16. Nicht aus Haß, sondern aus Liebe muß man die Fehlenden zurechtweisen.
S. 217 Aus Furcht, es möchten Einige durch seine Milde veranlaßt werden, seinen Geboten den Gehorsam zu verweigern, verbindet er wiederum apostolische Strenge mit ihr: „Wenn aber Jemand meinem Worte nicht gehorcht, so gebt ihn mir in einem Briefe an und verkehrt nicht mit ihm, damit er beschämt werde.“ Bei der Ehrfurcht gegen ihn und bei dem Wohle Aller ermahnt er seine Schüler an ihre Pflichten und schärft ihnen ein, mit welcher Behutsamkeit sie die Gebote der Apostel beobachten müssen. Doch mit dieser nachdrücklichen Strenge verbindet er sofort die Milde eines ganz nachsichtigen Vaters und belehrt sie wie Söhne, welche Gesinnungen sie gegen die oben Bezeichneten um der Liebe Christi willen hegen müßten. „Jedoch erachtet ihn nicht als Feind, sondern weiset ihn zurecht als Bruder!“1 Mit der Strenge des Richters vereinigte er die Milde des Vaters, und den mit apostolischer Strenge gesprochenen Richterspruch mäßigte er mit gütiger Milde. Denn er befiehlt sogar Denjenigen zu bezeichnen, der seinen Geboten den Gehorsam verweigert habe, und den Umgang mit demselben zu meiden; und doch gebietet er, daß Dieß nicht aus Haß geschehen solle, sondern aus brüderlicher Liebe und zu seiner Besserung. „Gehet nicht mit ihm um,“ sagt er, „damit er beschämt werde“ — auf daß er, wenn er nicht durch meine Gebote sich bessern ließ, wenigstens durch gänzliche öffentliche Abgeschiedenheit von eurer Seite beschämt endlich zum Wege des Heils zurückzukehren beginne.
II. Kor. 10, 15. ↩
