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Works John Chrysostom (344-407) Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)
Achtunddreissigste Homilie.

II.

Nachdem er der vergangenen Zeit Erwähnung gethan, kommt er auch auf die gegenwärtige und spricht: „in welchem ihr auch feststehet,“ wodurch er ihnen zuvorkommt, daß sie es, wenn sie auch noch so sehr wollten, dennoch nicht zu läugnen vermögen. Und darum sagt er gleich Anfangs nicht: ich lehre euch, sondern: „Ich bringe euch in Erinnerung,“ was schon bekannt ist. „Wie aber sagt er, daß sie „feststehen,“ da sie ja wankten?“ Zu ihrem Besten stellt er sich, als wisse er’s nicht, wie er es auch im Briefe an die Galater macht, wiewohl auf andere Weise. Denn dort konnte er sich nicht unwissend stellen; er gab also der Rede eine andere Wendung und sprach: „Ich vertraue zu euch im Herrn, daß ihr keine andere Gesinnung haben werdet.“1 Er sagt nicht: daß ihr keine andere Gesinnung gehabt, denn ihr Fehler war offenkundig und eingestanden, sondern er macht sich Hoffnung für die S. 664 Zukunft; Wiewohl aber auch Dieses noch unsicher war, sucht er sie doch auf solche Art für sich zu gewinnen. Hier aber thut er, als wisse er Nichts von der Sache, und spricht: „in welchem ihr auch feststehet.“ Dann redet er von dem Vortheile: „durch welches ihr auch errettet werdet, … in welcher Weise ich es euch verkündiget habe.“ Was ich euch jetzt mittheile, will er sagen, diene euch nur zur Erklärung und weitern Auslegung; es ist nicht nöthig, daß diese Lehre euch erst gepredigt werde; ihr braucht euch nur daran zu errinnern und euch nach derselben zu richten. Das aber sagt er, um ein für alle Mal zu verhüten, daß sie unverschämt werden. Was heißt aber Das: „in welcher Weise ich es euch verkündiget habe?“ Das heißt: in der Weise, wie ich gelehrt habe, daß die Auferstehung geschehen werde. Ich kann mir nicht denken, daß ihr an der Auferstehung zweifelt; vielleicht aber wünschet ihr, daß ich euch das Gesagte näher erkläre. Auch Das will ich thun; denn ich bin ganz überzeugt, daß ihr die Lehre selbst festhaltet. Weil er aber mit Nachdruck gesagt hatte: „in welchem ihr feststehet,“ so sucht er sie, damit er sie dadurch nicht träger und läßiger machte, wieder einzuschüchtern, indem er spricht: „so ihr es festhaltet, es sei denn, daß ihr vergeblich geglaubt hättet,“ womit er anzeigt, daß sie in Betreff der Hauptlehre des Glaubens wankten, daß es sich nicht um gemeine und zufällige Dinge, sondern um den ganzen Glauben handle. Hier redet er noch zurückhaltend; in der Folge aber ruft er frei und mit Wärme aus und spricht: „Ist Christus nicht auferstanden, so ist eitel unsere Predigt, eitel ist auch euer Glaube,“2 ihr seid noch in euren Sünden. So drückt er sich im Anfang nicht aus; denn es war angemessen, langsam und allmälig weiter zu schreiten.

