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Wenn es aber nötig ist, so wollen wir noch eine zweite Weissagung anführen, die sich unseres Erachtens deutlich auf Jesus bezieht, nämlich die, welche viele, viele Jahre vor der Ankunft Jesu von Moses aufgezeichnet worden ist. Dieser berichtet, Jakob habe vor seinem Hinscheiden jedem seiner Söhne eine Weissagung gegeben und da zu Juda unter anderem folgendes gesagt: „Nicht wird ausbleiben ein Herrscher aus Juda, noch ein Führer von seinen Lenden, bis das kommt, was ihm aufbewahrt ist.“1 Wenn jemand diese Prophezeiung liest, die in Wirklichkeit viel älter ist als Moses, von der aber ein Ungläubiger argwöhnen könnte, S. 73 sie sei von Moses ausgesprochen, so dürfte er sich wohl wundern, wie dieser voraussagen konnte, dass die Könige der Juden, die künftigen Beherrscher des Volkes, aus dem Stamme Juda hervorgehen würden, da es doch zwölf Stämme unter ihnen gäbe, und dass deshalb auch das ganze Volk nach dem herrschenden Stamme „Juden“ genannt werden sollte. Und zweitens dürfte dem verständigen Leser dieser Prophezeiung an ihr auffallen, wie Moses nach der Verkündigung, dass die Herrscher und Führer des Volkes aus dem Stamme Juda sein würden, auch das Ende dieser Herrschaft in den Worten bestimmte: „Es werde nicht ausbleiben, ein Herrscher aus Juda, noch ein Führer von seinen Lenden“, „bis das kommt, was ihm aufbewahrt ist; und er ist die Erwartung der Völker“. Denn es „kam, dem es aufbewahrt ist“, der Gesalbte Gottes, „der Herrscher“, von dem die göttlichen Verheißungen reden. Und offenbar ist er allein von allen, die vor ihm kamen, und auch, wie ich zuversichtlich behaupten möchte, von allen, die nach ihm kommen werden, „die Erwartung der Völker“. Denn aus allen Völkern stammen sie, die durch ihn an Gott glauben, und auf seinen Namen haben die Völker ihre Hoffnung gesetzt nach dem Worte des Jesaja, welcher sagt: „Auf seinen Namen werden die Völker hoffen.“2 Er ist es auch, der zu „den Gefangenen“ insofern „ein jeder durch die Ketten seiner eigenen Sünden gefesselt wird“3, das Wort gesprochen hat: „Gehet heraus“, und zu denen, die sich in (der Nacht) der Unwissenheit befanden, die Mahnung, „ans Licht zu kommen“4. Solches aber ist vorausgesagt in den Worten: „Und ich habe dich gegeben zum Bunde der Völker, um das Land aufzurichten und die Erbschaft des verwüsteten Gebietes anzutreten und den Gefangenen zu sagen: Gehet heraus, und denen in der Finsternis: Kommt ans Licht!“5 Man kann auch sehen, dass bei der Erscheinung Jesu an den in frommer Einfalt Glaubenden überall S. 74 auf der Erde das Wort erfüllt wird: „Und an allen Straßen ist ihr Weidegrund.“6
