61. Brief — An Don Teutonio de Braganza in Salamanka
Segovia, am 3. Juli 1574
Verschiedene Mitteilungen. Ratschläge in betreff der Übung des innerlichen Gebetes.
Jhs
Die Huld des Heiligen Geistes sei mit Euerer Gnaden!
Ich erkläre Ihnen allen Ernstes, daß ich Ihnen, wenn Sie nochmals eine solche Überschrift machen, nicht antworten werde. Ich weiß nicht, warum Sie mir Verdruß bereiten wollen; denn dies verdrießt mich jedesmal. Leider habe ich bis jetzt zu wenig darauf geachtet. Euere Gnaden können es vom Pater Rektor erfahren, wie man die Überschrift an mich macht, und außerdem dürfen Sie nichts hinzusetzen. Die von Ihnen gefertigte Adresse paßt durchaus nicht für meinen Orden. — Ich freute mich darüber, daß der Pater Rektor wieder gesund ist; denn sein Unwohlsein hat mir Sorge gemacht. Ich bitte Sie, ihm meine Empfehlung zu übermitteln.
Es scheint, Sie haben wenig gutes Wetter für Ihre Kur. Der Herr gebe, daß sie von gutem Erfolg für Sie begleitet ist, wie ich ihn darum bitten werde! Die göttliche Majestät führe Ihre Diener glücklich zu Ihnen! Ich bitte sie auch darum, aber ich wünsche nicht, daß Sie so sehr darüber bekümmert seien. Was soll denn diese Besorgnis zu Ihrer Gesundheit beitragen? O wenn wir doch dergleichen Wahrheiten beachteten, wie wenig wäre das, was uns auf Erden betrüben würde! Ich habe den Brief sogleich übersandt und dem Pater Rektor geschrieben, wie viel mir daranliege, daß die Sache eifrig betrieben werde. Ich verdanke ihm sehr vieles. Er hat auch den Kauf eines Hauses vermittelt, das wir schon erworben haben. Gott sei dafür gepriesen! Sagen Sie es dem Pater Rektor. Das Haus ist ganz vortrefflich und hat eine gute Lage. Es steht neben dem, das wir jetzt bewohnen, und gehörte einem Edelmann namens Didakus de Porras. Der Pater Acosta wird Ihnen sagen, wie passend es ist. Ich bitte Euere Gnaden, auch ihm meine Empfehlungen zu entrichten und ihm zu sagen, daß seine Novizinnen von Tag zu Tag zufriedener seien und wir mit ihnen. Sie empfehlen sich in Ihre Gebete, desgleichen auch die übrigen Schwestern. Aber wie ungezogen bin ich, daß ich Sie mit solchen Aufträgen belästige! Wahrhaftig, Ihre Demut erträgt alles!
Kümmern Euere Gnaden sich nicht darüber, wenn der Wunsch nach Beendigung des Gebetes sich in Ihnen regt, sondern preisen Sie den Herrn für das Verlangen, das er Ihnen gibt, im Gebete auszuhalten! Denn seien Sie versichert, der Wille verlangt doch darnach und liebt es, in Gottes Gegenwart zu weilen. Es ist, wie mir scheint, nur die Melancholie, die sich über den Zwang beklagt, der ihr angetan wird. Sehen Sie zuweilen darauf, sich unter freiem Himmel zu ergehen, wenn Sie in gedrückter Stimmung sind; denn dies hindert nicht das Gebet, und wir müssen gegen unsere Schwäche in der Weise ankämpfen, daß die Natur nicht darunter erliegt. Auch dies ist ein Suchen Gottes; denn um seinetwillen nehmen wir ja zu solchen Mitteln unsere Zuflucht, und es ist nun einmal notwendig, daß wir unsere Seele sanft führen. In dieser Hinsicht und in allem übrigen wird mein Pater Rektor besser wissen, was das Rechte ist.
Man erwartet den Pater Visitator, der in die Nähe kommt. Sobald ich weiß, wo er sich befindet, werde ich es Ihnen schreiben. Das Wichtigste ist übrigens, daß Sie mit ihm sprechen; denn er wird auch nach Salamanka kommen. Gott vergelte Ihnen die Sorgfalt, mit der Sie uns Gnaden erweisen! Ich bin nun wohl, und der Herr gebe, daß auch Sie es seien und Ihnen die Kur recht wohl bekomme! Heute ist der 3. Juli.
Euerer Gnaden unwürdige Dienerin und Untergebene
Theresia von Jesu, Karmelitin
Anschrift: An den sehr erlauchten Herrn Don Teutonio de Braganza, meinen Gebieter, in Salamanka.
