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S. 7 Doch der Heilige verachtete sie und kümmerte sich nicht um ihr Lärmen. Er öffnete die Tür des Tempels und ließ einen bescheidenen Spalt aufstehn und redete durch ihn mit den Leuten, die ihn zu besuchen kamen. Denn inzwischen hatte sich das Gerücht von ihm in jener Gegend verbreitet und scharenweise konnte man Männer, Weiber und Kinder zu dem Heiligen strömen sehn, um den wilden und unwegsamen Ort anzustaunen, der jetzt so friedlich dalag; wo vordem Dämonen tanzten und jetzt dank der Standhaftigkeit dieses Gerechten Tag und Nacht Christus gepriesen wurde.
Da das der Teufel sah, der neidische Feind alles Guten, ergrimmte er und gab den Klerikern des benachbarten Heiligtums des Erzengels Michael, einfältigen Menschen, solcherlei Gedanken ein: Ihr tut nicht Recht, wenn ihr den Mann da hausen laßt: die ganze Welt läuft ihm zu, und um euch kümmert sich niemand. Geht in die Stadt und meldet eurem Bischof: Da ist ein Mensch, woher er gekommen ist: wissen wir nicht, der hat sich in unserer Nähe eingeschlossen: er treibt sektiererisches Wesen und ist nicht rechtgläubig. Er ist ein Syrer von Abkunft und wir können nicht mit ihm reden. Das überlegten sie bei sich und gingen hinein und zeigten es dem zur Zeit amtierenden Bischof, dem seligen Anatolios von Konstantinopel 449 - 458 an. Aber der gab ihnen zur Antwort: Wenn ihr seine Sprache nicht versteht, woher wißt ihr denn, daß er nicht rechtgläubig ist? Laßt ihn nur! Ist er von Gott gesandt, wird er bestehen, ist er etwas anderes, wird er sich davon machen, ehe ihr ihn wegjagt. Macht uns und euch keine Ungelegenheiten. Damit entließ er sie, und sie verhielten sich eine Weile still.
Wie nun die Dämonen sahen, daß sie wiederum nichts
ausgerichtet hatten, stürmten sie gegen den Knecht Gottes an und kamen in Spukgestalten. Blanke Schwerter - so erzählte er - hielten sie in den Händen und schrieen: Wo bist du hergekommen, Mensch? Gib uns Raum! Wir wohnen schon lange hier! Willst du in Stücke gehackt werden? Und nun drangen sie - so berichtete er - wie mit Schwertern auf ihn ein, und dann riefen siewieder einander zu : Nein, nicht schlachten, herauschleifen wollen wir ihn und in den Strom werfen, wo wir das Schiff ersäuften: Und schon zerrten sie ihn - da stand der Knecht Gottes auf, betete und redete sie an : Jesus Christus mein Heiland, zu dem ich mich bekannt habe und an den ich glaube, S. 8 der wird euch in den tiefsten Abgrund stürzen. Da gab’s ein lautes Heulen und sie schwirrten um sein Antlitz wie eine Schar von Fledermäusen und schlugen mit den Flügeln und flogen zum Türspalt hinaus. So jagte er sie alle mit Christi Macht durch sein Gebet von dannen.
