mos. 29,26. 3 Mos. 8,22), da sie durch ihn in die für Diener Gottes und Vollzieher heiliger Handlungen passenden Weihen eingeführt werden sollten. Von seinem Blute spendet er einen Teil rings um den Altar (2 Mos. 29,20) (Philo las also am Ende dieses Bibelverses auch die Worte και προσχεεϊς (oder έπιχεεϊς) το αίμα επί τό θυσιαστήριον κύκλω, die sich nur in wenigen Hss. der Septuaginta finden und in den meisten fehlen.), den andern fängt er in einer untergehaltenen Schale auf und bestreicht damit drei Teile am Körper der zu weihenden Priester, das Ende eines Ohres, das einer Hand und eines Fusses, alle auf der rechten Körperseite. Damit will er sagen, dass der Vollkommene in allem, in Wort und Tat und Leben, rein sein muss. Über das Wort urteilt das Ohr, die Hand ist das Sinnbild für die Tat, das für den Lebenswandel der Fuss. Da nun alle drei Handlungen am äussersten Ende der betreffenden Gliedmassen und auf der rechten Seite vorgenommen werden, so ist anzunehmen, dass damit der günstige Fortschritt auf allen Gebieten gemeint ist, der die äusserste Glückseligkeit und das Ziel zu erreichen sucht, nach dem man streben und auf das man alle Handlungen richten muss, indem man, wie beim Bogenschiessen das Ziel, das Lebensziel fest ins Auge fasst.