Traduction
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Fünf Bücher gegen Marcion
1.
[1] Was wir früher gegen Marcion unternommen haben, mag von jetzt an auf sich beruhen. Wir gehen eine neue Sache aus einer alten an. Die erste Schrift, gleichsam übereilt, hatte ich später durch eine vollständigere Fassung ersetzt. Auch diese, noch nicht durch Abschriften verbreitet, ging mir durch die Untreue eines damaligen Bruders verloren, der später abgefallen ist: Er hatte zufällig einiges höchst fehlerhaft abgeschrieben und es unter die Menge gebracht. [2] So entstand die Notwendigkeit einer Berichtigung, und der Anlass dieser Erneuerung riet dazu, einiges hinzuzufügen. Darum schickt diese Feder — nun aus der zweiten die dritte und aus der dritten von hier an die erste — ihrer Schrift notwendig diese Erklärung ihres Ausgangs voraus, damit niemand durch die Verschiedenheit verwirrt werde, die er in dem Verstreuten antrifft. [3] Der Pontos, den man den Gastlichen nennt, wird von seiner Natur widerlegt und von seinem Namen verspottet. Im Übrigen wirst du den Pontos auch nach seiner Lage nicht für gastlich halten: So weit hat er sich von unseren gesitteteren Meeren zurückgezogen, gleichsam aus Scham über die eigene Barbarei. Die wildesten Völker bewohnen ihn — wenn man denn auf einem Wagen wohnt. Der Wohnsitz unbestimmt, das Leben roh, die Begierde wahllos und meist unverhüllt; und selbst wenn sie sie verbergen, zeigen die am Joch aufgehängten Köcher es an, damit niemand unversehens dazwischentrete. So schämen sie sich nicht einmal ihrer Waffen. Die Leichen ihrer Eltern verschlingen sie beim Gastmahl, zusammen mit dem Vieh geschlachtet. Wer nicht so gestorben ist, dass er zur Speise taugt, dessen Tod gilt als verflucht. Auch die Frauen werden durch ihr Geschlecht nicht zur Scham gemildert: Sie entblößen die Brüste, verrichten ihr Tagewerk mit Beilen und wollen lieber Kriegsdienst tun als heiraten. Hart ist auch der Himmel. Nie ein offener Tag, nie eine willige Sonne, die Luft durchweg ein einziger Nebel, das ganze Jahr Winter; was immer weht, ist Nordwind. Das Flüssige kehrt nur durch Feuer wieder, die Ströme werden vom Eis verweigert, die Berge vom Reif erhöht. Alles erstarrt, alles steht steif; nichts ist dort warm als die Wildheit — jene freilich, die den Bühnen die Fabeln geliefert hat von den Opfern der Taurer, den Liebschaften der Kolcher und den Kreuzen des Kaukasus. [4] Doch nichts ist am Pontos so barbarisch und so traurig wie dies, dass dort Marcion geboren wurde: abscheulicher als ein Skythe, unsteter als ein Wagenbewohner, unmenschlicher als ein Massagete, verwegener als eine Amazone, finsterer als das Gewölk, kälter als der Winter, brüchiger als das Eis, trügerischer als die Donau, schroffer als der Kaukasus. Wie auch nicht? Bei ihm wird der wahre Prometheus, der allmächtige Gott, von Lästerungen zerfleischt. [5] Ja, Marcion ist noch unerträglicher als die Tiere jener Barbarei. Denn welcher Biber ist so sehr ein Verschneider des Fleisches wie der, der die Ehe abgeschafft hat? Welche pontische Maus ein solcher Fresser wie der, der die Evangelien zernagt hat? Wahrlich, du Euxinus, den Philosophen hast du ein achtbareres Untier geschenkt als den Christen. Denn jener Hundsmensch Diogenes wollte einen Menschen finden und trug am Mittag eine Laterne umher; Marcion aber hat den Gott, den er gefunden hatte, verloren, nachdem er das Licht seines Glaubens ausgelöscht hatte. [6] Seine Schüler werden nicht leugnen, dass sein erster Glaube der unsrige war — seine eigenen Briefe bezeugen es —, sodass sich schon hieraus als Häretiker bestimmen lässt, wer verließ, was er zuvor war, und sich später erwählte, was er früher nicht war. Denn in dem Maß wird als Häresie gelten, was später eingeführt wird, in dem als Wahrheit gilt, was früher und von Anfang an überliefert ist. [7] Doch eine andere Schrift wird diesen Schritt gegen die Häretiker tun, die auch ohne Prüfung ihrer Lehren zu widerlegen sind, weil sie es schon kraft der Einrede der Neuheit sind. Da nun aber die Auseinandersetzung zuzulassen ist — auch damit die überall herbeigerufene Abkürzung durch die Einrede nicht als Kleinmut ausgelegt werde —, will ich zuvor die Regel des Gegners voranstellen, damit niemandem verborgen bleibe, worüber die Hauptfrage ausgefochten werden soll.
