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Œuvres Augustin d'Hippone (354-430) Vorträge über das Johannes-Evangelium (BKV)
122. Vortrag

7.

Aber jenes ist ein Gleichnis in Worten, nicht in einer Begebenheit; in einer Begebenheit aber hat der Herr, wie an dieser Stelle die Beschaffenheit der Kirche am Ende der Welt, so durch einen andern Fischfang die Beschaffenheit der gegenwärtigen Kirche angedeutet. Daß er aber jenes am Anfang seiner Predigt tat, dieses dagegen nach seiner Auferstehung, damit zeigt er, jener Fischfang bedeute die Guten und Bösen, welche die Kirche jetzt hat; dieser aber nur die Guten, welche sie in Ewigkeit haben wird, nachdem die Auferstehung der Toten am Ende dieser Welt stattgefunden hat. Ferner dort stand Jesus nicht wie hier am Ufer, als er Fische zu fangen befahl, sondern „in ein Schifflein steigend, das dem Simon gehörte, bat er ihn, es ein wenig vom Lande abzustoßen, und in ihm sitzend, lehrte er die Scharen. Als er aber zu Reden aufhörte, sprach er zu Simon: Fahre auf die hohe See, und werfet eure Netze S. 1153 aus zu einem Fischfange“. Und dort war, was an Fischen gefangen wurde, in den Schiffen, nicht zogen sie wie hier das Netz ans Land. Durch diese Zeichen, und wenn man vielleicht noch andere finden kann, wurde dort die Kirche in dieser Welt, hier aber am Ende der Welt dargestellt; darum ist jenes vor, dieses aber nach der Auferstehung des Herrn geschehen, weil Christus uns dort als Berufene, hier als Wiedererweckte kennzeichnete. Dort werden die Netze nicht auf die rechte Seite ausgeworfen, damit sie nicht bloß die Guten andeuten, noch auch auf die linke Seite, damit sie nicht bloß die Bösen andeuten, sondern unterschiedslos: „Werfet eure Netze aus zu einem Fischfange“, sagt er, damit wir die Vermischung der Guten und Bösen erkennen; hier aber sagt er: „Werfet das Netz auf die rechte Seite des Schiffes“, um jene zu bezeichnen, die auf der rechten Seite standen, nämlich bloß die Guten. Dort zerriß das Netz, damit die Spaltungen angedeutet würden; hier aber, weil dann in jenem höchsten Frieden der Heiligen keine Spaltungen mehr sein werden, lag dem Evangelisten daran zu sagen: „Und obwohl ihrer so viele waren“, oder so große, „zerriß das Netz nicht“, gleich als ob er jenes Ereignis im Auge hätte, wo es zerriß, und im Vergleich mit jenem Übel dieses Gut hervorheben würde. Dort wurde eine solche Menge von Fischen gefangen, daß die zwei damit angefüllten Schiffe sanken1, d. h. zum Sinken niedergedrückt wurden; denn sie sind nicht völlig gesunken, aber doch in Gefahr gekommen. Denn woher entstehen in der Kirche so viele Übel, die wir bedauern, als wenn man einer so großen Menge nicht widerstehen kann, die beinahe bis zum Untergang der Disziplin hereinkommt mit ihren vom Wege der Heiligen so sehr abweichenden Sitten? Hier aber warfen sie das Netz auf die rechte Seite aus, „und sie konnten es wegen der Menge der Fische nicht mehr ziehen“. Was heißt: „Sie konnten es nicht mehr ziehen?“ als weil jene, die zur Auferstehung des Lebens gehören, d. h. zur rechten Seite, und innerhalb der Netze des christlichen Namens dahinsterben, erst am Ufer, d. h. am Ende der S. 1154 Welt, wenn sie auferstehen, sich zeigen werden? Darum konnten sie die Netze nicht so ziehen, daß sie die gefangenen Fische auf das Schiff brachten, wie es mit all jenen geschehen ist, durch die das Netz zerrissen und die Schifflein zum Sinken gebracht wurden. Es hat aber die Kirche jene zur rechten Seite Gehörenden nach dem Ende dieses Lebens im Schlummer des Friedens, wie in der Tiefe verborgen, bis das Netz ans Ufer kommt, wohin es gezogen wurde, ungefähr zweihundert Ellen weit. Was aber dort durch die zwei Schiffe, wegen der Beschneidung und der Vorhaut, dies ist, wie ich glaube, hier durch die zweihundert Ellen gesinnbildet, wegen der Auserwählten beider Gattungen, der Beschneidung sowohl als der Vorhaut, gleichsam hundert und hundert, weil bei der Summe von hundert die Zahl nach rechts hinübergeht2. Schließlich bei jenem Fischfang wird die Zahl der Fische nicht angegeben, gleich als würde dabei das zutreffen, was durch den Propheten vorausgesagt wurde: „Ich habe verkündet und geredet (Deine Wunder); sie sind erhaben über die Zahl“3; hier aber sind nicht einige über die Zahl, sondern es ist eine bestimmte Zahl von hundertdreiundfünfzig. Von dieser Zahl ist mit der Hilfe des Herrn Rechenschaft zu geben.


  1. Luk. 5, 3―7. ↩

  2. Bis hundert nämlich zählte man mit der linken Hand (Hayd). ↩

  3. Ps. 39, 6 [hebr. Ps. 40, 6]. ↩

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Vorträge über das Johannes-Evangelium (BKV)

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