5. Antwort, daß eine unaufhörliche Freundschaft nur unter Vollkommenen bestehen könne.
Joseph: Gerade deßhalb haben wir gesagt, daß die volle und vollkommene Freundschaftsgunst nur unter vollkommenen Männern von gleicher Tugend Bestand haben könne, bei welchen derselbe Wille und das gleiche Ziel entweder nie oder doch selten duldet, daß sie verschiedener Ansicht sind oder in dem, was zum Fortschritt des geistlichen Lebens gehört, von einander abweichen. Wenn sie anfangen, sich in lebhaften Streitreden zu erhitzen, so ist klar, daß sie nie nach der von uns oben angeführten Regel einträchtig waren. Weil aber Niemand den Anfang der Vollkommenheit haben kann, wenn er nicht von ihrer Grundlage ausgeht, und weil ihr nicht fraget, welches ihre Größe sei, sondern wie man zu ihr gelangen könne, so halte ich es für nöthig, euch in Kurzem eine Regel derselben und einen Pfad zu zeigen, auf welchem eure Schritte die rechte Richtung bekommen, so daß ihr den Schatz der Geduld und des Friedens leichter erlangen könnet.