S. 665 3. Denn überliefert habe ich euch unter Aller-Erstem, was ich auch überkommen habe.

Er spricht hier nicht: ich habe euch „gesagt“; auch nicht: ich habe euch „gelehrt“, sondern er bedient sich wieder derselben Ausdrucksweise: „ich habe euch überliefert, was ich auch überkommen habe.“ Auch sagt er hier nicht, daß er „belehrt“ worden sei, sondern: „was ich überkommen habe.“ Dadurch beweist er zwei Dinge: daß man Nichts aus sich lehren dürfe, und ferner, daß sie durch den Erweis der Wunderwerke und nicht einfach durch Worte überzeugt worden seien. So sucht er nach und nach seine Worte zu bekräftigen, Alles auf Christus zurückzuführen und zu zeigen, keine dieser Lehren sei menschlichen Ursprungs. Was heißt aber Das: „Denn überliefert babe ich euch unter Aller-Erstem?“ Das heißt: Anfangs, und nicht erst jetzt. Hiemit ruft er die Zeit selbst zum Zeugnisse wider sie auf, und will sie damit besonders beschämen, daß sie, so lange schon gläubig, zu wanken anfangen. Und nicht bloß Das, sondern er will auch die Nothwendigkeit dieser Lehre beweisen: denn darum sei dieselbe unter dem Aller-Ersten und gleich Anfangs überliefert worden. Und was hast du denn überliefert? Das sagt er nicht sogleich, sondern zuerst, daß er es überkommen habe. Und was hast du denn überkommen? „Daß Christus für unsere Sünden gestorben ist.“ Er sagt nicht sogleich: Es gibt eine Auferstehung der Leiber, sondern er sucht den Beweis dafür weit her und erwähnt des Todes Christi, womit er vorerst ein festes und unerschütterliches Fundament lege, um darauf die Lehre von der Auferstehung zu bauen. Er sagt auch nicht bloß: Christus ist gestorben, wiewohl Dieses zur Erklärung der Auferstehung hingereicht hätte, sondern er setzt hinzu: „für unsere Sünden.“ Es ist hier vor Allem der Mühe werth, zu vernehmen, was Diejenigen sagen, die am Manichäismus kranken, diese Feinde der Wahrheit, die gegen ihr eigenes Heil ankämpfen. Sie sagen: Paulus versteht hier unter Tod nichts Anderes, S. 666 als den Zustand der Sünde, und unter Auferstehung die Befreiung von der Sünde. Siehst du, wie es nichts Ohnmächtigeres gibt, als den Irrthum? Wie er sich in seinen eigenen Federn3 fängt, wie er, ohne Angriff von aussen her, mit seinen eigenen Waffen sich schlägt? Betrachte nur einmal, wie die Irrlehrer mit ihren eigenen Worten sich schlagen! Denn wenn Das4 der Tod ist, Christus aber nach eurer Ansicht keinen Leib angenommen hat, und dennoch gestorben ist, so war er ja nach eurer Annahme in Sünden. Ich behaupte, Christus habe einen Leib angenommen, und unter seinem Tode verstehe ich den Tod des Leibes; da aber du (Manichäer) Das läugnest, so bist du gezwungen, jene Behauptung aufzustellen. War aber Christus in Sünden, wie konnte er sagen: „Wer aus euch kann mich einer Sünde beschuldigen?“5 Und: „Es kommt der Fürst dieser Welt, und an mir hat er Nichts.“6 Und wieder: „So ziemt es sich für uns, Alles zu erfüllen, was recht ist.“7 Ja wie konnte er denn für Sünder sterben, wenn er selbst in Sünden gewesen? Denn wer für Sünder stirbt, muß selber sündlos sein; denn wenn er selber sündigt, wie wird dann ein Solcher für andere Sünder sterben? Starb aber Christus für die Sünden Anderer, so starb er selbst sündlos; wenn er aber sündlos starb, so starb er nicht des Sündentodes (wie wäre Das möglich gewesen, da er sündlos war?), sondern des leiblichen Todes. Darum sagt Paulus nicht schlechthin: „Er starb“, sondern fügte bei: „für unsere Sünden,“ wodurch er sie zwingt, auch wider ihren Willen einen leiblichen Tod zuzugestehen, und eben dadurch beweist, daß er auch vor dem Tode keiner Sünde unterworfen gewesen; denn wer für die Sünden Anderer stirbt, muß nothwendig selbst frei sein von Sünden. Allein auch Das genügte ihm nicht, sondern er setzt S. 667 bei: „gemäß den Schriften,“ wodurch er abermals seine Rede bekräftigt und zeigt, welchen Tod er im Sinne habe; denn die Schriften reden überall von dem leiblichen Tode; denn es heißt: „Sie haben meine Hände und meine Füße durchbohrt;“8 und: „Sie werden sehen, wen sie durchbohrt haben.“9


  1. Gal. 5, 10. ↩

  2. I. Kor. 15, 14. ↩

  3. Πτεροίς. ↩

  4. Der Zustand der Sünde. ↩

  5. Joh. 8, 46. ↩

  6. Ebd. 14, 30- ↩

  7. Matth. 3, 15. ↩

  8. Ps. 21, 17. ↩

  9. Joh. 19, 37. ↩

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Commentaire sur la première épitre aux Corinthiens Compare
Homilien über den ersten Brief an die Korinther (BKV)

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