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Celsus ist nämlich zuerst der Ansicht, „Donner, Blitz und Regen seien keine Werke Gottes “, wobei er sich schon deutlicher als Epikureer zeigt; dann sagt er zweitens: „Wollte man auch zugeben, dass diese Dinge Werke Gottes seien, so sind sie doch nicht mehr für uns Menschen zur Nahrung bestimmt als für die Gewächse, die Bäume, Gräser und Disteln“, wobei er als echter Epikureer annimmt, dass diese Dinge ein Werk des Zufalls und nicht ein Werk der Vorsehung seien. Denn wenn sie „den Gewächsen, den Bäumen, Gräsern und Disteln“ ebenso nützlich sind wie „uns“, so ist klar, dass sie überhaupt nicht das Werk einer Vorsehung sind, oder einer Vorsehung, die „für uns nicht mehr“ sorgt als „für Bäume, Gräser und Disteln“. Beide Annahmen sind ohne weiteres gottlos; und es wäre töricht, wollten wir einen Gegner widerlegen, der uns den Vorwurf „der Gottlosigkeit“ macht und dabei solche Behauptungen aufstellt. Denn aus dem Gesagten ist für jedermann klar, wer „der Gottlose “ ist. Celsus fährt dann fort: „ Und wenn du sagst, dass diese Dinge - nämlich die Gewächse, S. 397 die Bäume, Gräser und Disteln - für die Menschen wachsen, warum willst du dann behaupten, dass sie für die Menschen eher wachsen als für die wildesten unvernünftigen Tiere?“ Celsus möge doch nun geradeheraus erklären, dass nach seiner Meinung diese große Mannigfaltigkeit der Gewächse auf Erden kein Werk der Vorsehung sei, sondern dass irgendein Zusammentreffen von Atomen diese so zahlreichen Arten und Gattungen geschaffen habe, und dass es ein Werk des bloßen Zufalls sei, wenn so viele Arten von „Pflanzen und Bäumen und Gräsern“ Ähnlichkeit miteinander haben, und dass kein kunstverständiger Geist sie ins Dasein gerufen habe, und dass sie ihr Dasein nicht einer Vernunft verdanken, die über alle Bewunderung erhaben ist.
Wir Christen aber, die nur den einen Gott als den Schöpfer dieser Dinge verehren, wir wissen ihm auch dafür Dank, dass er sie geschaffen und uns und unsertwegen auch den Tieren, die uns dienen, einen so herrlichen Wohnplatz zubereitet hat. „Er läßt Gras wachsen für das Vieh und Pflanzen zum Dienste der Menschen um Brotkorn aus der Erde hervorzubringen, und dass der Wein erfreue des Menschen Herz, und dass das Antlitz sich erheitere am Öl, und dass Brot stärke des Menschen Herz“1 . Wenn Gott aber auch „den wildesten Tieren Nahrung“ zubereitet hat, so ist daran nichts Auffallendes. Denn diese unvernünftigen Wesen sind, wie auch andere Philosophen gesagt haben, für die vernünftigen der Übung wegen geschaffen worden. Einer von unseren Weisen sagt irgendwo: „Sprich nicht: Was ist dieses, wozu dient dieses? denn alles ist zu ihrem Nutzen geschaffen“; und „Sprich nicht: Was ist dieses, wozu dient dieses? Denn alles wird zu seiner Zeit erforscht werden“2 .
