3.
Dieser Weg sollte wider Erwarten beider Teile der Anfang grossen Unglücks und andrerseits auch grossen Glücks werden. Der Jüngling ging den Befehlen des Vaters gehorchend zu den Brüdern; als diese ihn von weitem kommen sahen, sprachen sie miteinander nichts gutes Verheissendes, wobei sie ihn nicht einmal mit seinem Namen benannten, sondern als „Traumseher" und „Träumer" und mit ähnlichen Ausdrücken bezeichneten; sie gingen in ihrem Groll so weit, dass zwar nicht alle, aber die Mehrzahl, seine Ermordung anrieten und, um nicht ertappt zu werden, daran dachten, nach der Tötung ihn in eine tiefe Grube zu werfen; es gibt nämlich in der Gegend viele Behälter für Regenwasser. Und beinahe hätten sie die grosse Blutschuld des Brudermordes begangen, wenn sie sich nicht durch die Mahnungen des ältesten (Bruders) hätten überreden lassen, der ihnen riet, nicht ein solches Verbrechen zu begehen, sondern ihn nur in eine der Gruben zu werfen; er gedachte aber im Herzen ihn zu retten, nach ihrem Weggange nämlich ihn herauszunehmen und ganz unversehrt zum Vater zu schicken. Nachdem sie zugestimmt hatten, ging er (der Älteste) an ihn heran und begrüsste ihn, die andern aber ergriffen ihn wie einen Feind, zogen ihm das Gewand aus und warfen ihn in eine der tiefen Gruben, das Gewand aber tauchten sie in das Blut eines Böckchens und schickten es dem Vater mit dem Vorgeben, dass er (der Jüngling) wohl von wilden Tieren zerrissen sei.
