19. Daß die Geister Nichts gegen die Menschen vermögen, wenn sie nicht zuvor von deren Geist Besitz genommen haben.
Als diese nun in ihrer Verwunderung eilig zum Abte S. a529 Antonius gekommen waren und die Größe ihrer Feindseligkeit, sowie deren Ursachen und all die Nachstellungen ihres geheimen Neides ihm kund gethan hatten, verlangten sie sogleich Christen zu werden. Nachdem er sie nun um den Tag der eingestandenen Nachstellungen gefragt hatte, offenbarte er ihnen, daß er damals durch die schmerzlichsten Stacheln der Gedanken gepeinigt worden sei. Durch diese Erfahrung bewährte und bestätigte der hl. Antonius unsere Lehre, die wir gestern in der Unterredung vortrugen, daß die Teufel keineswegs in Geist oder Leib irgend eines Menschen eindringen und keine Macht haben können, in irgend eine Seele vollständig einzubrechen, wenn sie dieselbe nicht zuerst aller heiligen Gedanken beraubt und von der geistigen Betrachtung leer und bloß gemacht haben. Man muß aber wissen, daß die unreinen Geister den Menschen auf zwei Arten gehorchen: entweder werden sie der Heiligkeit der Gläubigen durch Gottes Gnade und Kraft unterworfen, oder sie sind den Gottlosen, durch deren Opfer und Zaubergesänge geschmeichelt, wie Freunden zu Willen. Durch diese Meinung betrogen glaubten die Pharisäer, daß auch unser Herr und Erlöser mit solcher Kunst über die Teufel herrsche, und sagten: „Ja Beelzebub, dem Obersten der Teufel, treibt Dieser die Teufel aus.“ Sie kannten ja die Gewohnheit ihrer Magier und Zauberer, den Namen von Jenem anzurufen und die als ihm angenehm und erfreulich bekannten Opfergebräuche anzuwenden, um so gleichsam als seine Hausgenossen Gewalt zu haben über die ihm untergebenen Teufel.
