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Werke Athanasius von Alexandrien (295-373) Epistulae ad Serapion Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (BKV)
Vierter Brief

6.

Wenn ihr nämlich, weil der Geist, wie erwiesen, kein Geschöpf ist, fragt: Ist also der Geist Sohn? so bleibt euch, weil ihr wißt, daß der Sohn kein Geschöpf ist — durch ihn wurden ja die Geschöpfe geschaffen —, nur noch zu fragen übrig: Also ist der Sohn Vater? Oder auch in folgender Weise: Der Geist also ist der Sohn und der Sohn hinwiederum ist der Heilige Geist? Wenn sie indes solche Ansichten hegen, werden sie außerhalb der heiligen Trinität stehen und für Gottesleugner gehalten werden, weil sie den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes ändern und ihn nach eigenem Belieben in der gleichen Bedeutung wie beim menschlichen Ursprungsverhältnis gebrauchen, indem sie von Enkeln und Großvätern reden und sich die heidnische Theogonie neu erdichten. Aber nicht das ist der Glaube der Kirche, sondern, wie der Heiland sagte, der Glaube an den Vater, an den Sohn und den Heiligen Geist; an den Vater jedoch, der nicht Großvater, an den Sohn, der nicht Vater genannt werden kann, und an den Heiligen Geist, der nicht anders als so genannt wird. Über diesen Glauben darf man nicht abwechselnd auf verschiedene Weise reden; der Vater ist vielmehr immer Vater, der Sohn immer Sohn und der Heilige Geist immer Heiliger Geist und wird immer so genannt. Denn für menschliche Verhältnisse gilt das nicht, wenn auch die Arianer sich solches einbilden. Wie nämlich geschrieben steht: „Nicht wie ein Mensch ist Gott"1, so kann man auch sagen: Nicht wie Gott sind die Menschen. Bei den Menschen ist nämlich der Vater nicht immer Vater und der Sohn nicht immer Sohn; denn der erstere wird zwar Vater eines Lohnes, ist aber selbst eines anderen Sohn gewesen; auch der S. 478 Sohn ist zwar Sohn eines Vaters, wird aber eines anderen Vater. Abraham z. B. war der Sohn Nachors2 und wurde der Vater Isaaks; und Isaak war der Sohn Abrahams und wurde der Vater Jakobs. Jeder nämlich wird zwar als Sohn geboren, weil er ein Teil des Erzeugers ist, wird aber auch selbst weder eines anderen Vater. Bei der Gottheit aber verhält es sich nicht so, da Gott nicht wie ein Mensch ist. Der Vater stammt nämlich nicht aus einem andern Vater; deshalb zeugt er auch keinen (Sohn), der eines andern Vater werden soll. Der Sohn aber ist auch nicht ein Teil des Vaters; daher ist er keine Zeugung, um wieder einen Sohn zu zeugen. Weil nun in der Gottheit allein der Vater im uneingeschränkten Sinn und einzig Vater ist, ist er, war er und wird er immer sein. Auch der Sohn ist im uneingeschränkten Sinn und einzig Sohn. Darauf beruht es auch, daß der Vater immer Vater und der Sohn immer Sohn ist und so genannt wird. Auch der Heilige Geist ist immer Heiliger Geist; und wir glauben, daß er Gott ist und vom Vater durch den Sohn gegeben wird. Denn so bleibt die heilige Trinität unveränderlich, in einer Gottheit erkannt. Wer demnach fragt: Ist also der Geist Sohn? der bildet sich ein, daß der Name geändert werden könne, und schafft sich selbst eine wahnwitzige Vorstellung. Und wer fragt: Ist also der Vater Großvater? Der erdichtet sich für den Vater einen Namen und irrt in seinem Herzen. Es ist demnach nicht unbedenklich, noch weiter auf die Unverschämtheit der Ketzer zu antworten; denn das heißt gegen die apostolische Weisung handeln; es ist vielmehr angezeigt, der Weisung des Apostels gemäß zu raten.


  1. Num. 23,19. ↩

  2. Hier läuft Athanasius ein Versehen unter; Abrahams Vater hieß Thare, wie übrigens Athanasius Epist. ad Serap. 1, 16 selbst richtig schreibt. ↩

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Vier Briefe an Serapion v. Thmuis (BKV)
Kommentare zu diesem Werk
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