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Œuvres Jean Chrysostome (344-407) In epistulam ad hebraeos argumentum et homiliae 1-34 Homilien über den Brief an die Hebräer (BKV)
Achtundzwanzigste Homilie.

III.

Wenn du aber die Spottworte und das Hohngerede wissen willst, das man gegen ihn in Bereitschaft hielt, was schmerzlich in unsere Seele einbeißt, so höre vorerst, was man in Bezug auf seine Herkunft vorbrachte: „Ist Dieser nicht,“ heißt es, „eines Zimmermannes Sohn, dessen Vater und Mutter wir kennen; und sind nicht alle seine Brüder bei uns?“1 Und wenn sie ihn bezüglich seiner Heimath verspotten wollten, sagten sie, er sei aus Nazareth. Und wieder: „Durchforsche die Schrift und siehe, daß aus Nazareth kein Prophet aufsteht.“2 Und alle diese Verunglimpfungen ertrug er. Und wieder sagten sie: Sagt nicht die Schrift: „Christus kommt aus dem Flecken Bethlehem?“3 Willst du auch die Hohnrede wissen, die sie gegen ihn selbst S. 417 beim Kreuze ausstießen? Sie beteten ihn spottweise an; sie stießen ihn und schlugen ihn in’s Angesicht und sprachen: „Weissage uns, Christus, wer ist’s, der dich geschlagen hat?“4 Und sie reichten ihm Essig dar mit den Worten: „Wenn du der Sohn Gottes bist, so steige vom Kreuze herab.“5 Auch sogar der Knecht des Hohenpriesters gab ihm einen Backenstreich, und er erwidert: „Habe ich unrecht geredet, so beweise, daß es unrecht sei, habe ich aber recht geredet, warum schlägst du mich?“6 Und zum Hohne zogen sie ihm einen Soldatenmantel um und spuckten in sein Angesicht, und bereiteten ihm immer Versuchungen, und legten ihm Fallstricke. Willst du auch die Beschuldigungen wissen, die gegen ihn im Geheimen, und öffentlich und von seinen Schülern vorgebracht wurden? Denn die Worte: „Wollet auch ihr fortgehen?“7 und: „Du hast den Teufel“8, wurden von Denen gesprochen, welche schon glaubten. Aber sage mir, floh er nicht selbst immer bald nach Galiläa, bald nach Judäa? Wurden ihm nicht von den Windeln an viele Gefahren bereitet? Nahm ihn nicht seine Mutter als kleines Kind und floh nach Aegypten? Wegen all Diesem sagt Paulus: „Und lasset uns aufblicken zu dem Anfänger und Vollender des Glaubens, zu Jesus, der für die ihm vorgelegte Freude das Kreuz erduldete, die Schmach nicht achtete, und zur Rechten des Thrones Gottes sitzt.“ Auf ihn also wollen wir hinschauen und auf die Schicksale seiner Jünger, und wollen besonders beim hl. Paulus verweilen, indem wir seine eigenen Worte anhören: „Durch große Geduld in Trübsalen, in Nöthen, in Aengsten, in Schlägen, in Gefängnissen, in Aufruhr, in Mühen, in Fasten, durch Keuschheit, mit Klugheit.“9 Und wieder: „Bis zu dieser Stunde hungern und S. 418 dursten wir, sind entblößt, werden mit Fäusten geschlagen, und haben keine bleibende Stätte. Wir arbeiten und mühen uns mit unsern Händen; man verflucht uns, und wir segnen; man verfolgt uns, und wir dulden, man lästert uns, und wir beten.“10 Kann nun Einer von uns sagen, daß er auch nur den kleinsten Theil von Dem gelitten habe? Denn wie Verführer, sagt er, wie ohne Ehre, wie Nichts habend.11 Und wieder: „Von den Juden habe ich fünfmal vierzig Streiche weniger Einen bekommen. Dreimal bin ich mit Ruthen gestrichen, einmal gesteinigt worden, einen Tag und eine Nacht bin ich in der Meerestiefe gewesen, oft auf Reisen, in Gefahren, in Mühseligkeit, in Hunger.“12 Und daß Dieses Gott gefiel, darüber höre ihn selbst sprechen: „Um deßwillen habe ich drei Mal den Herrn gebeten, daß er von mir weiche. Er aber sprach zu mir: es genügt dir meine Gnade, denn die Kraft wird in deiner Schwachheit vollkommen; darum habe ich Wohlgefallen an meinen Schwachheiten, an Schmähungen, an Nöthen, an Verfolgungen, an Bedrängnissen um Christi willen.“13 Höre aber auch, was Christus selber spricht: „In der Welt werdet ihr Bedrängniß haben.“14