Edition
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Adversus Marcionem
1.
[1] Si quid retro gestum est nobis adversus Marcionem, iam hinc viderit. Novam rem aggredimur ex vetere. Primum opusculum quasi properatum pleniore postea compositione rescideram. Hanc quoque nondum exemplariis suffectam fraude tunc fratris, dehinc apostatati, amisi, qui forte descripserat quaedam mendosissime et exhibuit frequentiae. [2] Emendationis necessitas facta est. Innovationis eius occasio aliquid adicere persuasit. Ita stilus iste nunc de secundo tertius et de tertio iam hinc primus hunc opusculi sui exitum necessario praefatur, ne quem varietas eius in disperso reperta confundat. [3] Pontus, qui dicitur Euxinus, natura negatur, nomine illuditur. Ceterum hospitalem Pontum nec de situ aestimes; ita ab humanioribus fretis nostris quasi quodam barbariae suae pudore secessit. Gentes ferocissimae inhabitant; si tamen habitatur in plaustro. Sedes incerta, vita cruda, libido promiscua et plurimum nuda, etiam cum abscondunt, suspensis de iugo pharetris indicibus,^2 ne temere qui intercedat. Ita nec armis suis erubescunt. Parentum cadavera cum pecudibus caesa convivio convorant. Qui non ita decesserint ut escatiles fuerint, maledicta mors est. Nec feminae sexu mitigantur secundum pudorem; ubera excludunt, pensum securibus faciunt, malunt militare quam nubere. Duritia de caelo quoque. Dies nunquam patens, sol nunquam libens, unus aër nebula, totus annus hibernum, omne quod flaverit aquilo est. Liquores ignibus redeunt, amnes glacie negantur, montes pruina exaggerantur. Omnia torpent, omnia rigent; nihil illic nisi feritas calet, illa scilicet quae fabulas scenis dedit de sacrificiis Taurorum et amoribus Colchorum et crucibus Caucasorum. [4] Sed nihil tam barbarum ac triste apud Pontum quam quod illic Marcion natus est, Scytha tetrior, Hamaxobio instabilior, Massageta inhumanior, Amazona audacior, nubilo obscurior, hieme frigidior, gelu fragilior, Istro fallacior, Caucaso abruptior. Quidni? penes quem verus Prometheus deus omnipotens blasphemiis lancinatur. [5] Iam et bestiis illius barbariei importunior Marcion. Quis enim tam castrator carnis castor quam qui nuptias abstulit? Quuis tam comesor mus Ponticus quam qui evangelia corrosit? Nae tu, Euxine, probabiliorem feram philosophis edidisti quam Christianis. Nam ille canicola Diogenes hominem invenire cupiebat lucernam meridie circumferens, Marcion deum quem invenerat extincto lumine fidei suae amisit. [6] Non negabunt discipuli eius primam illius fidem nobiscum fuisse, ipsius litteris testibus, ut hinc iam destinari possit haereticus qui deserto quod prius fuerat id postea sibi elegerit quod retro non erat. In tantum enim haeresis deputabitur quod postea inducitur, in quantum veritas habebitur quod retro et a primordio traditum est. [7] Sed alius libellus hunc gradum sustinebit adversus haereticos, etiam sine retractatu doctrinarum revincendos, quod hoc sint de praescriptione novitatis. Nunc quatenus admittenda congressio est, interdum ne compendium praescriptionis ubique advocatum diffidentiae deputetur, regulam adversarii prius praetexam, ne cui lateat in qua principalis quaestio dimicatura est.