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Bibliothek der Kirchenväter
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Œuvres Augustin d'Hippone (354-430) De doctrina Christiana (Test) Vier Bücher über die christliche Lehre (BKV)
3. Buch
3. Kapitel: Zweideutigkeiten in der Auflassung einer Schriftstelle können auch durch eine verschiedene Betonung des Textes entstehen

7.

Es gibt auch bei Silben von zweifelhafter Betonung eine Zweideutigkeit, die sich gleichfalls auf die Aussprache bezieht. Ob in der Schriftstelle: „Nicht verborgen ist vor dir mein ‚os‘ (‚Gesicht‘ oder ‚Gebein‘), das du im Verborgenen gemacht hast1“, die Silbe „os“ kurz oder gedehnt auszusprechen ist, das ist dem Leser nicht klar. Nimmt er die Silbe kurz, dann ist es der Singular von „ossa“ (Gebein). Nimmt er sie aber lang, so ist es der Singular von „ora“ (Gesichter). Derlei Schwierigkeiten lassen sich durch einen Einblick in die Ursprache lösen: Denn im Griechischen steht nicht „στόμα“ (Gesicht), sondern „ὀστέον“ (Gebein). Sehr häufig ist darum zur Bezeichnung der Sachen die Volkssprache zweckdienlicher als die reine Schriftsprache. Ich für meine Person würde darum trotz des Barbarismus lieber sagen: „Nicht verborgen ist vor dir mein ‚ossum‘“, als daß ich im Interesse eines besseren Lateins weniger klar wäre. Manchmal aber wird die zweifelhafte Betonung einer Silbe durch ein nahestehendes Wort des nämlichen Satzes richtig gestellt. So ist es z. B. der Fall bei folgender Stelle des Apostels (Paulus): „Quae praedico vobis, sicut praedixi … Das sage ich euch, was ich euch ja früher schon gesagt habe: Wer solches tut, der wird das Reich Gottes nicht erben2.“ Hätte er nur gesagt: „quae praedico vobis“ und nicht gleich hinzugefügt „sicut praedixi“, so bliebe S. 115nichts übrig als sich an die Handschrift der Ursprache zu wenden, um zu erkennen, ob in dem angegebenen Wort „praedico“ die mittlere Silbe gedehnt oder kurz auszusprechen sei. Jetzt aber ist es klar, daß sie gedehnt werden muß; denn Paulus sagt nicht „sicut praedicavi“, sondern „sicut praedixi“.


  1. Ps. 138, 15. ↩

  2. Gal. 5, 21. ↩

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