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Œuvres Jean Chrysostome (344-407) In epistulam ad Colossenses commentarius Kommentar zum Briefe des hl. Paulus an die Kolosser (BKV)
Zehnte Homilie. *Kol. III, 18 bis Kol. IV, 4.*

3.

Ich kenne einen heiligen Mann, der in dieser Weise betete. Ohne weitere Einleitung begann er also zu sprechen: Wir danken (dir) für alle deine Wohltaten, die vom ersten Tage an bis heute uns Unwürdigen zuteil geworden sind; für die, welche wir kennen, wie für die, welche wir nicht kennen, für die sichtbaren wie für die unsichtbaren; für die in Werken wie für die in Worten; für die nach unserm wie für die gegen unsern Willen; für alle, welche an uns Unwürdigen geschehen sind; für die Trübsale, für die Tröstungen; für die Hölle, für die Strafe, für das Himmelreich. Wir bitten dich, du wollest unsere Seele heilig und mit reinem Gewissen bewahren, auf daß unser Ende ein deiner Menschenfreundlichkeit würdiges sei. Der du uns so sehr geliebt hast, daß du deinen eingeborenen Sohn für uns dahingabst, laß uns deiner Liebe würdig werden! Verleihe uns Weisheit in deinem Worte und in deiner Furcht! Eingeborener Christus, hauche uns deine Kraft ein! Der du deinen eingeborenen Sohn für uns hingegeben und deinen Heiligen Geist gesandt hast zur Vergebung unserer Sünden, wenn wir wissentlich oder unwissentlich gesündigt haben, so vergib uns, und rechne es uns nicht an! Gedenke aller, die deinen Namen anrufen in Wahrheit! Gedenke aller, die uns wohl, und aller, die uns übel wollen! Denn Menschen sind wir alle. Dann fügte er zuletzt noch das Gebet der Gläubigen1 hinzu, um seinem Gebete für alles und alle einen festen Abschluß zu geben. Denn Gott erweist uns viele Wohltaten, selbst ohne daß wir es wollen, viele, ja die Mehrzahl, selbst ohne daß wir es wissen. Wenn er nämlich das Gegenteil von dem tut, um was wir beten, S. 376 so erweist er uns offenbar eine Wohltat, ohne daß wir es wissen.

V. 3: „Indem ihr zugleich auch für uns betet, ...“

Beachte die Demut! Erst nach ihnen setzt er sich selbst. — „... daß Gott uns eine Türe des Wortes auftue, zu verkünden das Geheimnis Christi, ...“ Er meint freien Zutritt und Unerschrockenheit. Wunderbar! Dieser gewaltige Kämpfer sagt nicht: daß ich von meinen Ketten, befreit werde, sondern als Gefesselter wendet er sich an andere und bittet sie um eine große Sache, daß er nämlich unerschrockene Freimütigkeit erlange. Beides ist groß, Person sowohl als Sache. O welch erhabene Würde! — „Das Geheimnis Christi“, heißt es. Er zeigt, daß er keinen sehnlicheren Wunsch kenne, als dieses zu verkünden. „... um dessen willen ich auch gebunden bin,

V. 4: „damit ich es offenbare, so wie ich es verkünden soll.“

Mit allem Freimut, ist der Sinn, und ohne jeden Rückhalt Die Fesseln stellen ihn nicht in Schatten, sondern ins hellste Licht. Mit allem Freimut, sagt er. — Ich bitte dich, du liegst in Ketten und willst andere trösten? Ja; die Ketten gewähren mir größeren Freimut. Aber ich bedarf der entscheidenden Hilfe Gottes; denn ich habe den Ausspruch Christi gehört: „Wenn sie euch ausliefern werden, so sorget nicht, wie oder was ihr reden sollt2.“ — Und beachte die Bildlichkeit seiner Ausdrucksweise! „Daß Gott uns eine Türe des Wortes auftue.“ Sieh, wie anspruchslos er ist; wie (demütig) er in seinen Ketten redet! Er will sagen: daß Gott ihre Herzen erweiche. Allein er drückt sich nicht also aus, sondern sagt voll Demut; daß er uns Unerschrockenheit verleihe, und bittet um das, was er schon hatte. — Er zeigt in diesem Briefe, warum Christus nicht schon früher gekommen sei, indem er den Alten Bund (mit seinen Satzungen) als „Schatten“ bezeichnet. „Der Körper aber“, sagt er, „ist Christi3.“ Daher mußten sie sich erst an den Schatten gewöhnen. S. 377 Zugleich legt er auch den größten Beweis seiner Liebe zu ihnen an den Tag. Damit ihr, sagt er, (auf mich) höret, liege ich in Banden. —

