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Werke Johannes Klimakos (6. –7. Jh.) Epistulae Briefe
Johannes Klimakos (6. –7. Jh.)
Briefe
(Epistulae)

Brief des heiligen Johannes, Abt des Klosters Raithus, an den heiligen Johannes, den bewunderungswürdigen Mann, Abt des Klosters auf dem Berge Sinai (Klimakus)

Dem vortrefflichsten, engelreinen Manne, dem Vater der Väter, und ausgezeichneten Lehrer, wünscht Johannes der Sünder, Vorstand des Klosters Raithus, alles Heil in dem Herrn.

Da uns, die wir unter die Letzten der Menschen gehören, dein Gehorsam, ohne Vorwitz und Neugierde, in dem Herrn wohl bekannt ist, und besonders dir vom Himmel eine Gnade verliehen ist, deren Früchte man nicht ungesammelt lassen darf; so haben wir es gewagt, eine unterthänigste Bittschrift auszufertigen, und die demüthige Bitte an dich gelangen zu lassen, jenen Ausspruch des Propheten im Geiste erwägend: Frage deinen Vater, er wird dir’s verkünden, deine Ahnen, sie werden dir’s sagen. Deut. 32,7.: Du möchtest uns bei deiner ausgezeichneten Tugend, deren Gipfel du erstiegen, als unser gemeinschaftlicher Vater, und trefflichster Lehrer, der auf der Bahn des geistlichen Lebens alle Väter an Einsicht, Uebung, Erfahrung und Geisteskraft übertrifft, auf unsere innigste Bitte, die wir an dich gesendet, in unserer Unwissenheit schriftlich belehren, was du nach dem Beispiele des alten Moses, da dich Gott auf selbem Berge der Gnade seiner göttlichen Anschauung gewürdiget hat, gesehen hast, und welche Tafeln des göttlichen Gesetzes, aufgezeichnet in deinem Buche, das bestimmt ist, uns zu belehren, gleichsam als neue Israeliten, die erst dem geistigen Aegypten der Welt, und den Meeresfluthen des sturmbewegten Lebens entronnen sind, von Ihm empfangen hast. Deiner göttlichen Zunge dich wie eines Stabes bedienend hast du mit Gotteshilfe so Wundervolles gethan. Du also, ein so sicherer Führer aller derjenigen, die diese himmlische Laufbahn des geistlichen Lebens betreten, (du weißt, daß wir mit diesen Worten keine Schmeichelei verbinden) du wirst auf unsere Bitte keine abschlägige Antwort geben, nämlich: alle deine Kenntnisse in dem Herrn, die die Zucht des geistlichen Lebens, und den Dienst und die Pflicht fördern, die zur Erlangung des ewigen Heiles gehören, uns schriftlich mitzutheilen. Du weißt, ehrwürdiger Mann! daß wir einen Abscheu ob aller Schmeichelei haben, und nur das sagen, was ist, was alle offen sehen und rühmen. Deßhalb haben wir die zuversichtliche Hoffnung in dem Herrn, du werdest sobald als möglich dieses Werk bearbeiten, und unserer sehnlichen Erwartung, wie unserem Wunsche entgegenkommen in der Anfertigung der Tabellen, worin du alle Gebote des geistlichen Lebens beschreibst, die diejenigen, die ihnen genau und pünktlich nachkommen, ohne Abweg auf dem wahren Pfade des Heiles führen, und jene, die nach dem Himmel trachten, wie gleichsam auf den Stufen einer Leiter, die sich bis zum Eingang, und den Pforten des Himmels erstrecken, über die Geister der Bosheit, und die Regenten der Welt, und Fürsten dieser Finsternisse, und Mächte der Luft über alle Gefahr erheben, retten, und sicher führen, und hinliefern. Denn wenn Jakob, der nur ein Schafhirt war, den furchtbaren Anblick auf der Leiter betrachtet hat, um wie vielmehr wird der Lehrer der vernünftigen Heerde nicht nur das, was er gesehen, erklären, sondern auch durch die That und in der Wahrheit allen den sichern Weg zu Gott zeigen. Lebewohl Vater, du Verehrungswürdigster in dem Herrn!

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