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Werke Victricius von Rouen (330-407) De laude sanctorum Das Lob der Heiligen

VIII.

Eine andere ist, Geliebteste, die Unsterblichkeit, die ohne Empfängnis der Hinfälligkeit immerwährend ist. Eine andere, die durch Freigebigkeit gewährt wird. Wir aber können nicht leugnen, daß den Aposteln und Märtyrern die Unsterblichkeit geschenkt ist. Aber jenes nehmen wir an, daß es nach der erlangten Göttlichkeit nichts gibt, was die Dreieinigkeit von der Darbringung der Heiligen trenne; denn die Wahrheit [Col. 0450B] der Dreieinigkeit selbst hat sie hervorgebracht. Denn notwendig ist zu bekennen, daß Gottes Natur voll und vollkommen ist. Andernfalls geschieht Unrecht, wenn wir leugnen, da der Herr sagt: Wer mich und meine Worte vor den Menschen verleugnet, den werde auch ich verleugnen vor meinem Vater und seinen Engeln. Hinzu kommt, daß die Fülle nichts darüber hinaus aufnimmt. Das Blut aber entzündet sich nach dem Martyrium durch den Lohn der Göttlichkeit. Es weiche also das Unrecht der Unterscheidung, da dasselbe Band des Glanzes besteht. Ich gehe, sagt er, zu meinem Vater und zu eurem Vater. Ihr seht also, Liebste, daß dies dem Vater und dem Sohn durch die Eigentümlichkeit der Natur gehört, was den Heiligen durch die Einheit der empfangenen Gabe gehört. Gott breitet sich weit und breit aus und verleiht sein Licht ohne Schaden seiner selbst. In welchem Teil auch immer ist er ganz, ganz Wahrnehmung, ganz Sehen, ganz Geist seiner selbst. Er kann also nicht nicht [Col. 0450C] vollkommen sein in den Aposteln, der vollkommen ist im Ganzen. Vielleicht ruft an dieser Stelle jemand aus und sagt: Also dies ist der Märtyrer, was die erste Tugend und die unbedingte und unaussprechliche Substanz der Gottheit ist? Ich sage, dasselbe sei es durch die Wohltat, nicht durch Eigentümlichkeit; durch Annahme, nicht durch Natur. Und so geschieht es, daß, wenn der große Tag gekommen sein wird, weder jener etwas erworben zu haben scheint, der die Herrschaft empfangen hat, noch jener etwas vermindert hat, der sie gegeben hat. Eines milden und gütigen Schiedsrichters ist es, zuvor zu verkünden, wovor du dich hüten sollst. Siehe, gleichsam mit dem vorangetragenen Licht ihrer Reliquien zeigen sie uns den Pfad der Wahrheit. Sie lehren Ehrfurcht, Glauben, Klugheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Eintracht, Enthaltsamkeit, Keuschheit, indem sie in den besessenen Leibern das, was diesen entgegengesetzt ist, bestrafen und die Makel der Laster entfernen. Aber diese Barmherzigkeit [Col. 0450D] und diese Lehrbegierde, diese Reichtümer der Reliquien schließlich und diese feurigen Strahlen des Lichtes haben sie in sich; auch wenn sie begonnen haben, unsere Vergehen abzuwägen. Eines guten Königs ist es, ohne Gunst zu richten. Dort wird reine Wahrheit gefunden, wo keine Neigung des Erkennenden zu einer Seite ist. Wir aber werden von ebendiesen Wohltaten unterstützt, deren wir uns jetzt bedienen. Also wird in eins gleichsam wie zu einem Haufen alle Güte der Heiligen, die jetzt ausgebreitet ist, gesammelt werden, damit sie ohne Gunst, ohne das Unrecht der Berufung das Zepter des Richtenden halten. Die Sünden sind Finsternis, das Licht ist die Unschuld. Notwendig ist es also, daß der Kerker der Finsternis erscheint, [Col. 0451A] wenn das, was des Lichtes ist, beginnt, von sich in sich zurückzukehren.

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