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Bibliothek der Kirchenväter
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Œuvres Salvien de Marseille (405-451) Des Timotheus vier Bücher an die Kirche (BKV)
III. Buch

12. Zu spät kommt jegliche Reue nach dem Gericht

Daran mögen also die Reichen denken, die sich nicht entschließen können, sich mit ihrem Vermögen von solchen Leiden loszukaufen. Reich war jener, von dem wir gerade sprachen; reich sind auch die, zu denen wir jetzt sprechen. Sie tragen die gleiche Bezeichnung; sie sollen sich hüten, auch in die gleiche Lage zu kommen! Denn nicht werden die reichen Söhne ihre schuldigen Eltern befreien; und ein vermöglicher Erbe wird mit all dem Überfluß seines Wohllebens die Flammen, in denen der unglückliche Erblasser weilt, nicht auslöschen. Wohl ist es hart, wenn jemand seinen Kindern und Verwandten zu wenig hinterläßt: aber noch viel härter ist die Pein in der Ewigkeit! Ich glaube nämlich, daß jenen Reichen in seiner Qual die Schätze seines Erben nicht in S. 345 dem Maße freuen konnten, wie ihn die Foltern seines Leibes ängstigten; daß es ihm nicht so viel Freude machte, daß sein Erbe ein gutes Mahl halten konnte, als es ihn bedrückte, daß er selbst so fürchterlich gequält wurde; - daß es ihn nicht so sehr freute, daß sein Erbe in auserlesenen Genüssen schwelgte, als es ihn ängstigte, daß er selbst in unerträglicher Glut welkte; - daß es ihn nicht so freute, wenn sein Erbe Parasiten und Schlemmer mit seinem Besitztum fütterte, als es ihn peinigte, daß er selbst mit seinem Mark die Flammen nähren mußte. Und ich glaube: wenn ihm damals einer die Wahl freigestellt hätte, ob er lieber seine Erben im Reichtum oder sich ohne Elend und Qual wissen wolle - wahrlich er hätte sicher lieber jene völlig enterbt, wenn er nur von all seinen Leiden erlöst worden wäre; er hätte lieber all seinen Besitz hingegeben, wenn er nur dem entronnen wäre, was er nun erdulden mußte; er hätte sein ganzes großes Vermögen und alle vergänglichen Schätze Goldes und Silbers für sich geopfert, nur um jene immerwährenden, ewigen Martern und jene unaufhörliche Glut, wenn er es irgendwie vermöchte, durch die darauf geworfene Masse seines Reichtums auszulöschen und die ihn allenthalben umlodernden Feuerwogen durch die unermeßliche Fülle seiner Besitztümer zurückzudämmen. Was sage ich? Er habe das alles gewollt, um sich von jenem grenzenlosen Unheil durch sein Vermögen loszukaufen? Nein, ich muß noch mehr sagen: Er hätte gerne all seine reiche Habe hingegeben, nur um damit mitten in den Flammen auch nur ein einziges Stündlein der Ruhe zu erlangen! Denn wenn er schon zur Erquickung seiner brennenden Kehle sich nach dem angefeuchteten Finger des Armen sehnt, wie hätte er nicht um jeglichen, auch noch so hohen Preis sich eine Rast erkauft, da er doch schon einen einzigen Tropfen Labe mit solcher Inbrunst verlangte? Aber was nützte dies alles? Was half es nun dem Unglücklichen, daß er jetzt alles für sich opfern wollte, S. 346 nachdem er es vorher nicht gewollt? Oder was nützte es ihm jetzt, daß er alles zu verschenken wünschte, was er schon verloren hatte, er, der zu der Zeit, da er noch alles hatte, nichts für sich hatte hingeben wollen? Wahrlich, zu spät kommt, wie der Heilige Geist in der Schrift sagt, zu spät kommt die Reue der Toten. "Gibt es doch„, sagt das göttliche Wort zu Gott dem Vater, „gibt es doch im Tode keinen, der deiner gedenkt; in der Unterwelt, wer kann dir da bekennen?“ 1So wird bezeugt, daß der tote Sünder gänzlich von einem Bekenntnis seiner Sünden ausgeschlossen ist, und daß keiner später Gottes eingedenk sein kann, der in diesem Leben seiner vergessen hat. Ja, es gibt nur einen Weg des Heils für den Schuldigen, nämlich Gott mit Bitten zu bestürmen und unaufhörlich seine Barmherzigkeit anzuflehen; aber einem solchen Sünder ist jegliche Hoffnung so völlig abgeschnitten, so fest jeder Zugang des Lebens verriegelt, daß ihn auch noch die Strafe eines tödlichen Vergessens trifft: ihm bleibt nicht einmal mehr das Gedenken an Gott, von dem er Heil erhoffen müßte! Daran sollen also jene denken, die, nur weil sie nach dem Tode reiche Kinder zu haben wünschen, sich nicht einmal im Tode an das künftige Strafgericht erinnern! Daran sollen jene denken, die, nur um in diesem vergänglichen, kurzen Leben reiche Erben zu haben, sich selbst zu ewigem Tode verurteilen! Auf diese Art ist ihre Liebe zu jenen geringer als ihr Haß gegen sich selbst; denn eine Liebe, die nur auf kurze Zeit vorsorgt, ist nicht so heilsam, als der Haß mächtig ist, der Foltern schafft für alle Ewigkeit. Und daher befiehlt auch unser Gott - wir haben es schon im ersten Buche gesagt 2 - den Eltern, für ihre Kinder nicht Geld, sondern sittliche Zucht anzuhäufen; er heißt sie Ewiges, nicht Hinfälliges sammeln. Ein solcher Besitz, ein so heiliges Werk nützt ja Gleichermaßen den Kindern wie den Eltern: den Kindern werfen ihrer Erziehung zu sittlicher Zucht, den El- S. 347 tern wegen ihrer Freigebigkeit und Wohltätigkeit. Und den Kindern gewährleistet die sittliche Zucht die Erlangung des ewigen Heils, den Eltern aber ihre Wohltätigkeit die Erlösung vom ewigen Tod,


  1. Ps. 6. 6 ↩

  2. Lib. I 21 ↩

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