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Works John Chrysostom (344-407) Epistula ad Innocentium papam et ad Olympiadem Briefe an Olympias und Papst Innocentius
An Olympias
Zweiter Brief.

9. Wie tief sind jene eitlen, gefallsüchtigen, angeblich gottgeweihten Jungfrauen gesunken!1

Doch ich sehe, daß die Vorliebe für diesen Mann, die mich beherrscht, mich zu weit von meinem Thema abgeleitet hat. Daher will ich nur noch Weniges hinzufügen und dann den Faden wieder aufnehmen. Selbst dieser große und vortreffliche Mann, der sich über so viele Drangsale der Natur zu erheben wußte, wagte sich an jene Kämpfe [des jungfräulichen Lebens] nicht heran, sondern genoß des Umgangs mit dem Weibe und wurde Vater vieler Kinder.

So viele Schwierigkeiten bietet das Leben im Jungfrauenstand, so groß und schwer sind seine Kämpfe, so drückend und anstrengend seine Beschwerden. Gleichwohl vermochten Manche, welche sich diesem Opferleben unterzogen hatten, jene andere Leidenschaft, die der Kleiderhoffart, nicht zu überwinden, sondern wurden davon gefangen und geknechtet mehr noch als weltliche Personen. Sage mir nicht, daß sie keinen Goldschmuck tragen, nicht in seidenen S. 497 und golddurchwirkten Kleidern erscheinen und keine mit Edelsteinen verzierten Halsbänder besitzen. Denn, was bei Weitem schlimmer ist, und was ihre Krankheit und die Übermacht ihrer Leidenschaft im höchsten Grade verräth: sie suchten es mit aller Gewalt und um jeden Preis dahin zu bringen, daß sie durch ihre ärmlichen Kleider den schöngeputzten, mit Gold behangenen und in Seide gehüllten Weibern den Rang abliefen und es an Liebenswürdigkeit zuvorthaten. Das war nach ihrer eigenen Ansicht ein ungefährliches Streben; allein, wie schon in der Natur der Sache liegt, vielmehr schädlich, verderblich und sehr unheilvoll. Daher sollte man dich aus diesem Grunde mit tausend Zungen preisen, daß du, wie die thatsächliche Wahrheit gezeigt hat, im Wittwenstande so leicht und sicher zu Stande gebracht hast, was den Jungfrauen so schwere und unglückliche Kämpfe bereitet hat. Denn ich muß nicht nur die unbeschreibliche, mehr als bettlermäßige Ärmlichkeit deiner Kleidung bewundern, sondern noch mehr das Ungesuchte und Ungekünstelte, das sich bei dir im Anzuge, in den Schuhen, im Gange verräth. Das sind Striche und Farben des Tugendgemäldes, welches die echte, christliche Weisheit deiner Seele im Äussern darstellt. „Der Anzug,“ heißt es, „das Lachen der Zähne, der Schritt seiner Füße machen das Innere des Menschen kund.“2 Denn hättest du nicht das irdische Gelüste nach weltlichem Gepränge mit aller Gewalt abgeworfen und unter die Füße getreten, dann würdest du dich nicht zu einer solchen Verachtung dieser Dinge erhoben, würdest jenen schweren Fehler nicht so mächtig niedergekämpft haben. Möge mich nur Niemand der Übertreibung zeihen, weil ich jenen Fehler als so schwer dargestellt habe. Denn, hatte diese Sünde schon bei weltlichen Personen, bei den Juden und in jener alten Zeit so scharfe Züchtigung zur Folge: wie werden dann Diejenigen S. 498 Nachsicht finden, welche sich in höherm Grade derselben Sünde schuldig machen, obgleich ihr Wandel im Himmel sein soll, obgleich sie zu einem engelgleichen Leben verpflichtet sind und unter dem Gesetze der Gnade und Liebe stehen? Wenn du eine Jungfrau in weichlicher Kleidung siehst, die ihr Gewand nachschleppt (was der Prophet ihnen tadelnd vorhält), sich eines zierlichen Ganges befleissigt, und durch Stimme, Blick und Anzug für Die, welche sie mit zuchtlosem Auge anschauen, den giftigen Becher mischt, für die Vorübergehenden mehr und mehr eine tiefe Grube gräbt und Fallstricke legt: wirst du diese Person in Zukunft noch eine Jungfrau nennen, und nicht vielmehr unter die feilen Dirnen rechnen! Denn diese letztern sind nicht einmal so verführerisch als jene sogenannten Jungfrauen, die in jeder Weise die Flügel der Sinnenlust ausspannen.

Darum preise ich dich glücklich, darum bewundere ich dich; denn allen diesen Klippen ausweichend, hast du auch in diesem Punkte gezeigt, daß du dir selbst abgestorben bist, indem du, statt dich zu zieren, frisch und muthig handelst, und statt mit Kleiderputz, mit Waffen dich versiehst.


  1. Vgl. c. 6. ↩

  2. Sir. 19, 27. ↩

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