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Œuvres Jean Chrysostome (344-407) Homilien über den I. Thessalonicher-Brief (BKV)
Eilfte Homilie.

5.

III. Soll ich euch einen Vorfall erzählen, der mir selbst berichtet worden ist? Ich habe ihn nicht erdichtet, sondern aus dem Munde einer glaubwürdigen Persönlichkeit vernommen. Ein junges Weib war mit einem bösen Manne, einem schlechten, schon einmal entlaufenen Sklaven verheirathet. Dieser ihr Mann nun sollte von seiner Herrin verkauft werden; denn er hatte sich unverzeihliche Handlungen zu Schulden kommen lassen, und seine Herrin war Wittwe, nicht stark genug, ihn in Schranken zu halten, falls er ihr Hauswesen zu Grunde richtete. Darum gedachte sie ihn zu verkaufen. Da sie aber meinte, es sei doch nicht recht, S. 723 jenen Mann von seiner Frau zu trennen, so beschloß sie, das Weib des Sklaven, obgleich dasselbe sehr tüchtig und brauchbar war, sammt ihrem Manne zugleich zu verkaufen, um nur jenen los zu werden. Das war ein großes Unglück für jenes Weib und in der Angst ihres Herzens eilte dasselbe zu einer hochangesehenen Person, die mit der Herrin des Sklavenpaares befreundet war. Von dieser habe denn auch ich den Vorfall gehört. Dieser Person nun warf sich die Sklavin zu Füßen und bat sie unter vielen Thränen und Klagen, sie möchte bei ihrer Herrin Fürsprache für sie einlegen. Nachdem sie viele Worte verschwendet, fügte sie auch noch einen schauerlichen Schwur hinzu, in der Meinung, dadurch am meisten auszurichten. Der Schwur aber lautete folgendermaßen: Verachte meine Bitte nicht, so wahr du Christum schauen willst am Tage des Gerichtes! Mit diesen Worten entfernte sich die Sklavin. Jene Frau aber, an welche die Bitte gerichtet war, vergaß die ganze Sache ob eines Geschäftes, das ihr, wie das ja in Haushaltungen vorkommt, unvermuthet dazwischen gekommen war. Es war Abend geworden, da fällt ihr plötzlich die ganze Sache sammt der Beschwörung ein. Es fällt ihr schwer auf die Seele. Eilends begibt sie sich zu der Herrin des Weibes und ihren dringenden Bitten gelingt es, die Angelegenheit nach Wunsch zu erledigen. In der folgenden Nacht aber hatte sie ein Traumgesicht, in welchem sie den Himmel offen sah und Christus selber erblickte, ein Gesicht, wie es eben ein Weib haben konnte; sie ward aber desselben gewürdigt, weil der Schwur sie nicht gleichgiltig gelassen, sondern einen tiefen Eindruck auf sie gemacht hatte.

Dieß habe ich euch nun erzählt, damit wir solche Beschwörungen nicht verachten, besonders wenn es sich handelt um erlaubte Dinge, um Almosen, um Gnade und Schonung.

S. 724 Nun sitzen aber Bettler mit lahmen oder verstümmelten Füßen an den Straßen; sie sehen dich vorübergehen und weil sie dir nicht nachlaufen können, so hoffen sie dich durch die Rücksicht auf eine Beschwörung wie mit einem Hacken festzuhalten; darum strecken sie die Hände aus und bitten dich mit einer Beschwörung um ein paar Obolen. Du aber gehst ungerührt vorüber, obgleich der Arme dich bei deinem Herrn beschworen hat!

Wenn derselbe aber dich bittet um der Augen deines verreisten Mannes willen oder deines Sohnes oder deiner Tochter, da wirst du gleich nachgiebig, da hüpft dein Herr vor Lust und Freude. Um Gottes willen aber wenn man dich bittet, gehst du kalt vorüber. Ja, ich kenne Manche, die das gethan haben, die aber den Bittenden freudigen und weichen Herzens weit die Hand aufgethan haben, wenn diese ihnen Schmeicheleien wegen ihrer Schönheit machten. So weit ist es gekommen, daß die armen Unglücklichen den Dienst der Spaßmacher verrichten müssen. Weil das eindringlichste Flehen derselben keinen Eindruck mehr macht, so müssen sie auf Worte sinnen, die ihr recht gerne hört, und so tief sind wir gesunken, daß wir verlangen, der Unglückliche, der vom Hunger Gepeinigte soll uns über unsere Schönheit Schmeicheleien vorsagen.

Das ist aber noch nicht alles, man treibt es noch ärger. Man zwingt die Armen, die Rolle von Gaucklern, Zotenreißern und Spaßmachern zu spielen. Denn wenn Einer Becher, Gläser, Trinkgefäße in den Händen verschwinden läßt, wenn er Paucken und Cymbeln schlägt, wenn Einer die schmutzigsten Lieder mit lauter Stimme singt oder auf der Flöte die Melodie derselben bläst, da sammelt sich gleich eine Menge Leute um denselben, und der Eine gibt ihm ein Stück Brod, der Andere eine Münze, der Andere Dieß und Das. Männer und Weiber freuen sich an solchen Dingen und sehen und hören lange zu. Ist das nicht arg, ist das nicht beklagenswerth? Es sind das schein- S. 725 bar Kleinigkeiten und man hält sie auch häufig dafür. Es kann aber arge Sittenverderbniß daraus entspringen. Denn der Schmutz eines zotenhaften, aber wohltönenden Liedes verschafft sich oft nur zu leicht Eingang in die Herzen Unverdorbener und gereicht auch der Seele des Sängers selbst zum Verderben; aber die Stimme desjenigen Armen, der um Gottes willen fleht und uns tausendmal Gutes wünscht, verhallt wirkungslos an unserm Ohre, wer dagegen Possen vormacht, der wird aufmerksam angehört.

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Traductions de cette œuvre
Commentaire sur la première épitre aux Thessaloniciens Comparer
Homilien über den I. Thessalonicher-Brief (BKV)

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