3. „Denn denket, sagt er, an ihn, der solchen Widerspruch von den Sündern gegen sich erduldet hat, damit ihr nicht ermüdet, und eueren Muth nicht sinken lasset.

Mit Recht hat er Das hinzugefügt; denn wenn die leidendes Nächsten uns anspornen, welchen Muth werden wir aus den Leiden des Herrn selbst schöpfen? Wie werden sie uns nicht beistehen! Und betrachte, wie er es unterläßt, Alles anzuführen, und durch den Ausdruck Widerspruch, den er hinsetzt, das Ganze bezeichnet. Denn die S. 419 Backenstreiche, das Hohnlachen, die Schmähungen, die Beschimpfungen, den Spott, alles Dieß hat er durch das Wort „Widerspruch“ angedeutet, und nicht allein Dieses, sondern was ihm in seinem ganzen Leben, da er lehrte, begegnete. Dieß also, Geliebte. wollen wir immer bedenken, und bei Tag und Nacht in unserm Geiste erwägen, in der Gewißheit, daß wir hieraus große Güter gewinnen und großen Nutzen ziehen werden. Denn einen großen, ja in Wahrheit einen großen Trost gewähren uns die Leiden Jesu, die Leiden der Apostel. Denn so sehr erkannte er, daß dieser Weg der beste Weg zur Tugend sei, daß auch er selbst, der dessen nicht bedurfte, ihn wandelte; so sehr erkannte er es, daß die Trübsal uns heilsam ist und die Grundbedingung unserer Ruhe bildet; denn höre, was Christus selbst spricht: „Und wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, und mir nachfolgt, ist meiner nicht werth.“15 Durch diese Worte will er folgende Lehre ertheilen: „Wenn du ein Schüler bist, so ahme dem Meister nach, denn Das ist die Pflicht des Schülers.“ Wenn er selbst aber den Weg der Trübsal ging, du aber auf dem der Ruhe lustwandelst, so bist du mit jenem nicht auf derselben Straße, sondern auf einer andern. Wie bist du nun ein Nachfolger, wenn du ihm nicht nachgehst? Wie ein Schüler, wenn du nicht dem Meister folgst? Dieß sagt auch Paulus: „Wir sind schwach, ihr aber seid stark; ihr seid angesehen, wir aber verachtet.“ Oder welchen vernünftigen Sinn, will er sagen, kann Das haben, daß wir nach einem ganz entgegengesetzten Ziele streben, und ihr Schüler seid, wir aber Lehrer sind?

Eine herrliche Sache ist daher, Geliebte! die Trübsal; denn sie bewirkt zwei sehr wichtige Dinge: „sie tilgt die Sünden und verleiht Festigkeit.“


  1. Mt 13,55(56) ↩

  2. Joh 7,52 ↩

  3. Joh 7,42 ↩

  4. Mt 26,28 ↩

  5. Mt 27,40 ↩

  6. Joh 18,23 ↩

  7. Joh 6,68 ↩

  8. Joh 7,20 ↩

  9. 2 Kor 6,4-6 ↩

  10. 1 Kor 4,11-13 ↩

  11. 2 Kor 6,8 ↩

  12. 2 Kor 11,24-26 ↩

  13. 2 Kor 12,8-10 ↩

  14. Joh 16,33 ↩

  15. Mt 10,38 ↩

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Traductions de cette œuvre
Commentaire de Saint Jean Chrysostome sur l'épître de Saint Paul aux Hébreux Comparer
Homilien über den Brief an die Hebräer (BKV)
Commentaires sur cette œuvre
Einleitung: Homilien über den Brief an die Hebräer

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