29. Krieg Arschaks gegen seine Satrapen, Abreise Paps als Geissel nach Byzanz.
Von Neuem brach ein Aufruhr gegen Schapuh aus von Seiten jener Völkerschaften und wurde dafür den Griechen Ruhe gegönnt, so dass Ruhe und Aufruhr einander ausglichen; die Einen hatten Ruhe während des Aufruhres der Anderen, und diese hatten Ruhe während des Aufruhres jener; das Ende des Einen war der Anfang des Andern. Valentinian erkrankte inzwischen in einer kleinen Festung Namens Bergitium und schied S. 185 aus der Welt, worauf sein Bruder Valens die Herrschaft übernahm. Dieser schickte gleich nach seiner siegreichen Rückkehr aus einem sehr glücklichen Kriege mit den Gothen Truppen nach Mesopotamien und Armenien auf den Grund hin, dass aus diesen Ländern dem Schapuh Hilfstruppen gegeben worden waren.
Arschak kommt mit einem iberischen Heere an, versammelt auch noch seine wenigen Anhänger und bekriegt die Satrapen, um an diesen für seine Stadt Arschakavan Rache zu nehmen. Es vereinigen sich auch diese unter Führung des Nerseh, des Sohnes Kamsars, und stellen sich dem Arschak in einer Schlacht entgegen. In der Hitze des Kampfes fielen Viele von beiden Seiten; denn Männer standen Männern gegenüber und Keiner wollte eine Niederlage erleiden. Während dieser Lage der Dinge kommen auch die kaiserlichen Truppen an. Da sieht Arschak, dass Schapuh, Valens und seine Satrapen seine Feinde sind, und sendet von Allen verlassen mehrere Mal als Bittender nach dem grossen Nerses; er versprach alle seine bösen Wege zu verlassen, nach seinem Willen zu leben und in Sack und Asche Busse zu thum, wenn er nur kommen, Frieden schliessen und ihn aus den Händen der griechischen Truppen befreien wollte. Auf dieselbe Weise kamen auch von Seiten der Satrapen nach einander zahlreiche Bitten in Bezug auf denselben Gegenstand. Auch die Bischofe versammelten sich und beschworen ihn doch nicht unbekümmert um den Verlust seiner Stellung zu sein.
Endlich gab der grosse Nerses nach und begab sich mitten unter sie und brachte den Frieden zu Stande, da der König und die Satrapen auf ihn hörten, mit Ausnahme Meruschans, des Chefs der Ardsrunier, und seines Schwagers Wahan, des Mamikoniers, welche nicht auf ihn hörten, sondern als Rebellen zu Schapuh übergingen. Alle andern Satrapen bekräftigten mit einem Eide, dass, wenn der König von jetzt an sich ordentlich aufführe, sie ihm mit Aufrichtigkeit dienen wollten; das wurde zwischen ihnen vereinbart. Auch zu den griechischen Truppen begab sich der grosse Nerses und bat sie, dem Lande nichts S. 186 Böses mehr zuzufügen, sondern den Tribut zu nehmen und als Geissel den Sohn Arschaks, den Pap, mit den Söhnen aller Satrapen und dann zurückzukehren. Auf dieses geht der milde und grosse General Theodosius ein und kehrt zum Kaiser zurück mit den Geisseln, führt auch den grossen Nerses mit sich mit einem Briefe Arschaks, der folgendermassen lautete
Brief Arschaks an Valens.
„Von Arschak dem Könige Grossarmeniens und allen Satrapen des armenischen Volkes an ihren Herrn den Kaiser Valens Augustus und dessen Sohn Gratianus Gruss.
Setze dir, o Kaiser, nicht in den Kopf, dass wir aus Hass gegen dich revoltirt oder uns für mächtig haltend eine Räuberbande nach Griechenland gesandt haben, sondern wir haben, nachdem wir zur Kenntniss der grossen Verwirrung, welche in euerer Mitte entstanden war, gelangt waren, den Schapuh mit einem schwachen Heere unterstützt, weil wir Furcht vor ihm hatten, da ja Niemand uns seinen Händen entreissen konnte. Aber ich Arschak selbst marschirte nicht mit ihm, da ich die Treue gegen euch bewahrte; desshalb hat er unser Land verwüstet und die Bewohner gefangen genommen, ja sogar die Gebeine unserer Väter aus den Gräbern herausgegraben. Und nun glaubet unsern Gesandten, bewahret fest die frühere Liebe gegen uns, und wir werden euch den aufrichtigsten Gehorsam leisten.“ Allein Valens las den Brief nicht und liess auch den grossen Nerses nicht vor, sondern liess ihn verbannen und alle Geissel über die Klinge springen.