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Werke Tertullian (160-220) Adversus Marcionem

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Fünf Bücher gegen Marcion

2.

[1] Nun hast du von uns eine fertige Antwort auf die »Antithesen«. Ich gehe jetzt zum Nachweis über das Evangelium über — freilich nicht das jüdische, sondern das pontische, das einstweilen verfälschte —, um die Ordnung vorzubereiten, die wir angehen. Wir stellen zuerst fest, dass die evangelische Urkunde die Apostel zu Urhebern hat, denen dieses Amt, das Evangelium zu verbreiten, vom Herrn selbst auferlegt worden ist. Wenn auch apostolische Männer, so doch nicht sie allein, sondern zusammen mit den Aposteln und nach den Aposteln; denn die Verkündigung von Schülern könnte in den Verdacht der Ruhmsucht geraten, wenn ihr nicht die Autorität der Lehrer beistünde, ja die Christi, der die Apostel zu Lehrern gemacht hat. [2] Uns also vermitteln den Glauben von den Aposteln her Johannes und Matthäus, von den apostolischen Männern her erneuern ihn Lukas und Markus, die von denselben Regeln ausgehen, soweit es den einen Gott, den Schöpfer, und seinen Christus betrifft, geboren aus der Jungfrau, die Erfüllung von Gesetz und Propheten. Denn mag die Anordnung der Erzählungen abweichen, wenn nur über das Haupt des Glaubens Einigkeit besteht — worin mit Marcion keine Einigkeit besteht. [3] Marcion dagegen schreibt seinem Evangelium keinen Urheber zu, als sei es ihm nicht erlaubt gewesen, auch noch einen Titel zu erdichten, dem es nicht als Frevel galt, den Leib selbst umzustürzen. Und ich könnte hier schon Halt machen und behaupten, ein Werk sei nicht anzuerkennen, das die Stirn nicht erhebt, das keine Festigkeit vor sich her trägt, das keinen Glauben verspricht durch die Vollständigkeit des Titels und das schuldige Bekenntnis eines Urhebers. [4] Doch wir wollen lieber in allem den Kampf aufnehmen und verhehlen nicht, was sich aus dem Unsrigen erkennen lässt. Denn aus den Berichterstattern, die wir haben, scheint Marcion den Lukas ausgewählt zu haben, um ihn zu zerhauen. Nun aber ist Lukas kein Apostel, sondern ein apostolischer Mann, kein Lehrer, sondern ein Schüler, jedenfalls geringer als sein Lehrer, gewiss um so viel später, als er der Anhänger eines späteren Apostels ist, nämlich des Paulus ohne Zweifel — sodass, selbst wenn Marcion sein Evangelium unter dem Namen des Paulus selbst eingeführt hätte, die Einzelheit einer Urkunde ohne den Schutz der Vorgänger für den Glauben nicht genügte. [5] Denn man würde auch jenes Evangelium fordern, das Paulus vorfand, dem er Glauben schenkte, mit dem er alsbald das seine in Übereinstimmung zu bringen wünschte — da er ja eben deshalb nach Jerusalem hinaufzog, um die Apostel kennenzulernen und zu befragen, damit er nicht etwa vergeblich gelaufen sei, das heißt: damit er nicht anders geglaubt hätte als sie und nicht anders verkündigte als sie. Schließlich reichten sie sich, nachdem er sich mit den Urhebern besprochen und über die Glaubensregel Einigkeit erzielt hatte, die Rechte, und von da an teilten sie die Ämter der Verkündigung: jene für die Juden, Paulus für Juden und Heiden. Wenn also der Erleuchter des Lukas selbst die Autorität seiner Vorgänger für seinen Glauben und seine Verkündigung wünschte — wie viel mehr muss ich sie für das Evangelium des Lukas fordern, die schon für das Evangelium seines Lehrers notwendig war?

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Adversus Marcionem

2.

[1] Habes nunc ad Antitheses expeditam a nobis responsionem. Transeo nunc ad evangelii, sane non Iudaici sed Pontici, interim adulterati demonstrationem, praestructuram ordinem quem aggredimur. Constituimus inprimis evangelicum instrumentum apostolos auctores habere, quibus hoc munus evangelii promulgandi ab ipso domino sit impositum. Si et apostolicos, non tamen solos, sed cum apostolis et post apostolos,^1 quoniam praedicatio discipulorum suspecta fieri posset de gloriae studio, si non adsistat illi auctoritas magistrorum, immo Christi, quae magistros apostolos fecit. [2] Denique nobis fidem ex apostolis Ioannes et Matthaeus insinuant, ex apostolicis Lucas et Marcus instaurant, isdem regulis exorsi, quantum ad unicum deum attinet creatorem et Christum eius, natum ex virgine, supplementum legis et prophetarum. Viderit enim si narrationum dispositio variavit, dummodo de capite fidei conveniat, de quo cum Marcione non convenit. [3] Contra Marcion evangelio, scilicet suo, nullum adscribit auctorem, quasi non licuerit illi titulum quoque affingere, cui nefas non fuit ipsum corpus evertere. Et possem hic iam gradum figere, non agnoscendum contendens opus quod non erigat frontem, quod nullam constantiam praeferat, nullam fidem repromittat de plenitudine tituli et professione debita auctoris. [4] Sed per omnia congredi malumus, nec dissimulamus quod ex nostro intellegi potest. Nam ex iis commentatoribus quos habemus Lucam videtur Marcion elegisse quem caederet. Porro Lucas non apostolus sed apostolicus, non magister sed discipulus, utique magistro minor, certe tanto posterior quanto posterioris apostoli sectator, Pauli sine dubio, ut et si sub ipsius Pauli nomine evangelium Marcion intulisset, non sufficeret ad fidem singularitas instrumenti destituta patrocinio antecessorum. [5] Exigeretur enim id quoque evangelium quod Paulus invenit, cui fidem dedidit,^2 cui mox suum congruere gestiit, siquidem propterea Hierosolymam ascendit ad cognoscendos apostolos et consultandos, ne forte in vacuum cucurrisset, id est ne non secundum illos credidisset et non secundum illos evangelizaret. Denique ut cum auctoribus contulit, et convenit de regula fidei, dextras miscuere, et exinde officia praedicandi distinxerunt, ut illi in Iudaeos, Paulus in Iudaeos et in nationes. Igitur si ipse illuminator Lucae auctoritatem antecessorum et fidei et praedicationi suae optavit, quanto magis eam evangelio Lucae expostulem, quae evangelio magistri eius fuit necessaria?

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