20. Daß die Abspannung bei der Ankunft von Brüdern nützlich sei.
S. b412 In Betreff jener so anmuthigen Einschaltung von Erholung und Menschenfreundlichkeit, welche zuweilen wegen Ankunft von Brüdern vorzukommen pflegt, höret nun mit Geduld in Kurzem, wie nützlich und heilsam sie sowohl für euere Körper als euern Geist sei, obwohl sie euch beschwerlich und fliehenswürdig scheint. Oft geschieht es, ich will nicht fassen den Neulingen und Schwachen, sondern selbst den Erfahrensten und Vollkommenen, daß ihr Geist, wenn seine Spannung und Strenge nicht durch gewisse erleichternde Wechselfälle gesänftigt würde, entweder selbst in Erlahmung fiele oder doch den Körper in eine gefährliche Krankheit brächte. Wenn daher selbst häufige Besuche von Brüdern kämen, so müßten sie von Klugen und Vollkommenen nicht nur geduldig ertragen, sondern sogar mit Dank angenommen werden; zuerst, weil sie uns anregen, immer inniger nach der Stille der Einsamkeit zu verlangen; denn während sie unsern Lauf zu unterbrechen scheinen, bewahren sie ihn gewissermaßen in seiner Unermüdlichkeit und Beständigkeit. Würde er aber nicht zuweilen durch irgend ein Hinderniß gehemmt, so könnte er nicht mit ungeschwächter Ausdauer bis ans Ende ringen. Dann, weil sie uns gestalten, zugleich mit dem Verdienste der Menschenfreundlichkeit unsern Körper zu erfrischen und uns so bei der angenehmsten Erholung des Körpers größern Gewinn verschaffen, als wir durch die ermüdende Entsagung hätten erreichen können. Hierüber will ich kurz einen ganz passenden Vergleich anführen, wie er in einer alten Erzählung verbreitet ist.
