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Hierher gehören sodann die tausenderlei ganz törichten Gebräuche, z. B.: Wenn irgendein Glied zuckt oder wenn mitten zwischen zwei nebeneinandergehende Freunde ein Stein, ein Hund oder ein Kind gerät: daß sie den Stein als Trenner der Freundschaft mit Füßen treten, das ist noch leichter zu ertragen, als wenn sie dem unschuldigen Kind Ohrfeigen geben, weil es zwischen spazierengehende Leute hineinläuft. Manchmal trifft es sich freilich recht schön, daß diese Kinder von den Hunden gerächt werden; denn sehr häufig kommt es vor, daß einige Leute so abergläubisch sind, daß sie auch einen Hund, der zwischen sie hineinläuft, zu schlagen wagen. Dies kommt ihnen aber teuer zu stehen: denn gar schnell trifft es sich, daß der Hund den, der ihn schlug, um sich dadurch törichterweise (vor den schlimmen Folgen der Begegnung) zu bewahren, zu einem Arzt S. 78schickt, (der ihn wirklich heilen muß). In den Bereich dieses Aberglaubens gehört ferner auch, wenn man beim Vorübergehen an seinem Haus auf die Schwelle tritt, wenn man wieder ins Bett zurückkehrt, falls man beim Schuhanziehen wiederholt niesen muß, wenn man gleich wieder umkehrt, sobald man beim Fortgehen an etwas anstoßt, wenn man, falls einem das Kleid von Mäusen angefressen wird, mehr infolge der Vorahnung eines künftigen Übels zittert als den gegenwärtigen Schaden beklagt. In betreff des letzteren Aberglaubens hat Cato einmal einen feinen Witz gemacht: Einer erzählte ihm einmal, es seien ihm seine Schuhe von Mäusen angefressen worden und fragte darum den Cato um Rat. Da gab dieser zur Antwort: dies sei gar kein Wunder; aber für ein wahrhaftes Wunder hätte man es halten müssen, wenn die Mäuse von den Schuhen angefressen worden waren.