Wiederum kommt er auf seine Ketten zu sprechen, die ich so sehr liebe, bei denen mir das Herz aufgeht, die in mir immer das Verlangen wachrufen, den heiligen Paulus gebunden zu sehen, wie er in Banden schreibt und predigt und tauft und christlichen Unterricht erteilt. In Banden erhielt er Bericht über die Gemeinden der ganzen Welt; in Banden baute er unendlich vieles auf; da war er erst recht rührig. Höre nur seine eigenen Worte: „So daß mehrere der Brüder vertrauend auf meine Bande umso mehr wagten, furchtlos das Wort Christi zu verkünden4.“ Und von neuem versichert er dies, indem er spricht: „Denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark5.“ Deshalb sagte er auch: „Aber das Wort Gottes ist nicht gebunden6.“ — Er mußte sich fesseln lassen in Gesellschaft von Verbrechern, von Gefangenen, von Mördern; der Weltapostel, der in den dritten Himmel entrückt worden war, der unaussprechliche Geheimnisse gehört hatte7 lag in Banden. Allein gerade da war sein Lauf um so schneller. Der Gefesselte war frei, und der nicht Gefesselte war gebunden. Denn während jener alles erreichte, was er nur wollte, konnte dieser ihn nicht daran hindern, noch sein eigenes Vorhaben durchsetzen. Was tust du, Unsinniger? Ist er denn ein gewöhnlicher Wettläufer? Ringt er denn in der gewöhnlichen Rennbahn um den Preis? Im Himmel ist sein Wandel. Wer im Himmel läuft, den vermag nichts Irdisches zu fesseln oder aufzuhalten. Siehst du nicht diese Sonne hier? Lege doch ihren Strahlen Fesseln an, gebiete ihrem Laufe Stillstand! Doch das wirst du nie und nimmer vermögen. Nun, ebensowenig wird es dir bei Paulus gelingen. Ja diesem noch viel weniger als jener8; denn über ihm waltet die göttliche Vorsehung noch weit mehr als über der Sonne, da er uns nicht natürliches Licht zu vermitteln S. 378 hat, sondern Träger des Lichtes der Wahrheit ist. — Wo sind jetzt diejenigen, welche um Christi willen nichts leiden wollen? Doch was sage ich leiden, da sie ja nicht einmal zu einem Geldopfer sich entschließen können? Auch Paulus schlug ehedem in Ketten und warf ins Gefängnis; allein nachdem er ein Diener Christi geworden, rühmt er sich hinfort nicht mehr, solches zu tun, sondern solches zu leiden. Und eben das ist das Wunderbare an der Predigt des Evangeliums, wenn es durch Leute, welche Mißhandlungen dulden, nicht aber Mißhandlungen zufügen, einen so starken Impuls und ein so mächtiges Wachstum erfährt. Wo hat man je derartige Wettkämpfe gesehen? Der Gewalttätigkeiten leidet, trägt den Sieg davon, und der Gewalttätigkeiten ausübt, unterliegt. Jener erlangt größeren Ruhm als dieser. Durch Ketten hat die Predigt des Evangeliums Eingang gefunden. Ich schäme mich nicht, sagt er, sondern bin sogar stolz darauf, den Gekreuzigten zu predigen9. Denn bedenke nur: Die ganze Welt verläßt die Freien und schließt sich an die Gefesselten an, wendet sich von denen ab, welche die Fesseln anlegen, und ehrt diejenigen, welche in Ketten liegen, verabscheut die Kreuziger und betet den Gekreuzigten an. —


  1. Das Vaterunser. ↩

  2. Matth. 10, 19. ↩

  3. Kol. 2, 17. ↩

  4. Phil. 1, 14. ↩

  5. 2 Kor. 12, 10. ↩

  6. 2 Tim. 2, 9. ↩

  7. Vgl. 2 Kor. 12, 2. 4. ↩

  8. Ergänze: kannst du Fesseln anlegen. ↩

  9. Vgl. Röm. 1, 16; 1 Kor. 1, 23. ↩

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