15. Auch gegen die Müssigen und Nachläßigen muß man die Nächstenliebe üben.
[Forts. v. S. 216 ] Nichts destoweniger will der heilige Paulus, wie ein überaus scharfsichtiger und besorgter Arzt, nicht bloß die Wunden des Kranken, sondern auch die Gesunden heilen. Um ihre Gesundheit dauernd bewahren zu können, empfiehlt er ihnen auf gleiche Weise entsprechende Vorschriften mit den Worten:1 „Ihr aber wollet nicht ablassen. Gutes zu thun.“ Ihr, die ihr uns d. i. unserm Wandel folgend den euch hinterlassenen Beispielen durch gleiche Uebung der Arbeit nachkommet und keineswegs der Trägheit und Unthätigkeit Jener folget, „wollet nicht ablassen, Gutes zu thun,“ d. h. eure Nächstenliebe unbeirrt an denselben auszuüben, wenn sie auch vielleicht unsere Worte zu beobachten versäumt haben. — Wie er also Jene, die krank waren, geheilt hat, damit sie nicht, durch Müssiggang erschlafft, der Unruhe und Neugierde sich hingäben, so ermahnt er die Gesunden im Voraus, ihre Nächstenliebe, die wir nach des Herrn Gebot Guten und Bösen erweisen sollen, falls einige Böse sich zur gesunden Lehre bekehren wollten, denselben nicht zu entziehen, sondern nicht aufzuhören, ihnen wohlzuthun und sie zu pflegen sowohl durch tröstende und zurechtweisende Reden, als durch die gewohnten Wohlthaten und Liebe.
II. Kor. 10, 13. ↩
