8.
Meine vielsündige Seele! Wenn du das alles beherzigest, dann sei nicht träge im Fasten und nachlässig im Gebete! Laß nicht ab von der Reue und zögere nicht mit dem Bekenntnis und werde nicht mutlos in der Bußübung und müde in der Wohltätigkeit. Laß nicht nach zu weinen und ruhe nicht aus vom Klagen. Warte nicht bis zum Ende und vertröste dich nicht auf das mühselige Greisenalter und rechne nicht mehr auf viele Jahre für dich in der Welt und denke nicht: Später tue ich Buße! Der (böse) Feind ist ein Dieb und Betrüger; er betrügt dich und richtet dich zugrunde, indem er dich so zum Aufschub verleitet. Jetzt, sagst du, will ich arbeiten, später will ich Buße tun; in der Jugend will ich ruhen, sagst du, und im Alter büßen; heute will ich leben und lustig sein, sagst du, und morgen will ich fasten; jetzt, sagst du, will ich ausgelassen sein und später sittsam; jetzt will ich sammeln, sagst du, später will ich austeilen an die Armen. — — — —
Das sind die Listen des Feindes, wodurch er uns betrügt und ins Verderben stürzt, indem wir es Jahr um Jahr so machen und die Ausübung des Guten von einem Zeitpunkt auf den andern hinaussetzen.
